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Full text of "Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde"

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ZEITSCHRIFT 



FÜR 



ÄGYPTISCHE SPRACHE 



UNI) 



ALTERTHUMSKUNDE 



MIT UNTERSTÜTZUNG DER DEUTSCHEN MORGENLANDISCHEN GESELLSCHAFT 



HERAUSGEGEBEN VON 



A. ERMAN UND G. STEINDORFF 



SIEBENUNDDREISSIGSTER BAND 



®^^ 




LEIPZIG 
J. C. HINRICHS'SCHK BUCHHANDLUNG 



Inhalt des 37. Bandes. 



Seite 

Bming, Fr. W. v. Eine altägyptische Mädcheiitraclit (mit 5 Abbildungen) 75 

— und Borchardt, L. Ein Pyramidentext in ursprünglicher Fassung (mit 18 8eiten autographirter Texte) 103 
Borchardt, L. Ein altägyptisches astronomisches Instrument (mit 3 Abbildungen) 10 

— Der zweite Papyrusfund von Kalma und die zeitliclie Festlegung des mittleren Reiches der ägyptischen 
Geschichte (mit 1 Skizze) 89 

Breasted, J. IL The Length and Season of Thutmose III.'s First Campaign 123 

— Ramses II. and the Princes in the Karnak Reliefs of Seti I. (mit 5 Abbildungen) 130 

Naville, E. Un dernier mot sur la succession des Thoutmes (mit 1 Abbildung) 48 

Oefele, F. v. Zur Erklärung des Veterinärpapyrus von Kahun 55 

— Medicinische Realien zu Papyrus Bkugsch major 13, 3 bis 13, 6 := Peritonitis 140 

Price, F. G. H. Two objects from prehistoric tombs (mit 1 Abbildung) 47 

Reisner, G. The Dated Canopic Jars of the Gizeh Museum (mit 11 Abbildungen) 61 

Schäfer, H. Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen bei Abusir im Winter 1898/99 (mit 2 Tafeln 

und 4 Abbildungen) 1 

— Die Wiedereinrichtung einer Arzteschule in SaVs unter König Darius 1 72 

Spiegelberg, W. Demotische Miscellen IV. Zur Definition des "Demotischen" 18 

Miscellen : 

Bissing, Fr. W. v. Das Wort '^fl \>i A 1'^^ 

— Zu Herodot II, 112 79 

— Zu Teil el Yahudiyeh ed. Egypt Exploration Fund Tafel VIII 86 

Borchardt, L. Die Hieroglyphe 1/ 82 

— Hieroglyphen für " Brauer- (mit 3 Abbildungen) 82 

— Pflastersteine 80 

— Usurpirte Grundsteinbeigaben. Mit einem Zusatz von G. Reisner 143 

— Zu Pap. Westca« V, 11 ff'. 81 

Calice, Fr. v. Weiteres über die Art der Hinrichtung im alten Ägypten 146 

Schack-Schackenhiirg, H. Die angebliche Berechnung der Halbkugel 78 

Schäfer, H. Das Wort für -Brauer« 84 

— Das Wort für »worfeln.. 85 

— Zu Anast. IV, 11 (Sali. 1,9) 85 

Spiegelherg, W. Berichtigung 86 

Erschienene Schriften 88. 147 



Heinrich Schäfer: Bericht über d. Ausgrabungen b. Abusir. [XXXVIT. Band. 1899.] 1 




Abb. 1. 
Das von König Ra-en-user bei Abusir erbaute Re-Heiligthum Sspw-ib-r(^). 



Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen bei Abusir 
im Winter 1898/99. 

Von Heinrich Schäfer. 



Hierzu Tafel I und II. 

Uie Güte unseres Fachgenossen Dr. v. Bissing hat es dem Berliner Museum er- 
möglicht, eine auf mehrere Jahre berechnete Ausgrabung bei der nördlichsten 
sogenannten Pyramide von Abusir zu beginnen. Da im verflossenen Winter 
nur etwa ein Drittel der dort zu leistenden Arbeit gethan ist, so wird eine 
endgültige Veröffentlichung noch Jahre auf sich warten lassen. Darum soll 
dieser Bericht vorläufig wenigstens in grofsen Zügen ein Bild von dem, was 
bis jetzt erreicht ist, geben. 



*) In dieser Planskizze sind die bis jetzt freigelegten Theile des Geländes schraffirt. 

Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Band. 1899. 1 



/♦ 



7/ 



2 Heinrich Schäfer: Bericht über d. Ausgrabungen b. Abusir. [XXXVIl. Band. 

Im Frühjalir 1898 wurde durch das Vermach tnifs des verstorbenen Dr. 
0. H. Deibel eine Reihe von Reliefs des a. R., darunter ein Portrait des Königs 
Ra-en-user, erworben'), die angeblich aus einem Grabe bei Abusir stammen 
sollten. Nach der Art der Darstellungen aber, die an gewisse Reliefs in Bu- 
bastis") und Soleb^) erinnerten, konnten diese Reliefs unmöglich aus Gräbern 
kommen, sondern mufsten vielmehr einem Tempel angehört haben. Die Ver- 
muthung, dafs die Reliefs dem von Lepsius als Pyramide XV*), von Perring als 
Pyramide Nr. 12'') bezeichneten Gebäude entstammten, bestätigte sich, als es 
Hrn. Dr. Reinhardt, dem unermüdlichen Förderer unserer Museen, gelang, den 
Herkunftsort jener Reliefs zu erkunden. Schon Eduard Meyer") hatte dieses 
Bauwerk als eines der Heiligthümer des Re angesprochen, eine Vermuthung, 
die durch Sethe fast zur Gewifsheit erhoben worden war, indem er ein von 
Perring gefundenes Inschriftenbruchstück in glücklichster Weise als die Weih- 
inschrift des Heiligthums /rm-^'Ö'' ^^^ ^6™ Ra-en-user gehörte, ergänzte^). Da 
sich also die Hoffnung bot, nun endlich die Anlage und Ausschmückung eines 
jener merkwürdigen Gebäude kennen zu lernen, wurde eine Freilegung des 
Bauwerks ins Auge gefafst, nachdem noch vorher von den HH. Prof. Dörpfeld 
und Dr. Borchardt durch eine nochmalige Untersuchung des Ortes festgestellt 
war, dafs eine Grabung wohl Aussicht auf Erfolg habe. Doch waren sämmt- 
liche Betheiligte sich darüber klar, dafs bei dem Unternehmen auf glänzende 
Museumsstücke nicht zu rechnen sei, die Ergebnisse vielmehr vorwiegend rein 
wissenschaftlicher Art sein würden. 

Das Gebäude liegt etwa 1200 m nordöstlich von der nördlichsten der drei 
grofsen Pyramiden von Abusir in der Mündung eines flachen Wüstenthals, dicht 
am Rande des Fruchtlandes. 

Ein niedriger natürlicher Hügel ist mit Hülfe mächtiger geböschter Futter- 
mauern zur Baufläche umgestaltet worden. Dabei wurden ältere Ziegelgebäude, 
'lA^t etwa Mastabas, die sich dort vorfanden, eingeebnet. Reste von Ziegelmauern 

>U^U4^y<-u4v,-4t. haben sich an mehreren Stellen unter dem Pflaster des Hofes gefunden. 

Auf dieser künstlichen Plattform wurde das Heiligthum in Form eines 
offenen, rings von bedeckten Räumen umgebenen Hofes errichtet, in dessen 
hinterer Hälfte sich der wichtigste Theil des Ganzen, der Sonnenobelisk, erhob. 
Hof und Obelisk sind nach den Haupthimmelsrichtungen orientirt, so dafs die 
Front des Obelisken und das vorspringende Thorgebäude des Hofes nach Osten 
gerichtet sind. Das Gebäude bildet ein Rechteck von rund 7.5x100 m. 



') Siehe Ausf. Verz. 1899, S. 42, sowie Taf. I. 

^) Siehe Naville, The festival Hall u. s. w. 

3) Siehe LD. 111, 83 ff. '') Perring -Vyse III, 10 ff. 

*) LD. I 32, Textl S.129. «) Gesch. Ägypt. S.71, Anm. 2. 

') Wie unten erwähnt, ist dieser Block wieder aufgefunden worden. Es scheint nicht 



sondern 



dazustehen, was ja auch besser zu einem Obelisken pafst. 



1899.] Heinrich Schäfer: Bericht über d. Ausgrabungen b. Abusir. 3 

All der Süd- und Ostseite bestehen die Räume, die den Hof einschliefsen, 
aus einem einfachen, flach gedeckten Umgange von etwa 2 m lichter Breite. 
Die bedecliten Räume der Nordseite sind bedeutend breiter, da hier hinter 
einem schmalen Gange von rund 1,50 m Breite die Schatzkammern des Tempels 
in langer Reihe neben einander liegen. Es sind schlichte Kammern von etwa 
2x5 m, deren Längsachsen von N. nach S. gerichtet sind und deren Thüren 
an den südlichen Schmalseiten nach dem Gange hinausgehen. Nur die erste 
Kammer nach Osten zu erstreckt sich von 0. nach W. und ihre Thür liegt in 
der Längsseite. Das kommt daher, dafs hier zwischen diese Kammer und 
den Gang eine Treppe eingeschaltet ist, die wohl auf das Dach der den Hof 
umgebenden Räume ging. Schatzkammern wie Treppe waren sämmtlich nur 
von dem schmalen Gang au.s zugänglich, und, da dieser keine Thür nach dem 
Hof hinaus gehabt zu haben scheint, so waren alle diese Räume an einer ein- 
zigen Thür zu bewachen, da wo der schmale Gang auf den östlichen Umgang 
stöfst. Dieser östliche Umgang selbst ist am Nordende durch eine Thür ab- 
geschlossen, die durch einen kleinen Vorraum, etwa ein Pförtnerzimmer, ins 
Freie fährt. Ebenso wie der nördliche schmale Gang vor den Schatzkammern 
ist auch der südliche Umgang von dem östlichen durch eine Einziehung abge- 
schlossen. Wie die architektonische Verbindung des östlichen Umgangs mit dem 
Thorgebäude gestaltet war, läfst sich noch nicht sagen. Es sind in dieser 
Gegend mehrere Theile von sogenannten falschen Gewölben gefunden worden, 
sowie Stücke von Bündelsäulen oder Pfeilern, ähnlich den von Borchardt, 
Pflanzensäule S. 50, abgebildeten. Doch haben sich Standspuren von Säulen 
auf dem Thorpflaster nicht nachweisen lassen. Der Beleuchtung der Räume 
dienten kleine Fenster in der auch sonst bekannten Schlitzform. Wenigstens hat 
sich die Hälfte der Einfassung eines solchen in der Gegend der Schatzräume 
gefunden. 

Die Hauptmauern sind in ihrem Kern aus grofsen Blöcken des gelben Kalk- 
steins gebaut, wie er in der Nähe überall ansteht. Die Fugen sind durch kleine 
Steine ausgezwickt und mit Nilschlamm verschmiert. Viel schlechter ist schon das 
Werk der Mauer nach dem Hofe zu , und einige Zwischenmauern in den Schatz- 
kammern bestehen überhaupt nur aus aneinandergesetzten Bekleidungsplatten. 
Genügend fundamentirt ist nur die Aufsenmauer und zwar durch eine breitere 
Lage gelber Blöcke auf einer Schicht von Ziegelbrocken , die mit Thonscherben^) 
gemischt sind. Der Boden des ganzen Gebäudes ist mit einer Schicht flacher 
gelber Kalksteine belegt. Über dieser liegt das eigentliche Pflaster aus gutem 
weifsem Kalkstein, das bis an die Kernmauern heranreicht, wo sein Niveau 
durch wagerechte rothe Linien bezeichnet ist. Auf dieses Pflaster nun ist die 
Wandbekleidung aus grofsen, bis 50 cm dicken Platten des feinsten weifsen 
Kalksteins aufgesetzt. Rothe Fluchtlinien in den Ecken der Kernmauern sowie 



^) Beides wohl aus den erwähnten älteren Ziegelbauten. 



4 Heinrich Schäfer: Bericht übei- d. Ausgrabungen b. Abusir. [XXXVII. Band. 

auf dem Plattenpflaster geben den Lauf der Bekleidung genau an. Bei der Ver- 
wüstung, die in dem ganzen Gebäude herrscht, sind uns diese rothen Linien von 
unschätzbarem Werth'). 

Da gerade die Bekleidungsblöcke als das Werthvollste zuerst herausgerissen 
und zerschlagen sind, wir also nur lauter Bruchstücke vor uns haben ^), läfst 
sich über die Ausschmückung der Innenräume bis jetzt nur ganz Allgemeines 
sagen. Im südlichen und östlichen Umgang fanden sich zahlreiche Blöcke und 
Bruchstücke mit Darstellungen aus einem Feste, genau entsprechend den Berliner 
Stücken. Nach den oben erwähnten ähnlichen Reliefs aus Bubastis und Soleb 
haben wir hier eine Darstellung des sd-¥estes vor uns, zu dessen Feier also 
der Bau errichtet sein wird^). Ordnen werden sich die vielen einzelnen Stücke 
erst später lassen. Die Darstellungen begannen über einem schwarzen gemalten 
Sockel und den bekannten schwarz und rothen Streifen erst in 1,75 m Höhe, 
waren natürlich bunt ausgemalt und oben durch ein grofses Fransenornament 
abgeschlossen. Die Decke war mit gelben Sternen auf blauem Grunde verziert. 
In der Thorgegend fanden sich aufser den erwähnten Säulenresten Stücke mäch- 
tiger Rundstäbe und Hohlkehlen. Im Thor selbst scheinen die Reliefs auf einem 
Sockel von Granit geruht zu haben. Hier war wohl der König in Riesengröfse 
vor dem Gotte dargestellt. Wenigstens haben sich Blöcke mit Theilen der 
Königsfigur sowie mit Worten aus den Reden eines Gottes gefunden. Hervor- 
gehoben sei ein Block von vorzüglicher Arbeit, auf dem der König von einem 
Gotte mit ganz ungewöhnlichem runden Vollbart umarmt wird, ferner ein an- 
derer Block mit dem Hinterteil eines grofsen Ochsen^). 

Die Schatzräume an der Nordseite sind innen ganz unverziert, dagegen 
sind ihre sandsteinenen Thürpfosten aufsen mit den Namen des Königs ge- 
schmückt. Auf den Wänden des Ganges waren niedrige Tische der bekannten 
Art dargestellt, auf denen goldene und silberne Schmucksachen lagen. Auch 
fanden sich hier mehrere Blöcke mit den schön ausgeführten Namen des Königs, 
sowie Darstellungen von Göttern, unter Anderem eines sperberköpfigen Gottes 
mit Sonnenscheibe^). Übrigens sind einige der Reliefs unvollendet geblieben. 

Von dem Mittelbau der ganzen Anlage, der im Hintergrund des Hofes 
liegt und nach den Determinativen des mehrmals auf unseren Bruchstücken 
vorkommenden Gebäudenamens Sspw-ib-Rc die Form Jl gehabt haben mufs, ist 
nur die Nordhälfte der Ostfront von uns zur Gewinnung der Basislänge frei- 
gelegt worden. Was jetzt noch steht, ist wahrscheinlich nicht viel mehr als 

^) In der Planskizze sind auch die nur durch solche rothen Linien nachgewiesenen Mauern 
voll ausgezeichnet. 

^) Bei jedem Bruchstück ist natürlich die Fundstelle in der Liste der Funde genau ver- 
zeichnet. 

^) Also auch in ihrer Beziehung zum .9c?- Feste sind diese Sonnenobelisken die Vorläufer 
der späteren Monolithen. 

*) Hat man dabei an den Mnevis, das heilige Thier des Atum, zu denken .>* 

*) Man denkt an Re-Atum. 




1. Oben rechts : der Fufs des Königs wird gesalbt. 1 : 8. 




'2. Oben links der König, rechts ein Sohl] 



Aus den Darstellungen der Feier des S^^- Festes unter 



Tafel I. 




3. Die Köniiiskinder werden zum Fest getragen. 1 : 8. 





4. Portrait des Königs Ra-en-user. 1:10. 



aus dem von ihm erbauten Heiligthum des Re bei Abusir. 



1899. 



Heinrich Schäfer: Bericht über d. Ausgrabungen b. Abusir. 



der mastabaälinliclie Unterbau. Der Kern des Baues besteht wieder aus grofsen 
Blöcken des gelben Kalksteins, nur die Nordostecke ist aus auffallend kleinen 
Steinen nachlässig gebaut. Die Mitte der Ostfront ist durch einen senkrechten 
rothen Strich markirt. Das Fundament bilden drei Schichten sorgfältig ge- 
legter mächtiger Kalksteinblöcke, an denen sich wieder die Niveaulinie für 
das Pflaster des Hofes findet. Von der Bekleidung ist die unterste Lage, die aus 
grofsen Granitblöcken besteht, noch wohl erhalten. Sie hat eine Böschung von 
14° und eine Basislänge von rund 86 m. Auf diese Granitschicht setzt sich in 
derselben Böschung feiner Kalkstein auf, von dem indessen nur ein Block noch 
in seiner Lage gefunden worden ist. Von den im Schutt gefundenen Beklei- 
dungsbruchstücken ist ein Kalksteinstück erwähnenswerth , das an der gebösch- 
ten und der wagerechten Fläche die gelbe Luftpatina zeigt, also nur von der 
oberen Kante des Mastababaues stammen kann. Der Fufs dieses Unterbaues 
scheint von einer kleinen Stufe eingefafst gewesen zu sein. 




Abb. 2. 

Der grofse Alabasteraltar im Hofe vor dem Mittelbau. 



Vor der Mitte des Obelisken liegt im Hofe das Prachtstück der Anlage, 
der grofse Altar aus Alabaster'). Er besteht aus fünf gewaltigen Alabaster- 

1) Siehe Abb. 2. 



6 Heinrich Schäfer: Bericht über d. Ausgrabungen b. Abusir. [XXXVII. Band. 

blocken: vier,, mit den Spitzen nach aufsen, zu einem Rechteck in einander ge- 
schobene c=?t=. Opfertafeln umschliefsen einen fünften trommeiförmigen Block, 
der den runden Brotteller vorstellt. Bei seiner Gröfse — er mifst von Spitze 
zu Spitze 5,50x6 ni und ist etwa 1,20 m hoch — , bei seiner ungewöhnlichen 
Form und seiner prächtigen Erlialtung hat der Altar wohl kaum seinesgleichen. 
Die Beschafi'enheit des auf ihm lagernden Schuttes zeigte, dafs er schon einmal 
freigelegt und dann absichtlich wieder verschüttet worden war. Erst nach- 
träglich sind wir darauf aufmerksam geworden, dafs de Morgan bei der Her- 
stellung seines Planes, Carte de la necropole memphite, Taf. 11 oben rechts, 
irgend eine Notiz von diesem Altar gehabt haben mufs, denn die auf diesem Plan 
eingezeichnete seltsame Figur kann, trotzdem sie an falscher Stelle steht und in 
falschem Mafsstab gehalten ist, doch nur eine Entstellung unseres Altares sein^). 
Ich weifs nicht, woher ihm diese Skizze zugegangen ist. In die wissenschaftliche 
Welt ist, soviel ich weifs, keine nähere Nachricht darüber gedrungen. Auch dem 
Gedächtnifs der Leute war jede genauere Erinnerung entschwunden. Nur die 
Leute aus Abusir hatten eine dunkele Ahnung von einer grofsen Alabaster-Oda, 
durch deren Entdeckung sie sich ein versprochenes gröfseres Bachschisch ver- 
dienen wollten. Doch suchten sie an einer ganz anderen Stelle. 

Wie die Gestalt des Pflasters um den Altar zeigt, war er rings von 
einer Mauer eingeschlossen, stand also wohl in einem kleinen Tempelchen. 
Doch läfst sich über dessen Form bis jetzt noch nichts sagen. Vor der Ost- 
spitze des Altars steht ein treppenähnlicher Granitblock in situ, mit Vertiefungen 
auf seiner Oberfläche, die etwa zum Einschieben eines Metallstücks gedient 
haben könnten"'^). In dem hier zu vermuthenden Gebäude sind wohl auch die 
grofsen granitenen Thüreinfassungen mit Angellöchern und grün ausgefüllten 
Inschriften unterzubringen, die sich hier gefunden haben. Auch das eingangs 
erwähnte, von Perring abgebildete Stück mit der Weihinschrift ist darunter. 
In der Altargegend lagen auch viele kleinere Alabasterstücke mit fein ausge- 
führten Schriftzeichen, die etwa aus Opferlisten stammen könnten. 

Die bis jetzt allein freigelegte Nordhälfte des Hofes trug kein weiteres 
Gebäude, sondern war von einer eigenthümlichen Anlage eingenommen. Das 
ganze Hofpflaster ist hier von Westen nach Osten von flachen, etwa 20 cm 
breiten Rillen durchzogen, die sich nach Osten hin allmählich vertiefen. Dieses 
Rillenpüaster liegt höher als das Pflaster des übrigen Hofes. Man hat sich 
wohl diese Fläche als den Schlachthof des Tempels zu denken. Wohin die 
Rillen mündeten, ist noch unklar, da der entscheidende Theil des Pflasters fehlt. 

Zweifelhaft ist es also auch, ob sie mit den 9 (wohl früher 10) grofsen 
Alabasterbecken einen Zusammenhang gehabt haben, die an der Ostseite des 



') Ich kann dabei nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, dafs wenigstens für unser Re- 
Heiligthum und seine nähere Umgebung de Morgan's Plan nur eine Verballhornung der ge- 
wissenhaften LEPsius-ERBKAM'schen Aufnahme ist. 

2) Siehe Abb. 2. 



1899.] 



Heinrich Schäfer: Bericht über d. Ausgrabungen b. Abusir. 



Hofes, etwa 2,50 m von der Mauer, in einer Reihe neben einander stehen^). Es 
sind runde Becken, die aus quadratischen Alabasterblöcken ausgearbeitet sind. 
Der erhabene Rand des eigentlichen Beckens ist von einer Menge kleiner Näpl- 
chen eingefafst. Das runde Eintlufsloch befindet sich auf der Ostseite. An 
dem siebenten von Süden aus steht in halbcursiven Zeichen eingemeifselt die 

Inschrift f\ i "die w^b-t des . . . . hauses des Königs«, die doch 

wohl eine Hinweisung auf die Bestimmung der Becken enthält. Das achte 
Becken von Süden aus ist schon früher herausgerissen und zerstört. Die 
Becken werden schon von Villiers Stuart in seinem »Egypt after the war« 
1888 erwähnt. In de Morgan's Plan sind nur sieben eingetragen, und so viel 
fanden auch wir bei unserer Ankunft sichtbar vor. Die beiden anderen waren 
wieder verschüttet^). 




Abb. 3. 

Die Alabasterbecken und der östliche Umgang mit dem Hauptthor. 
Von der Gegend der Treppe aus gesehen. 



1) Siehe Abb. 3. 

^) Aus ViLLiER Stuart's verwonenem Bericht über seine »Ausgi'abung« ist nichts Brauchbares 
/u entnehmen. Stark wäre es, wenn mit den folgenden Worten wirklich der grofse Altar erwähnt 
würde: »At a depth of 16 feet below the surface and at a distance of about 50 yards behind the 
basins, and close to the Pyramid, we came upon the walls of the temple I expected to find. 
They also were of alabaster, in enormous blocks and quite uninjured. 1 laid bare the tloor, 
which I found to be of limestone«. 



8 Heinrich Schäfer: Bericht über d. Ausgr.abiingen b. Abusir. [XXXVll. Band. 

Das ganze Heiligthum bietet sich heute in einer wüsten Zerstörung dar. 
Die Bekleidung ist fast überall herausgerissen und weggeschleppt oder in kleine 
Stücke zerschlagen; das Plattenpflaster ist an den meisten Stellen aufgehoben 
oder ganz entfernt. 

Wir dürfen aber nicht alle Zerstörungen den modernen Bewohnern der 
Gegend zuschieben. In den Schatzkammerräumen hat sich die Ecke eines Grab- 
steines aus der Zeit zwischen altem und mittlerem Reich gefunden , sowie 
mehrere Reste von Begräbnissen aus dem Anfange des neuen Reichs. Aufsen 
an der nördlichen Futtermauer fand sich eine halb zerfallene römische Mumie, 
und im Innern des Hofes waren überall Ziegelhäuser an die Wände gebaut, 
und zwar zu einer Zeit, wo die Bekleidung noch an ihrer Stelle stand. Selbst 
auf dem Schutt der Obeliskenbekleidung sind solche Ziegelhäuser gebaut, die 
zum Theil sicher erst aus früharabischer Zeit stammen. Zu all diesen späteren 
Einbauten sind mit Vorliebe die Platten des Pflasters verwendet worden. 

Unter diesen Umständen ist es erklärlich, wenn noch sehr viele Fragen 
ungelöst geblieben sind. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie weit eine 
Lösung überhaupt möglich ist. Es bleibt uns noch die Reinigung der süd- 
lichen Hofhälfte und der ganzen Umgebung des Obelisken. Aber selbst dann 
ist noch nicht Alles geleistet, was hier zu thun ist. Denn das Heiligthum 
nimmt nicht den ganzen Raum der künstlichen Plattform ein. Zwischen seinen 
Aufsenmauern und den Futtermauern des Plateaus bleibt noch ein breiter Raum, 
der im Norden und im Osten mit wohl alten Ziegelgebäuden bedeckt ist. Ferner 
liegt unten im Thal, in einer Entfernung von etwa 150 m, ein kleiner, fast 
ganz zerstörter Tempel in einer schon in Erbkam's Aufnahme angegebenen Um- 
wallung, die wohl ein Quadrat von rund 300 m bildete. Dies ist offenbar die 
»Stadt« ^ , die zu dem Heiligthum gehörte. Sie steht mit der oberen An- 
lage durch eine Rampe in Verbindung. Doch liegt ihre Mittelaxe nicht in der 
Verlängerung der des Heiligthums, sondern weicht, wohl des Geländes wegen^), 
von dieser um etwa 40° nach W. ab. Diese Abweichung hat auch Unregel- 
mäfsigkeiten in der Führung der östlichen Futtermauer des Plateaus zur Folge 
gehabt, über die sich aber bis jetzt noch nichts Sicheres sagen läfst. 

Die Arbeit wurde begonnen am 7. November mit etwa 30 Arbeitern, deren 
Zahl im Lauf des Winters bis gegen 150 wuchs. Vom Ende des Decembers 
an konnte eine Kleinbahn benutzt werden , die , obgleich sie nur in schlechtem 
Zustand war, gute Dienste geleistet hat. Am 4. Februar wurde das Arbeits- 
feld verlassen. 

Die Leitung der Ausgrabung war, da ich ohnehin zu einem anderen Zwecke 
nach Ägypten geschickt war, mir übertragen worden. Vom Anfang December 
an erhielt ich erwünschte Hülfe an Hrn. Dr. Rubensohn, der, einer Aufforderung 
des Athenischen Instituts folgend, sich den Königl. Museen für diese Ausgrabung 



Vergl. die ERBKAivi'sche Aufnahme. 



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Unfi'1-t.isc Vm.sc ;nis K,-ilL.-,t.ii). 1:21/.^. 




Töpfe des a. R. Feuersteinmossor. Gevviilit. 1:4. 



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Polirsteine. Reibscliale für Farben und Reiber. 



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Aus den Funden von Abusir. 

Zusammengestellt und aufgenommen durch Dr. v. Bissing. 



1899. 



Heinrich Schäfer: Bericht über d. Ausgrabungen b. Abusir. 



bereitwilligst zur Verfügung gestellt hatte. Vom Ende December an hat er 
dann selbständig die Arbeiten geleitet. Ende Januar kehrte ich zum Abschlufs 
der Arbeit zurück. 

Mit lebhaftem Dank gedenken alle Betheiligten des Hrn. Dr. Lindl, der 
durch fast zwei Monate seine ganze Kraft freiwillig in den Dienst unserer 
Sache gestellt hat. 

Meinem Freunde Quibell danke ich für die gute Stütze, die er mir durch 
Überlassung von zweien seiner besten früheren Arbeiter gegeben hat. 

Die Planaufnahmen sind an Ort und Stelle von mir und Rubensohn ge- 
macht, dann von Bokchardt für die Publication umgezeichnet worden. Wie oft 
BoRCHAKDT aber an Ort und Stelle mit Rath und That geholfen hat, wieviel 
Zeit er vor, während und nach der Grabung dem Unternehmen freudig geopfert 
hat, können nur die recht beurtheilen, die selber den Gang der Grabung ver- 
folgt haben. 







Abb. 4. 

Versuch einer Reconstruction der ganzen Anlage. 



Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Band. 1899. 



10 



Ludwig Borchardt: Ein altägypt. astronom. Instrument. [XXXVII. Band. 




Ein altägyptisches astronomisches 
Instrument. 

Von Ludwig Borchardt. 



Uie ägyptisclie Abtheilung der König- 
liclien Museen zu Berlin hat kürzlich zwei 
zusammengehörige astronomische Instru- 
mente erworben, die unter den Inventar- 
nummern 14084 und 14085 verzeichnet 
wurden. Beide Stücke sind zusammen 
in Kairo gekauft^). 

Das Instrument Nr. 14085 ist ein 
11,5 cm langes, 1,3 cm breites und 
0,4 cm dickes Lineal aus gelblichweifsem 
Knochen, auf dessen einem Ende ein 
1,25 cm hoher, 0,8 cm tiefer, rechteckiger 
Aufsatz angearbeitet ist. Dieser hat oben 
eine 0,2 cm im Durchmesser grofse Quer- 
bohrung, von deren seitlichen Offnungen 
je eine kleine Rille senkrecht nach unten 
verläuft. So kam das Instrument in den 
Besitz des Museums ; die hierneben mit- 
dargestellte Lothschnur ist eine Ergän- 
zung, von der weiter unten die Rede 
sein wird. 

Das zweite Instrument Nr. 14084 
besteht nur aus einer 34 cm langen, oben 
3,4 cm, unten 1,2 cm breiten, dunkel- 



^) Der Händler gab als Fundort Araba, d.h. 
Abydos, an. Trotzdem mit den beiden Gegenstän- 
den eine ganze Reihe von anderen, sicher aus Aby- 
dos stammenden Alterthümern erworben wurde, 
ist dennoch bei den beiden Instrumenten auf 
diese Herkunftsangabe nicht viel zu geben, da z. Z. 
wegen der erfolgreichen Ausgrabungen in Abydos 
fast alle in Kairo ausgebotenen Antiquitäten von 
dort kommen sollen. Es ist also sicherer, die 
Frage nach der Herkunft der Instrumente offen 
zu lassen. 



Nr 14084 



1899.] Ludwig Borchardt: Ein altägypt. astronom. Instrument. 11 

braunen Rippe eines Dattelpalmwedels, in dessen breites Ende ein 3,7 cm langer, 
etwa 0,3 cm breiter Schlitz geschnitten ist. Etwa im unteren Drittel war der 
Stab zerbrochen, ist jedoch wieder zusammengefügt worden, ohne dafs von der 
Länge etwas verloren gegangen wäre. 

Beide Stücke sind nun durch hieroglyphische, in eingeritzten Linien aus- 
geführte Inschriften geschmückt, welche die Erklärung der Instrumente wesent- 
lich erleichtern. Auf dem Knochenlineal steht auf der Unterseite, am Ende 
mit dem Ansatz anfangend, zwischen zwei Begleitlinien folgende nach rechts 
sehende Verticalzeile , die hier der leichteren Wiedergabe wegen horizontal und 
nach links gesetzt ist: 

«Ich weifs den Gang der Sonne [,des Mondes?^)] und der Sterne, jedes zu 
seiner Stelle. Für den Ka^ des Horoskopen Hör, des Sohnes des Hor-wedaL»^ 

Auf der Palmrippe steht ebenso zwischen zwei Begleitlinien und gleichfalls 
in einer nach rechts sehenden Verticalzeile am dickeren Ende anfangend: 

<:zz> ü <z=> Jr° Ja KJi "v^b^ o ^^^^ l l l I aawva c^ I l l l /wwva U JiH^ aaaaaa 

»Aufmerken auf die Einleitung des Festes, alle Leute auf ihre Stunde 
stellen. Für den Ka? des Horoskopen Hör, des seligen, des Sohnes des Sohnes 
des Königs, des Herrn beider Länder, Hor-weda^, des seligen, und seiner Mutter 
Eset-heh.«- 

Die Inschriften zeigen uns also die ungefähre Datirung der beiden Instru- 
mente"^). Eine Königin mit dem Namen Eset-heb kommt nämlich auch auf der 
Statue Nr. 10192 des Berliner Museums (Ausf. Verz. ^ S. 182) vor und gehört 
danach etwa in die 26. Dynastie, wenn man ihre genaue zeitliche Stellung auch 
nicht näher fixiren kann. Die beiden Gegenstände werden also auch aus dieser 
Zeit, d. h. etwa aus dem 6. Jahrhundert vor Christo, sein. Die aufser der 
Eset-heb noch genannten beiden Personen lassen sich vorläufig nicht wieder- 
finden, da ihre Namen zu gewöhnliche sind. 

Der Titel ^), den der ehemalige Besitzer der Instrumente, d. h. der, für 
dessen Grab sie gefertigt worden waren, führte, ist seit Langem bekannt und 

') Das zweite Zeichen O ist vielleicht für O »Mond« verschrieben. 

^) Nach Drucklegung des Obenstehenden macht mich Schäfer noch auf ein seitdem in den 
Besitz des Berliner Museums gelangtes, sicher datirtes Bruchstück eines gleichen astronomischen 
Instruments aufmerksam: Nr. 14573, 3,3 cm hoch, 3 cm breit, aus Ebenholz, verticales Stück eines 
Instruments wie Nr. 14085, mit Durchbohrung und Rille für das Loth, auf der Kopfseite in ein- 
gekratzten , früher gelb ausgefüllten Linien Darstellung einer Opferscene , Amenophis III. bringt 
dem Harmachis Wein dar. 

^^ ir ö^ -^a O ^ U5i „der Horoskop« hat weder mit -^^^ ^ » Laienpriesterschaft (?)« 

v\ -^^^=2" ^ -^ 2^^-^ »dienst- 

_Cr^ AAAAAA O 

habender Priester " etwas zu thun. 



12 Ludwig Borchardt: Ein altägypt. astronorn. Instrument. [XXXVIl. Band. 

bereits von Lauth^) in Anlehnung an Horapollinis Hieroglyphica I, Cap. 42, 
richtig mit »Horoskoj^« übersetzt worden. 

Glücklicherweise sind uns nun auch die Instrumente der Horoskopen an 
einer anderen Stelle, auf die mich Erman gütigst hinwies, genannt, und zwar 
bei Clemens Alexandrinus , Stromata VI, Cap. 4, § 35, wo die verschiedenen 
ägyptischen Priester mit ihren Attributen und heiligen Büchern aufgezählt 
werden : 

juerot 6s tov u)^qv o wpocry.o7rog wpoXoyiov rt ixstoc y/ipoL y,ou (poiviycd cx,(TTpoXoyiot,<; s%wv 
(Tvix^oXoi 7rpoei(Tiv. 

Die beiden Instrumente sind also als das (IpoKoyiov »der Stundenzeiger« und 
die (poivi^ dcrpoXoyiug »der astronomische Palmstab« anzusehen. Dafs das zu 
zweit beschriebene mit dem letzteren identisch ist, zeigt schon sein Material, 
und dafs das knöcherne Lineal wirklich zum Stundenangeben gebraucht wurde, 
werden wir noch weiter unten darthun. 

Auch der ägyptische Name wenigstens des einen dieser Instrumente, des 
Stundenzeigers, läfst sich ermitteln. In ptolemäischen Inschriften wird näm- 
lich das Wort für Stunde häufig mit einem Zeichen 1=' determinirt^), in dem 
man unschwer die Darstellung des oben beschriebenen wpoKoyiov, d. h. unser In- 
strument Nr. 14085 einschliefslich des zu ergänzenden Lothes, erkennt, man 
determinirt also den Zeitabschnitt mit dem Instrument zu seiner Beobachtung. 

Dasselbe Zeichen tritt nun hinter dem Worte ^■^^^l 1= ^) Merket auf, das, von 

rh »wissen, erkennen« abgeleitet, wörtlich etwa mit »Instrument, wodurch man 
erkennt«, etwa »Zeiger«, zu übersetzen wäre. 

Das Wort Merktet wird also dem griechischen wpoXoyiov entsprechen und 
der Name unseres zuerst beschriebenen Instruments sein. 

Aus den Inschriften, in denen dieses Merket auftritt, läfst sich nun auch 
ein Schlufs auf seine Anwendung ziehen. Es findet sich nämlich stets in den 
Beischriften zu dem in fast allen ptolemäischen Tempeln*) stereotyp wieder- 
kehrenden Bilde, welches schildert, wie der König mit der Weisheitsgöttin 
zusammen die Axe des Tempelgrundrisses abschnürt (»die Schnur spannt«) und 
die Ecken des Gebäudes festlegt. Der Text zu dieser Scene ist, abgesehen 
von Varianten, die das Wesentliche nicht beeinflussen, stets fast gleichlautend 
und in Edfu (nach de Rochemonteix-Chassinat II, S. 31) z. B. der folgende: 



^) Sitzungsber. der Königl. Bayr. Akad. d. Wiss. 1876, S. 99. Die betreffende Stelle des Hora- 
poUon lautet nach der LEEMANNs'schen Ausgabe: iI^^othottov & SvjXowts? avB'^wnov tccq ou^«? Itr^iovra 

^wy^acpovTiv. Es liegt bei dieser Deutung eine durch die Ähnlichkeit von -\\- ^\ Qj) und -\V- ^^\ 
hervorgebrachte Verwechselung vor. 

2) Brugsch, Wörterb. S. 256. ^) Brugsch, Wörterb. Suppl. S. 619. 

*) Denderah s. Dümichen, Baugesch. des Denderahtempels, Taf. 44ff.; AZ. 1870, S. 155 ff.; 
1872, S. 39. Edfu s. de Rochemonteix-Chassinat, Edfu I, Taf. 40rfund 46aS 46o^ und Brugsch, 
Thes. S. 1264 ff., 1272. Korn Ombo s. Berl. Mus. Ph. 2849. Esneh s. Brugsch, Thes. S.1271. 
Älter: Thutm. III. in Amada, s. Brugsch, Thes. S. 1279. 



I 



1899.] Ludwig Borchardt: Ein altägypt. astronom. Instrument. 13 

Allgemeine Überschrift: 

(3 AA^^^^ ö_ö_2^ 



ElQf, 



oJSill ^ LS 1 
Über der Königsfigur: 

Spruch des Königs: 



I I I 



crzi 



»Spannen der Schnur im Tempel zwischen den beiden Fluchtstäben. Zu 
opfern eine Gans^). 

Der König N., der Sohn der Sonne N., das Abbild des 'Isdn'^), der tüchtig 
ist mit dem Zeiger [Merket, u)poXoyiov], und der den Grundrifs legt gleichwie 
die Weisheitsgöttin. 

Zu sprechen: Ich fasse den Fluchtstab, packe das Ende des Schlägels^) 
und ergreife die Schnur zusammen mit der Weisheitsgöttin. Ich wende mein 
Gesicht nach dem Gange der Sterne. Ich richte meine Augen nach dem kleinen 
Bären*). Der . . . steht neben(?) seinem Zeiger [Merket, wpoXoyiov]. Ich lege die 
vier Ecken ^) deines Tempels fest.« 

Für die Anwendung des Merjiet ersehen wir aus diesen Stellen nichts weiter, 
als dafs dies Instrument bei der Bestimmung der Richtung der Tempelaxe^) 
und bei der Festlegung der Ecken eine Rolle spielt und dafs bei Benutzung dos 
Instruments irgendwie die Nordrichtung, d. h. die nach dem kleinen Bären, 
oder allgemein Richtungen nach Sternstellungen in Frage kommen. 

Wie kann nun aber mit dem oüpoXoyiov und der (poivi^ eine Richtung be- 
stimmt werden? Eine Besichtigung der beiden Instrumente ergiebt das ohne 



') Die Inschriften scheinen einem Ritual mit Opfervorschriften entnommen zu sein, 
^) Name des Gottes Thot. 



^) Die Bedeutungen von | j] [| ^3^^^ » Fluchtstab« xmd I [ I v.;^?^ »Schlägel« (s. auch Br., 

Thes. S. 1269) sind durch die Bilder gesichert. Der König und die Weisheitsgöttin halten in 
den rechten Händen je einen Schlägel und treiben damit Fluchtstäbe, die sie mit der Linken 
fassen, in den Boden. Die Schnur spannt sich zwischen den Fluchtstäben. Modelle solcher Flucht- 
stäbe, Grundsteinbeigaben aus der Zeit Thutmes' III., sind im Kairener Museum. 

*) Das Ritual scheint ursprünglich für Tempel bestimmt gewesen zu sein, die nach den 
Haupthimmelsrichtungen orientirt waren, wie z.B. die Pyramidentempel, der Re<^ -Tempel von 
Abusir, der Anubis- und Totentempel von Illahun. 

*) Dafs die Ecken der Bauten genau ausgelegt wurden, zeigt ein neuerer Fund in der Stadt- 
ruine bei Illahun. Hier liefs sich der Markstein der NW- Ecke des Palastes unter der Ecke der 
Stadtmauer nachweisen. Die oben beschriebene Ceremonie handelt eben von der Absteckung 
und Auslegung dieser Ecksteine. 

®) Die Spuren der auf das Pflaster des Tempels aufgerissenen Axe der Anlage finden sich 
noch heute, z. B. im Tempel zu Edfu und im Arsnuphisheiligthum zu Philae. 



14 Ludwig Borchardt: Ein altägypt. astronom. Instrument. [XXXVII. Band. 

Weiteres. Die (polvi^ mit ilirem Schlitz am oberen Ende ist nichts weiter als 
ein Visirstab, der vertical dicht vor das eine Auge zu halten ist, während man 
das andere schliefst. Das wpoXoyiov aber ist, so wie es uns in Nr. 14085 vor- 
liegt, erst noch etwas zu vervollständigen. Das hieroglyphische Zeichen S==, 
das ja unser Instrument vorstellt, hat nämlich als Hauptbestandtheil eine durch 
ein Gewicht in Herzvasenform^) beschwerte Lothsclmur, die nur in der Zeichen- 
form stets unproportionirt kurz ausfällt. An unserem Knochengriff — denn 
eigentlich ist uns nur der Griff des Instruments erhalten — sind auch deutlich 
Befestigungsstelle und Richtung dieses Loths zu sehen. Daher war auch in 
der Zeichnung oben das Ganze gleich so reconstruirt worden. 

Unser Merket ist also weiter nichts als ein Lotli mit horizontalem Griff, 
der es ermöglichte , die Lothsclmur so zu halten , dafs der haltende Arm nirgends 
die Sichtbarkeit des Fadens beeinträchtigte. 

Denken wir uns nun den Horoskopen durch die, etwa in der linken Hand 
gehaltene ^olvi^ nach dem von der erhobenen ausgestreckten Rechten herab- 
hängenden Loth des wpoXoyiov visirend, so ergiebt es sich von selbst, wie er, 
nur mit diesen beiden Instrumenten ausgerüstet, jede beliebige Richtung — 
etwa die nach dem Polarstern — auf der Erde bestimmen kann. Er braucht 
nur etwa einen zweiten Horoskopen, der sich, ihm zugekehrt, in angemessener 
Entfernung vor ihm befindet, so einzuwinken, dafs das anvisirte Loth des 
wpcXoyiov scheinbar durch den Polarstern und den Scheitel seines Gegenübers 
geht, so bezeichnet die Linie zwischen den beiden Horoskopen, oder genauer 
die nach dem Scheitel des zweiten , eben die auf die Erde übertragene Nordlinie, 
d. h. in unsere heutige Astronomensprache übersetzt: den Meridian des Ortes! 

Umgekehrt kann imn jener zweite Horoskop, der also nach Süden blickt 
und den man sich mit denselben beiden Instrumenten versehen denken mufs, 
genau feststellen, wann ein Stern den Meridian passirt, d. h, wann er culminirt. 
Er braucht nur von seinem Standpunkt aus mit Hülfe seines Lothes am wpoXÖyiov 
zu sehen, ob die augenblickliche Stellung des Sternes sich genau vertical über 
dem Scheitel seines Gegenübers, des nach Norden blickenden Horoskopen, be- 
findet. Kleinere Abweichungen von dieser Verticalen, d. h. von der Culminations- 
stellung, werden sich ihm so darstellen, dafs der betreffende Stern vor der Cul- 
mination etwa über dem rechten Ellenbogen, dem rechten Ohr oder dem rechten 
Auge seines Gegenübers steht, während nach der Culmination sich der Stern 
über dem linken Auge, dem linken Ohr und endlich über dem linken Ellenbogen 
einlothen lassen wird. 

Dafs diese Art des Einlothens von Sternen während ihrer Culmination so- 
wie kurz vor und nach derselben wirklich so stattfand, dafür haben wir nun ein 



^) Diese Form ist für sämmtliche altägyptische Lothgewichte sehr häufig, sie kommt auch 
z.B. an den gewöhnlichen Wagen, an den Setzwagen, sowie an den Latten zur Bestimmung der 
Böschungen vor. 



1899.] 



Ludwig Borchardt: Ein altägypt. astronom. Instrument. 



15 



classisches Zeugnifs: die sogenannten Stundentafeln aus den Gräbern Ramses' VI. 
und IX.') zu Theben. 

Diese zwei gleichlautenden, im 13. vorchristlichen Jahrhundert in den ge- 
nannten Königsgräbern ausgeführten Deckeninschriften, welche für das ganze 
Jahr in Intervallen von 15 zu 15 Tagen die im Beginn einer jeden der 12 Nacht- 
stunden culminirenden"^) oder der Culmination nahen Fixsterne angeben, sind 
nämlich für Horoskopen angefertigte illustrirte Tabellen, aus denen nach Beob- 
achtung der Culminationen und der wenig vom Höchststande abweichenden 
Stellungen der Fixsterne die Nachtstunden abzulesen waren. 

Als Beispiel mag hier die Tabelle vom 1. Paophi aufgeführt werden; sie 
lautet : 



® S 



O I 



AAAAAA ^^ \^ CJ 

.^.Ö^l I I 
^Ö^llll 

AAAA^VA O W O Cü 
AAAAAA OO I I I Ci 

^.ö^llllö 

AAAAAA OO M I i:^ 
AA^VVAA dO I I I I ei 

^ö^lllllö 
/www oO M 1 1 ci 



Oö 



AAAA/W. C^ 



MM 



AAftAAft Q 

G -^ 



^ I 

AAAAAA 



^ 






-^„^ 



AAAAAA 
AAAAA^ 

I I 



fl^X') 



^ 






ZI 



fJ 



W 3 



z 



A 



111? 
111? 

TtJ 
11 



w 



I \ .^^ 



-O.A. 

iT 



^ 



1) LD. III, 227— 228^^^ 

^) Siehe Lepage Renouf, Transact. soc. bibl. arch. VIII 2, S. 401 ff., v. Schack-Schackenburg, 
Aegyptologische Studien, Heft 1. 

3) ^^^ T J ^ ^^^^^ ^° <^^^ zweiten uns erhaltenen Abschrift [LD. III , 228 ^'"]. 
*) Für die richtige Form dieses Determinativs vergl. die folgende Abbildung. 



16 




Ludwig Borchardt: Ein altägypt. astronom. Instrument. 


[XXXVII. Band. 


[Erster 


Tag] des zweiten Monats d( 


^r S5t- Jahreszeit. 




[Zeit 




Stern 




Stellung] 


Anfang der Nacht 


der Nacken des Riesen 


? 


in der Mitte 


1. Stunde') 




sein Bgs 


OL oder /3 Pegasi^) 


» » » 


2. .. 




.. Schenkel (?) 


? 


» « » 


B. » 




» Sockel 


/3 Cassiopeiae (?) 


)) » )) 


4. >. 




die (^ryi 


? 


» » » 


5. >> 




der Kopf des Vogels 


? 


über dem 1. Auge 


6. >. 




sein Hintertheil 


e Persei 


in der Mitte 


7. >. 




der Tausendstern 


Hyaden u. Aldebaran 


» » n 


8. .> 




« /S<'r- Stern 


(o Aurigae 


Über dem r. Auge 


9. » 




■> Oberarm des Orion 


OL Orionis 


» » » » 


10. >. 




Orionstern 


? 


n » » » 


11. >. 




» Dreiecksstern 


OL Canis maioris 


» » 1. » 


12. >> 




« Vorgänger der bei- 
den Sterne 


OL Hydri 


in der Mitte 



Neben dieser Tabelle ist gewissermafsen als Illustration und zur Ei- 
leichterung des Ablesens ein sitzender Mann, von vorn gesehen, dargestellt, 
eben jener nach Norden sehende Horoskop, von dem oben die Rede war. 

Und über ihm sind die Sterne in 




^^{\ 






'lut 









Lt; 



^\\K<M"ötn 



■^QV/^ 



■lfr3b 



9 Q O T~n 



mm^^'^^i 



^^O^ll'U'^ffi 



Verticalcolumnen eingezeichnet, 
die den jeweiligen Stellungen: 
Mitte, rechtes und linkes Auge, 
rechtes und linkes Ohr u. s. w., 
entsprechen^). 

Die Benutzung solcher Ta- 
bellen hat man sich etwa so zu 
denken : Zwei Horoskopen — wir 
bleiben immer noch bei dem Bei- 
"? Ho'^Lt ^^^co'Wi spiel vom 1. Paophi — wachen 
auf dem Dache des Tempels in 
den oben beschriebenen Positionen, d. h. beide im Meridian des Ortes sitzend, 
der nördliche nach Süden und der südliche nach Norden blickend. Nun wartet 
der nördliche den Moment ab, wann der »Nacken des Riesen« genannte Stern 
culminirt, d. h. wann er ihn mit seinem Merket auf den Scheitel seines Gegen- 
übers ablothen kann. In dem Momente verkündet er den Eintritt der Nacht. 



'I I qB ■ r 09 p 



^ 



rg-^ny^^l 



1 li IL^* 



^) Bedeutet genauer: Ende der ersten Stunde. 

^) Die hier gegebenen, ungefähren Identificationen entstammen einem früheren, von Dr. Brix 
und dem Verf. unternommenen, aber nicht zu Ende geführten Versuche, die Sterne der Tabellen 
auf graphischem Wege zu bestimmen. 

^) Die beiden uns überlieferten Texte sind namentlich in den Abbildungen sehr liederlich 
angefertigt. Tabellenangabe und eingetragene Sternstellung stimmen sehr wenig überein. 



I 



1899.] Ludwig Borchardt: Ein altägypt. astronom. Instrument. 17 

Ebenso meldet er nach einer geraumen Zeit bei Beobachtung der Culmination ■ 
des Sternes y>Bgs des Riesen« den Ablauf der I.Stunde u. s. f. Bei Ablauf 
der 5. Stunde aber zeigt sich ihm eine kleine Schwierigkeit. Es culminirt 
nämlich zu dieser Zeit kein Stern von irgend nennenswerther Bedeutung, wohl 
aber ist der »Kopf des Vogels« gerade über die Culmination hinaus. Er be- 
obachtet also den Moment, in dem dieser Stern sich über dem linken Auge 
seines CoUegen ablothen läfst, und bestimmt so den Ablauf der 5. Stunde. 
Die weiteren Variationen sind von selbst klar. 

Diese Anwendung des Merket zur Zeitbestimmung, auf die ja auch die In- 
schrift auf Nr. 14084 anspielt, und die der Grund war, weshalb man in ptole- 
raäischen Inschriften das Zeichen |=" direct als Determinativ von Stunde ge- 
brauchte, erklärt es uns, warum die Griechen dieses Instrument als wpoXoyiov 
bezeichneten: es ist eben wirklich die altägyptische Uhr. 

Dafs diese nicht allzu genau gehen würde, konnte man bei dem Charakter 
dieses Volkes, dessen J^achkommen heute noch nicht den Werth der Zeit kennen, 
schon von vorn herein erwarten. 

Wenn wir auch annehmen dürfen, dafs der Abstand, in dem sich die 
beiden Horoskopen aufstellten, immer constant war, so geben doch so allge- 
meine Bestimmungen wie »über dem rechten Ohr« oder »über der linken Schulter« 
zu so grofsen Beobachtungsfehlern Gelegenheit, dafs die Stunden einer und der- 
selben Nacht gewifs ungleich genug ausgefallen sein werden. 

Wenn die Ägypter uns also mit diesem Instrument nicht eine Uhr geliefert 
haben, die werth gewesen wäre, späteren Völkern überliefert zu werden, so 
haben sie uns doch hiermit für die Richtungsbestimmung die Methode gezeigt, 
die bis auf den heutigen Tag sich erhalten hat. Die Festlegung einer Richtung, 
wie sie damals mit (poivi^ und wpoköyiov, d. h. durch Visirschlitz und verticalen 
Faden, ausgeführt wurde, nehmen wir noch heute mit denselben Mitteln vor. 
Die Diopter an der einfachen Boussole und an der Kippregel auf dem Mefstisch 
sind weiter nichts als in feste Verbindung zu einander gebrachte <poivi^ und 
wpoXoyiov. 



Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Band. 



18 Wilhelm Spiegelberg: Deinotische Miscellen. [XXXVII. Band. 



Demotische Miscellen'). 

Von Wilhelm Spiegelberg. 



IV. Zur Definition des »Demotischen«^). 

Uie folgenden Ausführungen enthalten m aller Kürze das Ergebnifs längerer 
Untersuchungen, welche mir als Vorarbeit für eine demotische Palaeographie 
dienen sollen. Nur in der Absicht, durch diese vorläufige Mittheilung eine Dis- 
cussion herbeizuführen, habe ich sie gewissermafsen in programmatischer Form 
hierhergesetzt. 

An der Bezeichnung »demotisch« rüttele ich nicht, so unzulänglich und 
schief sie ist^). Da sich der Name einmal eingebürgert hat und jeder Aegyptolog 
weifs, was er darunter zu verstehen und nicht zu verstehen hat, so ist das 
Unglück eben nicht grofs, wenn Schrift und Sprache einer bestimmten Periode 
unter einer falschen Flagge segeln. Wollte man »demotisch« nur für die Schrift 
und für die Sprache, welche in dieser Schrift vorliegt, etwa »früh koptisch« 
o.a. einführen, so würde man zwar gröfsere Klarheit, aber auch gröfsere Un- 
bequemlichkeit schaffen. Ganz klar wäre auch damit das demotische Problem 
noch nicht gemacht. Man bleibt eben vor Allem gleich an der Frage hängen: 
Was verstehen wir unter demotischer Schrift? Die übliche Antwort klingt zu- 
nächst sehr klar und verständlich : Die aus dem Hieratischen verkürzte Cur- 
sive. Wie unbestimmt und unzulänglich diese Definition ist — ich halte sie 
für die einzig ernsthafte unter den bislang gegebenen — , stellt sich heraus, 
falls Jemand danach fragen sollte, wann die demotische Schrift anfängt. In 
dieser Frage liegt eben die Schwierigkeit des ganzen Problems. Ich gestehe, 
dafs ich lange Zeit unter dem Eindruck gestanden habe, dafs das Demotische 
im eigentlichen Sinne erst mit den Ptolemäertexten beginne, dafs die frühdemoti- 
schen (»archaischen«) Texte, welche etwa die Dynastien 25 — 30 umfassen, oder, 
gemeinverständlicher gesprochen, die Texte aus der Zeit des Tirhaka, der Saiten 
und Perser noch der hieratischen Cursive angehörten und die Ausläufer dieser 
Schrift bezeichneten, die in das Demotische endigen. Es läfst sich Manches 
für diesen GesichtsjDunkt anführen. Sicher ist eins: dafs in der genannten 
Periode, die ich als Übergangsperiode bezeichnen will, sich alle jene Ligaturen 
und Abkürzungen entwickelt haben, welche sich in der Cursive der Ptolemäer 



') Siehe Recueil de Travaux XVI, 24 ff. 

^) Aus dem Folgenden geht hervor, dass die Definition nur die deinotische Schrift in 's Auge 
fafst. Die Sprache der demotischen Texte ist hier ganz aufser Acht gelassen. 

^) Bekanntlich steht es um die Bezeichnung «hieratisch« um nichts besser. 



1899.] Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. 19 

und Kaiserzeit niedergesclilagen haben. Die Abkürzung in weitestem Sinne, welche 
in der Übergangszeit in der Schrift noch als lebendige Entwickelung lebt, ist 
in der letzteren Epoche ein stereotypes Charakteristicum der Schrift geworden. 
Denn eben die Abkürzung ist doch, kurz gesprochen, das charakteristische Unter- 
scheidungsmerkmal zwischen dem »Demotischen« und dem «Hieratischen«, oder, 
wenn ich mich mehr psychologisch ausdrücke , das Bestreben , schnell und bequem 
zu schreiben. Zwar zeigt auch die hieratische Cursive, welche ich hier kurz 
unter »Hieratisch« verstehe, im Gegensatz zu der hieratischen Unziale die Hin- 
neigung zur Abkürzung^). Aber wenn letztere im Hieratischen nur hier und da 
gelegentlich verwendet wird, so entwickelt das Demotische in dieser Hinsicht erst 
ein System. So enthält das Hieratische eigentlich nur die Keime, welche im 
Demotischen üppig in die Höhe schiefsen. Damit hängt es auch zusammen, dafs, 
rein technisch betrachtet, das Demotische — wie Maspero zuerst ausgesprochen 
hat — mit einem spitzeren Schreibrohr geschrieben wird als das Hieratische. 
Da bei einer feineren Spitze die Feder seltener mit Farbstoff versehen zu werden 
brauchte als bei einer breiten Öffnung, so konnte sie länger auf dem Papyrus 
bleiben. Ansätze zu dieser feinen Schrift zeigt auch hier das Hieratische^), aber 
es steckt noch kein System dahinter, welches eben erst in der Übergangszeit 
entwickelt wird. 

Auf Grund dieser Darlegung wird man zunächst folgende Definition auf- 
stellen dürfen. 

Das Demotische ist die im 8. bis 4. Jahrhundert (Übergangsperiode) durch systema- 
tische Abkürzungen aus dem Hieratischen entwickelte Cursive^ welche um die Wende 
des 3. Jahrhunderts ihre stereotype Form erhält. 

Damit ist zunächst die Frage offen gelassen, ob man die Übergangsperiode 
— die frühdemotischen Texte — zum Hieratischen oder Demotischen rechnen 
will. Ich glaube, auch hier läfst sich eine befriedigende Antwort geben, wenn 
man das Verhältnifs des Hieratischen und Demotischen zu der hieroglyphischen 
Schrift berücksichtigt. Man kann als einen sehr wesentlichen Unterschied beider 
den Umstand bezeichnen , dafs sich das Hieratische im Gegensatz zum Demoti- 
schen Zeichen für Zeichen, wie wir es ja gewohnt sind, hieroglyphiscli trans- 
scribiren läfst. Maspero's Versuch, dasselbe bei einem demotischen Texte durch- 
zuführen, hat schlagend gezeigt, dafs es ein Ding der Unmöglichkeit ist^). Wir 
können zwar — und ich werde darauf gleich zurückkommen — einen demoti- 
schen Text hieroglyphisch übersetzen, wie es unsere Bilinguen thun , aber eine 
hieroglyphische Umschrift — Zeichen um Zeichen — ist für das Demotische 
schlechterdings ausgeschlossen. 

Demnach steht und fällt die Frage nach der Zugehörigkeit der frühdemoti- 
schen (archaischen) Texte mit der Frage, ob sich diese Texte noch hieroglyphiscli 



^) Siehe Erman , Märchen des Papyrus Westcar II , S. 46 if. 

2) Vergl. Reo. XVI/182. 

3) ÄZ. 1877, S. 132 ff.; 1878,8.72 ff.; 1880,8.15 ff. 



20 Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. [XXXVII. Band. 

transscribiren lassen. Die Antwort lautet verneinend. Denn die für die Über- 
gangsperiode belegten Zeichen ^* ^) oder %) ^) lassen keine Umschrift zu, 

welche eine hieroglyphische Möglichkeit wäre. Unter diesem Gesichtspunkt 
betrachtet, gehört also die Cursive der Übergangszeit der demotischen Schrift 
an, und das S.Jahrhundert bezeichnet den Beginn des Demotischen. 



V. Über den Ursprung einiger Abkürzungen im Demotischen. 

Die methodische Bedeutung von Maspero's obenerwähnter Studie über 
den Setnatext ist noch immer nicht genügend gewürdigt worden. Sie hat zum 
ersten Male den Versuch gewagt, demotische Gruppen auf ihren Ursprung zurück- 
zuführen, während man sich vorher vor Allem bemühte, die entsprechenden 
hieroglyphischen Gruppen zu finden. Ich möchte hier noch einmal betonen, 
dafs die Aufgabe der zukünftigen demotischen Palaeographie nicht darin besteht, 
demotische Gruppen durch hieroglyphische zu übersetzen, sondern sie wirklich 
zu umschreiben, wie wir hieratische Texte in Hieroglyphen aufzulösen pflegen. 
Eine solche hieroglyphische Transscription ist aber, wie ich oben angedeutet 
habe, im Demotischen nicht möglich, welches bereits den Zusammenhang mit 
den Hieroglyphen zu stark gelöst hat. Vielmehr mufs das Hieratische bei 
demotischen Transscriptionen diejenige Rolle übernehmen, welche die Hiero- 
glyphen für die hieratischen Texte spielen. Einige Erläuterungen mögen hier 

folgen. Wenn wir ^•^^) "äi »nehmen« durch 5^=* (oder ^"^ \==J\) wiedergeben, 

so ist das eine durch die Bilinguen gewährleistete hieroglyphische Übersetzung, 
aber keineswegs eine palaeographische Übertragung oder eine Auflösung der 
Gruppe. Vielmehr belehrt uns das Hieratische, welches für derartige Unter- 
suchungen immer als Führer zu dienen hat, dafs -^^ nicht aus 

(Sallier II 5/5) 



m 



entstanden sein kann und klärt uns gleichzeitig über den Ursprung der demo- 
tischen Gruppe auf. Das Verbum W (-xi) zeigt im Neuägyptischen u. A. fol- 
gende Formen: 



1) Z. B. Thes. pap.aegypt.10/5 (s. S.22). ^) Siehe unten S. 22 ff. 

') Archaisch (Psammetich) : trA"^ Thes. pap. IX/4. 

Ptol. (Setnaroman) : ^ Krall, Demot. Lesestücke 3/37 

Römisch: Cim^ Pap. Rhino 



1899.1 Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. 21 



Z'm ') i.Wlr 



Dieses Verbum wird nun schon gelegentlich im Hieratischen dadurch abgekürzt, 
dafs man nur die Determinative schreibt, so Pap. Abbott 7/5 



A 



^\ys-^^ 



in dem bekannten Titel _ [1 <=>(](] 17^ ^ »Bannerträger«. Damit wäre für 

4^ j die entsprechende Umschrift o gefunden. 

Die eben erörterte Gruppe ist nur ein einzelnes Beispiel aus einer ganzen 
Reihe von Gruppen, welche durch Abfall des ersten Bestandtheils entstanden 

sind. Einen weiteren Fall der Art bietet das Possessivpronomen /o neq, 
welches schon die archaischen Texte neben älterem J\%^ ^) so*) schreiben. 
Auch hier belehrt uns die späthieratische Cursive über die Entstehung. In den 

Handschriften dieser Epoche wird bekanntlich j^^=_ nicht selten /, geschrie- 
ben, mit Hinzufügung des bekannten Füllpunktes ^). Vergleiche Schreibungen wie 



5U *i ■' f'-'tM 



Zweifellos ist diese immer mehr entwickelte Schreibung, welche ich vor der 
Hand nur aus verhältnifsmäfsig wenigen Beispielen kenne, in der uns noch so 
wenig bekannten späthieratischen Cursive sehr häufig zu belegen. Und so zweifle 
ich nicht, dafs sich in diesen Texten die von mir noch nicht angetroffene 
Schreibung 



/:i^fJr 



1) d'Orbiney 12/10. 

^) Abbott, Verso8/a. 13. 

ä) Thes. pap. Nr. 18/3. 

*) Ib. 10/5. 

*) Siehe ÄZ. 1891, S. 77 A. 2. — Er ist der Vorläufer des im Demotischen zu immer gröfserer 

Verbreitung gelangten Füllpunktes , der sich namentlich bei t / , b / .j. ., ''' y ■> f /, ^'^'i 

h Q eingebürgert hat. 

6) P. Turin 54/15. 
') P. d'Orbiney 6/10. 



L 



22 



Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. 



[XXX\ai. Band. 



belegen Lassen wird. Aus dieser Gruppe ist unter Abfall des ^^^^OiJ ^^^ 
demotische /© entstanden. Ein weiteres Beispiel dieser Abkürzung ist das unten 
(S. 28) besprochene /A] . 



Der Ursprung von A^ und yil . 

Für fl besitzt, das Demotische zu allen Zeiten zwei Werthe: 

1. S , 2. <.^ . 

Für die Ptolemäer- und Römerzeit kann man sich darüber leicht in den 
Glossaren von Hess (Setna und Londoner gnost. Papyrus) unterrichten, für die 
archaische Periode citire ich folgende Beispiele: 



Adl. 


Ad 2. 


äl^ ■) 


/>.5& ') 


A*^') 





Dafs *^, später ^ , auf hierat. o zurückgeht, liegt auf der Hand. Was 

4^ anlangt, so glaube ich — freilich gebe ich diese Vermuthung nur unter 

allem Vorbehalt**) — , dafs es aus der bekannten hieratischen Gruppe ^^ ent- 
standen ist. 

d) männlich (P. d'Orb. 6/6) 6) weiblich 



P. d'Orb. 16/6 



O-Cf 



x«-» 



P. Abbott 7/2 C^^ 

P. Leiden I, 350 4/26 J^ 



1) Thes. 9/5. 

2) Thes. 9/5. *) Ib. Nr. 22/4. 
ä) Ib. 9/3. 5. 5) Ib. Nr. 21/4. 

®) Ich möchte dabei vor Allem die Fachgenossen, denen für die Übergangsperiode besseres 
Material als mir selbst zur Verfügung steht, auf diese Gruppe aufmerksam machen. Erst durch 
den Nachweis der entsprechenden Form im Späthieratischen würde die hier betonte Möglichkeit 
zur Sicherheit erhoben werden können. 

'') Graffito aus der Zeit des Merneptah (Spiegelberg: Zwei Beiträge, Texte 15 — 19). 



1899.] Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. 23 

Das entweder aus t »-7 oder aus ^^ entstandene ^^ wurde vielleicht füi 

ein gehalten und so als Variante des bereits vorhandenen fl in das de- 
motische Alphabet übernommen. 

Das demotische Alphabet besitzt ja auch sonst füi einen Buchstaben eine 
doppelte Bezeichnung, z.B.: 

— neben ö 
A neben ^ 
l^ neben 4 * 

/ neben ^ , 
ferner: 

die B h ^p L und < 

die 3 s *i -H^ und <n. 

Nicht alle sind richtig^) erklärt worden , aber sie zeigen tlar, dafs eine Reihe 
dieser alphabetischen Zeichen aus Silbenzeichen entstanden sind. Dabei hat 
zweifellos die Orthographie der hieroglyphischen Texte der Spätzeit mitgewirkt. 

So glaube ich z. B. , dafs das / h der demotischen Texte der Ptolemäer- und 

Kaiserzeit — die früh demotischen (»archaischen«) kennen es noch nicht — aus 

der Gruppe v ^ entstanden ist. 

Das demotische y/< ist, wie mir scheint, in ähnlicher Weise aus einer mifs- 
verstandenen Gruppe entstanden. Es ist nämlich , wenn mich nicht Alles täuscht, 
das vervielfachte w ^ , welches schon die hieratischen Texte der 1 9. Dynastie 
aufweisen ; vergl. 

Zweifellos dankt diese Schreibung der schnellen Bewegung des Schreibrohrs ihr 
Dasein und findet sich besonders häufig in dem vielgebrauchten Verbum des 
Gebens, namentlich in Rechnungen. Viele Beispiele bietet der Pap. Lugd. I, 350 



') So steht noch eine Erklärung von <1| aus, denn die von Maspero vorgeschlagene Ab- 
leitung aus HÜ^ ist unmöglich. 

2) P. Abbott 5/1. 



24 Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. [XXXVII. Band. 

oder ein späthieratisches, bei dem Ramesseum gefundenes Ostrakon^), welchem 

ich die folgende Form /0i% entlehne. Man mag über die genaue Transscription 
dieser Gruppe im Zweifel sein, denn es ist schwer auszumachen, ob man ^~^ 

(2 oder ü ^ transscribiren soll. Die alten Schreiber werden sich darüber 

(ä A Dill] 

schon nicht mehr klar gewesen sein. Aller Wahrscheinlichkeit nach hielten sie 
die drei Striche dieses Partie, passivi {ffj = toi) schliefslich für die Bezeichnung 



eines /, und so mag ))) in das demotische Alphabet gerathen sein. 

Damit möchte ich diese kurzen Streifzüge auf dem Gebiete der demotischen 
Palaeographie abbrechen. Sie werden hoffentlich gezeigt haben, wie unendlich 
viel hier noch zu thun bleibt und wie wir der vielfachen Schwierigkeiten all- 
mählich Herr werden können. Vor Allem aber werden diese wie die folgenden 
Untersuchungen zeigen, wie nothwendig uns zunächst noch palaeographisch 
brauchbare Veröffentlichungen sind. So ist es mit Freude zu begrüfsen, dafs 
das Berliner Museum") noch im Laufe des kommenden Jahres seine kostbaren 
demotischen Urkunden zum Gemeingut der Wissenschaft zu machen gedenkt. 
Möge das gute Beispiel bald auch von anderen Sammlungen befolgt werden! 

VI. Die Gruppe Hl.« = 'Y^. 

Die obige Gruppe ist dem Demotiker vor Allem aus einer Phrase der 
Heirathscontracte bekannt, welche ich nach P. B. 3145, Z. 3 citire: 

f wdU pH (noTr) w°tn s" 'nt 's e Jfp'r e <^i w^ r°npH, 

«die Garantie (?) deines Unterhalts^) ist es, welche mir zur Last fallen wird 
ein Jahr lang«. 

Ähnlich P. B. 3109, Z. 4: 



^) Spiegelberg, Papyrus and Ostraca of the Ramesseum I, Tafel XL. 

^) Die als P. B. bezeichneten Citate sind sämmtlich den Photographien entnommen , welche 
der in Aussicht genommenen Veröffentlichung der demotischen Papyri des Berliner Museums zu 
Grunde liegen. ^j^ 

*) Wörtlich »Essens und Trinkens«. 

*) Synonym mit e c steht e-dM (e-xco) z.B. P. B. 3103/14: 






ere p hP-p n p* *A"» ^nt hr^^ e hß'p^r e d°di, 

»die Wirkung (wörtlich das Gesetz) der obigen Urkunde wird auf mir lasten« 



1899.] Wilhelm Spiegelberg : Demotische Miscellen. 25 

Im Folgenden gebe ich die Gründe meiner Lesung und Auffassung der in 
Frage stehenden Gruppe. Was die letztere anlangt, so lassen uns die folgen- 
den Stellen der Rosettana darüber nicht im Unklaren. 

Z. 8 ist in Bezug auf dem Könige zu entrichtende Abgaben^) gesagt: 

sie 

.... n Pr-f^"^ e vfrf <' rf r°me^ %t n K^m\ 

Tot, re ßcccrtXiKoc o(peiXv\iJ.ocToc cc TrpogwcpeiXov ol iv Aiyvirrcü'^), 
und ib. 



n"' vfrC vfn Iwk (Ko\&€) cw n ss '^"s'^i, 
rovg ev ahiait; ovTctq ex ttoXXov %povov. 

Wir haben hier also jenes ""7^ vor uns, welches ich unlängst näher be- 
sprochen habe^). In unserer Bedeutung, freilich mit anderen Praepositionen ver- 
bunden , findet es sich z. B. 

Siut (ed. Griffith) 7/292 : 

AA/WVA C—i \_/ ü LI AAAAAA <-_!> I l_J A^ — 

wnn grt U hd pn hr <^n hn-Jc^f. 

»Es soll ferner dieses Weifsbrot seinem Todtenpriester unterstellt sein«, 

ib. 6/271—272 (vergl. 7/304): 

tliti nh rdm{'i) hr <^-k, 

»alle meine Dinge, welche ich dir unterstellt habe«. 

Pap. Kahun 40/26 haben T I v. i" dieser Bedeutung. Es heifst dort 
von Abgaben oder Steuern {htr) , Y ■ , N. »welche dem N. zur Last sind« 

O Vv I fl ^ 

(d. h. welche N. zu zahlen hat), und auf einem unveröffentlichten aus dem N. R. 
stammenden Ostrakon des Museums von Gizeh lautet diese Wendung: 

nnn,, — ^ — °^<-) 



»der Rest von ^Vj-i, welcher dem W. zur Last fällt« (?). 

Gelegentlich fällt nun schon im Neuägyptischen die Praeposition*) vor 
weg, wenn anders ich zwei Stellen aus Turiner Papyri richtig deute. 



^) Das Wort ist zerstört, aber aus dem griechischen Text zu ergänzen. 

2) Ähnlich 17. ^) Recueil de travaux XXI p. 21. 

*) Im Demotischen fehlt sie häufig seit der Übergangsperiode (vergl. die Beispiele der Rosettana). 

Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Band. 1899. 4 



k 



20 Wilhelm Spiegelberg : Demotische Miscellen. [XXXVII. Band. 

P. Turin 7/1 : 

»was geschuldet wurde (?) den Aufsehern: 18 Kleider« 
und cähnlich 9/8. 

Für die Lesung sind naturgemäfs die Texte der Übergangsperiode ent- 
scheidend , weil sie die in der Ptolemäerzeit bereits stereotyp gewordenen Formen 
noch in der Entwickelung zeigen. An zwei Stellen kann ich unsere Gruppe 
nachweisen. 
Thes. pap. aegypt. XV, Z. 15 — 16: 



,^^^. ^ Wy, .VjJjLJf-^ i"fv^^}\ 



epe p^ nhy n ]fp^r V <^ -k 

und ibid. X VI/7— 8: 



]} ^- /*> A^^y/L iTCrjT^C 



epe p^ nhi ^nt ^s e Jfp^r e (^-k. 

Die Sätze sind mir beide im Einzelnen unverständlich^), aber der Schlufs 
enthält zweifellos die im Anfang citirte Wendung, und zwar enthält das erste 

Beispiel die Auflösung unserer Gruppe. Danach ist '^^ = I V / ) =^ . , und 

es erübrigt nur noch, eine Erklärung für die zweite Form zu finden, welche die 
erste schliefslich gänzlich verdrängt hat. 

Ich habe gelegentlich darauf hingewiesen , welche Rolle in der ägyptischen 
Palaeographie der horror vacui spielt. Nicht nur der Füllstrich gehört in die 
Reihe der sich daraus ergebenden Erscheinungen, sondern auch ein Fall wie 

j^ = Y statt des einfachen )^ ^). 

So glaube ich auch, dafs die unschöne Gruppe 1 ,^ , ^ dadurch »gefüllt« wurde, 

dafs ein Horizontalstrich unter das gehobene ^^ gesetzt wurde. Möglicherweise 

wirkte dabei der Umstand mit , dafs durch den nachfolgenden Genitiv mit '^'^wv ^ 
falls er nicht pronominal war, dieselbe Gruppe geschaffen wurde. Vergl. z. B. 
P. Turin 9/8. 

^) Die von Revillout gegebenen Übersetzungen entbehren jeder Grundlage. 

2) Der zweite Verticalstrich in den frühdemotischen Texten mag eine Erinnerung an die 

Dualendung . enthalten. Ich lege aber auf diese Vermuthung kein Gewicht. 

^) Siehe Spiegelberg , Studien und Materialien Anm. 99. 



1899.] Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. 27 

Wie dem auch sei, an der Bedeutung wie Lesung ist nicht wohl zu zweifeln, 
um so weniger, als die letztere auch anderweitig Bestätigung findet. Zuvor noch 
ein Beispiel, welches die aus der Rosettana gewonnene Deutung bestätigt. Es 
ist die Überschrift eines Brettes^), auf welchem sich ein Schreiber die Namen 
der Leute notirt hat, welche für Grundstücke noch Summen schuldeten. 



p' r^n n rt r''me "nt e-wfn (ewe) p^ s°p ^u hn svfn n" wrh, 



»das Verzeichnifs der Leute, welche den Restbetrag schulden für{?) den 
Preis der Grundstücke«. 

Für r'^n »Verzeichnifs« (sowohl von Tagen wie Personen) sei auf P. Berlin 
Z. 115, Col. V verwiesen. Im Übrigen vergleiche die ähnliche Wendung Rosett. 
16/17: 



If^Aöflol- p 1% mii^ l^^X 



rf s°p Pr-<^°^ %t «^ rf ^rpi, 

oL(pY\y,sv ^e x,ou rot l[v] roig hpoig 0(psi.'ko\jLSvoi dg ro ßoc(TiXLKov. 

Die nächste Bedeutung, welche der mir unvergefsliche Bkugsch bereits in 
seiner letzten Vorlesung als solche richtig erkannte, liegt in einer Verbindung 
vor, die sich in Heirathscontracten nicht selten findet. In der Aufzählung der 
zu der Mitgift der Frau gehörigen Gegenstände trifft man gelegentlich die Gruppe 

1 ^ in bestimmten Verbindungen. Die häufigste ist •*' ? * --^ fi-^"^ 2^ ^"ir c y^th 

»ein Paar wth<i-^). 

Hier steht also . in der auch in der älteren Litteratur belegten Bedeu- 
tung. Vergl. Miss. arch. franc. 1/137 s==i]|v\iCi » ein Paar Sandalen « . Inscr. 

hieratic charact. XVI ^^ "^^ ' "P^-^i* Geflügel«*). Dieses . »Paar« 

ist im Koptischen als hi erhalten geblieben , wie das Beispiel niHi «<3'poMnujd.?V. 

^z.v'^og rpvyovwv (Lev. 5/11) lehrt. 

Am häufigsten begegnet man aber unserer Gruppe in dem Worte hi »Haus«. 
Hier der Zeit nach die wichtigsten Formen: 

A. (Darius) P.B. 3110/3 ^^l4 



') Im Winter 1897/98 zu Luxor von dem Marquis of Northampton erworben, welcher es 
mir in liebenswürdigster Weise zum Geschenk gemacht hat. 

^) Nach P. Bibl. Nat. 236 (nach eigener Umschrift , daher palaeographisch nicht verwerthbar)_ 

^) Brügsch dachte sehr ansprechend an »Ohrringe«, aber die Bedeutung ist sonst nicht 
nachweisbar. 

*) Vergl. P. Harris I9h 3 = 11, 72/12, 23/7 von Sandalen. 

4* 



28 Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. [XXXVIl. Band. 

P. P. B. 3103/10 ^M£_ 
P. B. 3091 * 

p. 3115 3/12 /yyL. 

Daneben findet sich vereinzelt noch z. B. Pap. B. 3096/5 die Form /^f '). 
Hier ist nach dem oben (S. 21) besprochenen System der erste Bestandtheil der 
Gruppe weggelassen. Die Steininschriften geben ^J^l<^d Rosett. 10. 
R. P. B. 6857/4 (Trajan) ^/ ^l 

Pap. gnost. London 5/5 -^|i— 

Pap. Lugd. I, 384 V/13 W/1. 
Pap. RmND 29/3 -^^l^ 

Die Lesung hi ist für dieses Wort durch die griechischen Transscriptionen 
des gnost. Papyrus London verbürgt"^). Nach den obigen Ausführungen ist 

1 I3ZD die allein mögliche Umschrift^), nicht etwa i^in , wie Maspero um- 

schreiben möchte. Das Demotische bietet also , abgesehen davon , dass es über- 
all bedenklich ist, diese Schrift für etymologische Zwecke verwerthen zu wollen, 
keinerlei Veranlassung , Steindoeff's Erklärung*) von hi aus ^V aufzugeben. Ich 

glaube vielmehr, dafs die Gruppe 1 ^ = . , deren Aussprache hi z.B. in 

dem oben erörterten Wort »Paar« vorlag, zur Schreibung des aus 'pr entstan- 
denen Wortes Hl »Haus« benutzt wurde. 

<^t lieert vielmehr — wenn ich mich nicht täusche — in einer anderen 
Gruppe vor, welche ich zunächst in folgender Verbindung citire: 

&etna 5/20 '^^^<A^^!^Ai \ 

Die auf der Hand liegende Identification mit IjUic^^^i^^] = Ä.n'^Hfe 

u. varr.*^) ergiebt die Gleichung ^/^v^ = 



^) Vergl. auch die von Revillout, Nouvelle ehrest, p. 97 ff., p. 152 mitgetheilten Texte von 
Twin und Wien. 

2) Siehe Maspero, Rec. XVIII/63. 

^) Diese Umschrift läfst sich auch hieroglyphisch in einem Text der Spätzeit (Sharpe : E. I. II, 

Taf. 1 ff.) nachvi^eisen , vi^elcher A^C von "R unterscheidet. 

*) AZ.1889, S.108. 

°) Ebenso Pap. Louvre 2425 bei Revillout, Chrest. demot. p. 284. 
«) Siehe Maspero, Recueil XVIIl/63. 



1899.] Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. 29 

Diese findet eine weitere Bestätigung in Pap. Rhino (5/1), woselbst 
^C6-f^3*5<'^A^^ durch ^^~~^ p|>s ^ übertragen ist. 



Dieses '^t ist nicht dasselbe Wort, welches im Decret von Rosette und Ca- 
nopus in der Form ^J^t, ^) auftritt und einmal durch fxepog wiedergegeben ist. 

Die Verbindung J "^ yy\ ^ O »Südseite« läfst sich aus verschiedenen 

Papyrusstellen der Ptolemäerzeit nachweisen. Für die Kaiserzeit citire ich die 

Gruppe .Q^ ■^) nach P. Lugd. I, 384, 14/22. Wie schon Brugsch (Wörterb. 

Suppl. V/294) richtig gesehen hat, liegt hier das Wort <^M {A. R. '^M) vor. 

Von HI unterscheidet sich die ihm häufig angeglichene Gruppe für rl ^ 
vor Allem durch das Geschlecht. Hier die wichtigsten Formen: 

Ä. Thes. pap. aeg. 22/3 (Darius) M%s^ 

P. P. B. 3112/7 rAliii« 

Steininschrift: Rosettana Z. 1 ^J^l)2» 

R. Pap. gnost. Lond. 8/9 <^|^^ 

Pap. Rhind 21/9 <h\^ 
Das Ergebnifs der letzten Untersuchung stellt sich demnach folgendermafsen : 

I- /Ali— =V="*' 



III. S/S^=—l = i^-. 

Zum Schlufs seien noch einige Verbindungen mitgetheilt, in denen sich 
die Gruppe I 2-— findet. "^T^ in der allgemeinen örtlichen Bedeutung liegt Pap. 
Rhind XXV/9 vor 

p" hr-hb .... ti f n n" nfru n^m n r^ine. 
Der hieratische Text: 

giebt ti (■ die Bedeutung »fähren«. Ich übersetze daher »0, Vorlesepriester 
(Taricheut), führe die Götter und Menschen«. 



1) Nach Rosett. 12. 

'^) Nach der Copie von Revilloüt, Nouvelle ehrest. 115. Vergl. Chrest. 406. 



30 Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. [XXXVII. Band. 

In zeitlicher Bedeutung steht unsere Gruppe P. Berlin 8351 5/2: 

rnpi b^i-k V <' dt. 

»Es verjüngt sich deine Seele bis in Ewigkeit.« 

Eigenthümlich und anscheinend mit der örtlichen Bedeutung im Zusammen- 
hang steht die Verbindung "'^T^^^ '' (ii, vielleicht ein Ausdruck für »Hand- 
fläche«. Ich kenne sie nur aus zwei Beispielen, die beide eine übertragene 
Bedeutung voraussetzen. 

Rosett. Z. 31 : 



JYi'HfMX'^^'^^V^ 



nfs Jiyr 's ( (ft n r'm' g'l-s're{?) ^°n, 
e^sivoci oe kou rolg uXXoig l^ifjüTocig. 
Setna 5/36 — 37: 



^'^^i^^^hACin 5 fht.//^ V/^ f^9-^ 



) 

d; P'r-^V Stne{?) 'ri ^ fHi (Yk i hft de eu e . . . . -k 'k fm U pei d'm'e e 
p TYf n 'ntef er^k. 

»Es sprach der König: *S. , ich habe dich früher gewarnt [?]^), indem ich 
sprach: Man wird dich tödten, wenn du nicht dieses Buch wieder an den Platz 
legst, von wo man es dir gebracht hat^).« 

Vn. Die Gruppe ^^ Geh. 

Die obige Gruppe ist bislang nach dem Vorgange von Brugsch^) ^hk gelesen 
und als Variante des bekannten Sbk gedeutet worden. Und doch sprachen zwei 
schwerwiegende Momente gegen die Lesung. Einmal ist der Wechsel von an- 
lautendem s und i ohne jede palatale Beeinflussung ganz undenkbar, und dann 
spricht die positive Gleichung des Papyrus RmND*) dagegen, welche unsere 
Gruppe hieratisch durch ^J l^;/! Gh wiedergiebt. In dem bekannten Titel des Erd- 
gottes »Fürst der Götter« entspricht dem demot. o \ p t////W/M *> ^ ^ hLJ^Id ein 

') Vielleicht ist das »machen der Handfläche« ein warnender gestus. 

^) ^ntef \sX der Infinitiv von eine mit Objectssuffix, also wörtlich »Platz des es (sc. •jsojioAve) 
Bringens « . 

^) Gram. dem. p. 45 und P. Rhino Nr. 394. 

*) P. Rhino 19/10, 20/4 in der Publication von Brugsch. 



1899.] Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. 31 

Wenn man die hieratische Form für den Gottesnamen') 

mit der demotischen Form vergleicht, so wird man sich die Entstehung aus 

der Gruppe ^^Jr^r^ leicht erklären. 

Die einzig auffallende demotische Zuthat ist das e . Ich glaube, dafs 

dieses Zeichen, welches zweifellos ein Je ist, hier aber als bedeutungsloser Zu- 
satz steht, durch die Gruppe 



^ 



[vergl. hieratisch P. Anast. II 4/5 



f 




in mifsbräuchlicher Weise in die Schreibung des Gottesnamens eingedrungen 
ist. Wie dem auch sei, an der Lesung Gb ist nicht zu zweifeln, und damit 
ist auch für den in der Ptolemäerzeit sehr verbreiteten Namen ^) 

die Lesung Pa-gb gesichert. Vielleicht entsprechen ihm die Namen UotKvßvig, 
IlocKvßig der griechischen Contracte. 

Neben der oben gegebenen Form des Gottesnamens, welche ich nur für 
die römische Zeit^) belegen kann, bietet ein ptolemäischer Text unsere Gruppe 

in etwas veränderter Form '') Ijft^ ^ /JOOl-^ >l j\c^ Qj) ^ v ^pai jf nifr, das 

hierogl. "^^ J j| d | 1|- ^^^ sonst noch belegte Form^) lJ)U£ ist natürlich 
aus der hieroglyphischen Schreibung der Spätzeit übernommen. 



1) I. Anast. IV 4/1 ; IL Anast. V, Taf. I. 

2) P. Rhino 3/10. 

^) Der Name ist besonders häufig auf den aus Gebelen stammenden Urkunden. 

*) Ostrakon 573 der Ägypt. Samml. der Universität Strafsburg. Die folgende Stelle 



li(h3^ÜK^1 



y>Pa-Geh, Sohn des S°bk-h°tp« desselben Textes zeigt Geb neben SobJc. 
») Vergl. aufser P. Rhind Gnost. Lugd. 6/10, 20/2 ib. Verso 13/4. 
®) Thes. pap. aegypt. 1/3. 
') Hess, Glossar zum Londoner gnost. Papyrus S. 15. 



32 Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. [XXX VII. Band. 



Vni. I] yä <=> -1n^ iteM in den frühdemotischen Texten. 



Die obige im Demotischen (d. h. den Texten der Ptolemäer- und Kaiserzeit) 
zu Cjn '• \ if verkürzte Gruppe zeigt in den frühdemotischen Texten noch die 

dem Hieratischen nahestehende Form, ohne bislang erkannt worden zu sein. 

Ich kenne sie aus folgenden Beispielen. 
P. Berlin 3078/6 (Darius): 

nt rim nk" rim n p^ f %t e' (e^) f-hprw ('snooTr) ir-m-k (neM^R). 
»Alles und jedes, was ich mit dir erwerbe.« 
Thes. pap. 11/6 — 7 (Amasis): 

ntk (iiTd^) f I arfk f I ir-m- (hca*.) rf Jib'r (igfiHp). 

»Dir gehört ein Theil, mir gehört ein Theil mit meinen Genossen.« 

IX. Die Bedeutung von \%^<S h'rrft. 

In den Contracten über Darlehen von Weizen {^olvsiov) findet sich stets eine 
Wendung, in welcher der Schuldner sich dem Gläubiger gegenüber verpflichtet, 
bis zu einem bestimmten Termin das entnommene Getreide mit oder ohne Zin- 
sen wieder zurückzuerstatten^). Die Formulirung lautet in dem P. Berlin 3103 
folgendermafsen : 



^) Vergl. Revillout, Rev. eg. III/27 und ferner die inzwischen bekannt gewordenen grie- 
chischen Urkunden , welche weiter unten herangezogen sind. 



1899.] Wii-HKLM SiMKGEi.BKRCi : I )(Mnotisclie Miscelleii. itil 






Vvsl^/^'W^^yfJ^-Jft^O fy^» 



lün wfÄ (ottiitä^k) ...(?) 5 fu p^s 1^1 2 r ...(?) 5 <^°n e p'u Tivf hnw e V n"l 
r^n pr^t e-t'ik (€T€R"^) rti nti (ht*».) tl rfk p'k ...(?) S "nt hr^l e Im rnpt IV {t) 
thH 1 rm p' mnk flft 8 e r'npH ^5 e n°t 8 ^'n n sw" 'f w^'"'h rrfn sh{?) m'n sth 
e f mdit e-hyk (eTeKUji) rfi pr°t ^rrfs *w ^if (igHT) % fi hi s°wh{?) e f p^k rdw p'k 
Hl n n"t rrfn U h'nft 'nt rCm ^nt hr"' e hn r^npH IV [t) i'^lft I s^m. 

»Du hast 3 Artaben — ihre Hälfte beträgt P/o Artaben — wiederholt B Ar- 
taben mit den zugehörigen Zinsen von mir zu verlangen für (wörtlich im Namen) 
das Getreide, welches du mir gegeben hast. Ich will dir deine B oben erwähn- 
ten Artaben (zurück)geben bis zum letzten Pachons des Jahres IV, macht 8 Monate 
= ^3 Jahr, wiederholt 8 Monate an Getreide, rein, ohne ...(?), ohne sth nach 
dem Mafs, mit welchem du mir Getreide zugemessen hast, indem es gemessen, 
transportirt und eingeliefert [?] ^) ist in die Hand deines Verwalters in dein Haus 
in Theben ohne Unkosten und Transportberechnung, alles Obige bis zum Pachons 
des Jahres IV.« 

Man sieht aus der Übersetzung, dafs für mich die Bezeichnungen, welche 
die Qualität des Getreides betreffen, noch nicht feststehen. Über den unge- 
fähren Sinn können uns griechische Urkunden belehren. Man vergleiche Brunet 
DE Presle, Papyrus du Louvre p. 172 (Philometor?): 

» . . . TTvpov oLprcc(ooL<; eix.o<Ti ovo yjijlktv oltokovq' tc ^e ^uveiov rovro oLTVo^oroo \(Ty,7^Y\- 
"Kictg \p(TLYi(T£i Ittj TYj 'KcLyjxsv A Tov otvTov IrL TTopov veov xa^oLpov ccyLvXov [äi/S-' ÜüV 
£a"]'x,>i;c£ xcu u.TToy.ocrocdTYjcrocrM ek oItcov 7rpo<; avrov roig l^ioiq ot,vY\Xuo\xaL(Ti k. t. A. « 

Grenfell, Greek papyri XVIII/12ff.^) (Euergetes II) , eine Urkunde, die aucli 
sonst zu dem demotischen Texte zu vergleichen ist: 

» TTvpwv oiptcißocg rpiccytovra 7reV[T]e ciroKoL. ro ^dvuov rovro ouwo^oruodoLv oi 

htoo(,vEi(T\xsvoi 'AttoXXoüviui £fx iXYjvl not%wv [r^ov AS-L TTvpov VEOV xu^xpov oi^oXov oi7r[ox,u] 
^eurocfJievov eig oiKov irpog civr[Yiv i^io]ig üLvY\kö)\x(^<Jiv y |t>t[e']rpcoi m xou [7r]pcp£iXyi(po(.v irpog 
ro xS-%« {= Trpog ro eiy.o(nvevveoi,%oiviy.ov nach Wilcken). 

Ib. X/14 (Philometor): 

» [vsov y,o(^ocpov u\ko ivoLvrog y\ou oL\)CLv^v\yov yi\irpuoi mi xoci 7rocpeiXyi<po(,(Ti kou 

Ä7ro[xoiS-£crr>ijuevoy er'c olytov ].« 

K Für die Kaiserzeit vergl. Grenfell, The Oxyrhynchus papyri CI Z. 36ff. : 

1) Die Varianten haben e p'k hi. ^) Vergl. XXlIl/lOif. 

Zcitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Band. 1899. 5 



84 Wilhelm Spiegelbero : Demotische Miscellen. [XXXVII. Band. 

»TTvpov vsov KU^otpov oLooXov oiKp&ov Ksx.oO'xivevixsvov ujg eiQ (^r)jU,o[o"]iov. iJ.sTpovfj.evov 
ixsrpu) rsroaXiOivixuj 'yjXXx, odrofJiU) x. r. A. « 

Daraus lassen sich folgende sichere Gleichungen aufstellen: 

S'W° = TTvpov veov 
ef w^'^h = y.oL^oLpov. 

Aber alles Andere, mit Ausnahme der gleich zu besprechenden Wendung, 
bleibt unsicher. Auch die Varianten 

lösen die Schwierigkeit nicht. Die Varianten der von Revillout veröffentlichten 
Urkunden^) sind bei der willkürlichen Art der Publication für unsere Zwecke 
völlig werthlos. 

Nur für die Phrase i^ioiq oLvv\ku}ixoL<jiv läfst sich noch ein sicheres demotisches 
Aequivalent ermitteln. Die Bedeutung von Jf ist aus vielen Beispielen , nament- 
lich auch aus der Rosettana (= (5bt7rotvö6^) bekannt*), und die Bedeutung von 
h^mH läfst sich aus dem Koptischen erschliefsen. 

Krall hat für £hmh: £^eMe in seiner vortrefflichen Bearbeitung der koptischen 
Texte der Wiener Papyrussammlung^) die Bedeutung »Fahrgeld, Transportkosten« 
nachgewiesen. Dieses Wort ist aber zweifellos mit der in Frage stehenden 
demotischen Gruppe identisch. Demnach umschreibt I^ioiq ikvY\X(J)iJ.oL(Tiv nur all- 
gemein das genauere demotische »ohne Unkosten und Transportberechnung«. 

V. Die Gruppe j^/*^^ = ^en^^eXo. 

In dem Choachytenreglement der Berliner Sammlung, P. 3115, welches 
eine Reihe von Vereinbarungen enthält, die unter der genannten Priesterciasse 
getroffen wurde, befindet sich Col. III Z. 15 folgende Stelle: 



') Aus einem aus Gebelen stammendem mir von Dr. Reinhardt freundlichst übersandten 
Papyrus (Jahr 5 der Sammtregierung der Kleopatra III. und des Ptolemaeus Philometor IL Soter II.). 
Die Urkunde enthält wie P. B. 3103 eine Schuldverschreibung. 

2) P. B. 3102 Z.19. 

') Chrestom. demotique p.ll4. Revue eg. III Tafeln zu p. 200". Vergl. auch Brugsch, Thes. 
p. 1050 (Ostrakon des Berliner Museums). 

■*) Siehe Spiegelberg, Rechnungen aus der Zeit Setis' I. 23.64 ff. 

^) Band II des Corpus pajjyrorum Raineri archiducis Austriae p. 38. 



i 



1899.] Wilhelm Spiegelbero: Demotische Miscellen. 35 



? 
hn fm ip" f fm " gp (fmfV^ ms" rf «^"«"/(P). 



\t^ 



Revillout^) überträgt: 

»Personne au monde, parmi les clioachytes, ne peut aller prendre («yen), 
ou demander (^hott), sa cruche de vin («yAMes^i ?) , par derriere les chantres«. 

An dieser Übersetzung ist Vieles zu beanstanden, abgesehen davon, dafs 
sie überhaupt keinen rechten Sinn ergiebt. Die Ungenauigkeit »parmi les choa- 

chytes« — eine willkürliche Ergänzung — lasse ich bei Seite. Aber ^ — 

ohne Determinativ! — als Verbum <3'noTr zu fassen und das nächste mit dem 
Determinativ des Vogels versehene Wort als Gefäfs — glS = &\M.iK\?\ — zu 
deuten , ist mindestens unerlaubt. Für Jeden , der die demotische Orthographie 
kennt, liegt es auf der Hand, dafs wir hier gngl^ zu lesen haben. Die Iden- 
tificirung mit <5'eii<3'e\o »Fledermaus« ist damit ohne Weiteres gegeben. Die 
Übersetzung von gp ((^oon) ist möglich , aber keineswegs gesichert ; falsch ist da- 
gegen wieder die Übertragung »chantres« {hsw), wie Z. 1 der Columne zur Ge- 
nüge zeigt, wo die unzweifelhafte Gruppe hs neben der hier in Frage stehen- 
den erscheint. Vielmehr ist aller Wahrscheinlichkeit nach <^s/^) (d^igd^i) zu lesen. 
Leider ist an beiden Stellen, an welchen unsere Gruppe sich findet, das ihr 
folgende Stück zerstört, so dafs ich nicht zu entscheiden wage, ob hier nicht 
das Wort t (^sU »die Menge« vorliegt. Was die Bedeutung anlangt, so möchte 
ich darunter vermuthungsweise die »gewöhnlichen, niederen Priester« im Gegen- 
satz zu den höheren verstehen. Dabei sei an die Bezeichnung 1 11 .^^^^ neben 
I V <^-==' [Mariette, Abydos 11/21]^) erinnert. 

Ich übersetze also: 

»indem (e) Niemand auf der Welt gehen kann, um Fledermäuse zu fangen {?), 
aufser den gewöhnlichen Priestern (?)« . 

Die Bedeutung von ncis. »aufser« in Negativsätzen ist aus dem Koptischen 
bekannt'). Auch im Demotischen ist diese Bedeutung zu belegen, soSetnaI/9, 
wo gewifs folgendermafsen zu lesen ist: 

bn Y NVfr-¥-Pfh p" s'n fft Ur p' f ms" m'"'s' h'r rf h^swt{?) n M'n-n"fr 



1) ÄZ. 80/139. 

^) Zu der Gruppe (S s. Hess, Glossar zum Setna-Roman S.150. 
3) Vergl. auch Borchardt, ÄZ. 1890 S. 81, Anm.l. 

*) Vergl. Stern, Kopt. Gr. §561. Als weiteres Beispiel citire ich Pistis Sophia 381 Z. 25. 

5* 



BG Wilhelm SpiEiiELBERc: Deinotische Miscellen. [XXXVII. Band. 

»mein Bruder N. that nichts (wpt) auf der Welt als umherwandeln in der 
Nekropolis von Memphis«. 

Ganz klar ist damit die Stelle noch nicht, da vor Allem die Bedeutung 
von <jp nicht feststellt. Vielleicht galt die »Fledermaus« als unreines Thier, 
dessen Berührung nur der niederen Priesterciasse ^) gestattet war. Aber die Be- 
deutung von gjigi^ »Fledermaus« ist über jeden Zweifel erhaben. 

XL Der Titel h>wte in demotisclien Texten. 

In den Texten der libyschen Zeit (Dyn. XXII — XXV) findet sich gelegent- 
lich der oben in Transscription wiedergegebene Titel in folgender Orthographie: 
Mon. de Leide (ed. Pleyte), M. 24 (Taf. I/II): 

Für den Sohn sind die Varianten: 

I 1 mn IH..WWV I Aö 
und 

für den Vater: 

u rS^w ^^ 1 — I I H ■'An f/yr^ Jf )>^ 4 s>\ 

Das Amt des y>k^wHe des Amontempels zweiter Classe« vererbte sich nach 
den Inschriften des hier erwähnten Sarges durch vier Generationen. Eine andere 
Orthographie des Titels bietet Lieblein, Dict. 879: 

»der hw^t des Äg'«'- Tempels PetebeS'^, 
und vermuthlich steckt auch in Mariette, Catal. d'Abydos 1227: 

unser Titel. 

Man darf aus der zufällig in den angeführten Stellen belegten Verbindung 
des Titels mit Tempeln nicht etwa auf ein Priesteramt schliefsen. Dieser Schlufs 
wäre sicher voreilig. Ebenso wenig darf man in so späten und unorthogra- 
phischen Texten auf Grund der schwankenden Orthographie in unserem Titel 
ein Lehnwort sehen. Mir ist es viel wahrscheinlicher — freilich möchte ich 
diese Vermuthung nur unter allem Vorbehalt geben — , dafs in diesen Worten 
der Spätzeit nur Varianten des bekannten Titels vorliegen, welchen ich aus dem 
»neuen Reich« (Dyn. XVIII — XXI) in folgenden Schreibungen belegen kann: 



^) Auch bei den Juden (Lev. 11/19, Dt. 14/18) galt die Fledermaus als unrein. Vielleicht 
ist der Aufenthalt des Thieres in Gräbern, der Stätte der Geister, die letzte Veranlassung dieser 
Anschauung. 



1899.1 Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. 37 



^ ^^L==0 Lauere C. 56, 
-^-^ Shahpe, E. G. 1/42, 

Lj'"^ Schiaparelli, Catal. Firenze 422^). 

In diesen drei Beispielen ist der Titel mit Götternamen, in den beiden 
ersten mit Arnon, in dem letzten mit Osiris verbunden. Daneben aber werden 



A^^WAA 



unter Sethos I. (LD. III, 140b, Z. 5/6): U "^ ^ ^ 1) '^^^ ® i ^^ 'j ^"^ ^^ 
wähnt, welche zum Brunnenbau verwendet werden. Hier legt der Zusammen- 
hang wie die Orthographie nahe, in k^wti eine Adjectivbildung von kU »Arbeit« 
zu sehen ^), und führt zu der Übersetzung »Arbeiter« oder vielleicht besser »Bau- 
arbeiter«. Denn kU hat speciell diesen Sinn. Dieser Titel, über dessen Be- 
deutung und Identität mit demjenigen der libyschen Periode man noch streiten 
mag, ist nun noch im Demotischen anzutreffen. Eine Urkunde aus der Perser- 
zeit ^) {JDarius). 



\{M^\^.>i.\:htM^ 



»Der gwte des Hauses des Amon von Djeme^) liaryotes'^ 
und ib. Z. 2 



.^•^i:>A:>yh^'^ 



»der gwte . . . Ameniritls'^ 

enthält zweifellos den alten Titel, welcher sich für die Ptolemäerzeit auch in 
einem von Revillout") mitgetheilten Papyrus des Brit. Museums (Pap. Hay) nach- 
weisen läfst. Bei der willkürlichen Abschrift des Herausgebers ist jedoch die 
palaeographische Verwerthung der in Frage stehenden Stelle 



K^h/^{i^\i>*U< 



ausgeschlossen. Die Übersetzung »der ^lü^^'' des Amontempels ^r(/)(i (KoAAoi;S->]c)« 
ist indessen gesichert. 



vorliegen. 



^) Doch könnte hier das Wort || j v;^ »Gärtner« \Paheri (ed. Griffith) Taf. VIII] 



2) Variante Z. 10 ^^U=il^l- 

*) So auch Brugsch, Wb. IV S. 1476. 

*) Thes. pap. aegypt. XXIII, no. 23. 

^) Für die Schreibung von -^uiMe vergl. Brugsch , Dict. geogr. 988. 

«) Rev. eg. I Taf. 1. 



6ö Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. [XXXVII. Band. 

XII. Der Titel lepounoaAoQ "laiboc; juefdÄHc; im Demotischen. 
Der angegebene Priestertitel findet sieh verschiedentlich in dem Protokoll 
griechischer Contracte aus der Regierung der Kleopatra III. und ihres Sohnes 
Ptolemaeus X. , Soter IL , in welchen ein kpovTrwXog "laiSog iJ.eyoiXyig fXYjrpog ^ewv er- 
wähnt wird'). Dieser Titel steckt nun zweifellos in folgenden bislang mifsver- 
standenen demotischen Contracten, welche derselben Sammtregierung angehören, 
I. Pap. Bulag bei Revillout, Chrest. demot. p. 402. 
II. Pap. Leiden CLXXXV (Rev. eg. 1/91 Taf. 3). 

III. Pap. Vatican, Rev. eg. III/25. 

IV. Pap. New York, Rev. eg. III/26. 

Die einzige palaeographisch brauchbare Stelle (Pap. Leiden CLXXXV) 

ist leider zu zerstört, um eine sichere Lesung zu gestatten. Die anderen Stellen 
sehen in Revillout's Umschrift so aus: 

III. ((^<yi 3 3-^r-/k. ? A^x '*-'? r^'» 2j> 

Ar ^ ""^ 

IV. rfr\<^ AT-^^ ^/y is^t (y\2 tC/n ^ 

Wer das hier vorgelegte Material vorurtheilslos betrachtet, bekommt einen 
Begriff davon , wie traurig es noch um die Fundamente bestellt ist , auf denen 
sich einmal eine exacte demotische Forschung aufbauen mufs. Hier sind wir 
einmal auf Grund der griechischen Papyri in der Lage, den correcten Text 
wieder herzustellen, der aller Wahrscheinlichkeit nach so aussieht: 

Ob auch die letzte Gruppe richtig ergänzt ist, bleibe dahingestellt, ebenso 



wäre 



auch eine Verbesserung in { i / {i^i/f}) /^ hirupula denkbar. Eine 



letzte Entscheidung ist nur von den Originalen oder Photographien zu erwarten. 
Aber so viel ist sicher, dafs von »(la deesse) Aerpole, grande Isis, Evergete, 
mere divine«^) nichts dasteht, dafs vielmehr der demotische Text den Titel »des 
Hierupolos der grofsen Isis, der göttlichen Mutter« enthalten mufs. Übrigens 
zeigt das Demotische die dem griechischen kpoviruiXog entsprechende Form an 
Stelle des correcteren kpoCTröXog. 



^) Siehe Grenfell, Greek papyri p. 53. Oxford 1896. Vergl. auch Strack, Dynastie der 
Ptolemäer S. 202 und Mahaffy, Empire of the Ptolemies p. 374 Anm. 1. 

^) Bereits Strack, Die Dynastie der Ptolemäer S. 174, hat daran Anstofs genommen. 



1899.] Wilhelm Spiegelberg : Demotische Miscellen. 39 

XIII. Die Partikel eic im Demotischen. 
Ich habe micli oft gefragt, was aus der bekannten Partikel (1 1 eic im De- 
motischen geworden ist. Die folgenden Ausführungen sollen eine vorläufige Be- 
antwortung dieser Frage enthalten und andere Fachgenossen zu weiteren Nach- 
forschungen anregen. Die der hieroglyphischen Gruppe (1 I entsprechende Form 
bieten die archaischen Texte, wie aus folgender Stelle hervorgeht: 







■'^^ihdii 



I 



än°Ti i's 'i ti rflc Jft rim pr°t rim nt ^u (eTeir oder eTOT) e <^k e Tf^ik ts dn°Jc 
p'k iY ^"n hrf rfj hr'd s"^ dt. 

»Ich gebe dir also alles Silber und alles Getreide, was deinem Herzen 
beliebt (wörtlich : in dein Herz eingeht). Ich bin also dein Sohn wiederum (d. h. 
ausdrücklich wiederholt) mit meinen Kindern bis in Ewigkeit^).« 

Für ts giebt es, abgesehen von der phonetischen Schreibung, noch eine 
solche mit den Silben und Wortzeichen ft , "TT" , '^^. 

Das Silbenzeichen n kennen wir im Demotischen aus einer Gruppe, die als 

solche bislang noch nicht erkannt worden ist. Hier einige Beispiele: 
P. RmND 18/10: 

my sbnf (MÄ.p€q sbn) n^m f ist n Usir 

»er möge sich mit der Schifismannschaft des Osiris vereinigen!« 



I 






sbnt n t" ist n rC Ti°me n f hnt i^m^nft. 



') Thesaurus pap. aegypt. IX, 4/5. 

'^) Ähnlich ib. Z. 3, doch ist mir die Stelle nicht ganz verständlich. Dafs nicht kopt. g^co- 
gemeint ist, zeigt Z. 5 zur Genüge mit der deutlich geschriebenen Gruppe hd. Vergl. auch Thes. 
XXIII/5. 



40 Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. [XXXVII. Band. 



»du vereinigst dich mit der Schiffsmannschaft der Frauen der Herrin des 
Westens« (ähnlich H3/5). 

Ebenso schreibt ein aus der Ptolemäerzeit stammender Papyrus der Berliner 
Sammlung (P. B. 8278, passim) die Gruppe u$\ . 

'^da als Wortzeichen Is findet sich in der Gruppe '^S, ^ isw'i jvcott. Diese 
ist für das Demotische aus der Rosettana (Z. 26) als ^ |/ 7 f^ <is"t belegt, die 
Form der Papyrushs. ist ä\/s ')• Für die Spätzeit citire ich die Schreibung 

jlA/S'I -). Es liegt nahe, in y und Ähnlichem die demotische Form für '^9i 
zu sehen, obwohl noch die hieratischen Zwischenglieder fehlen. Der Papyrus 

RmND (27/6) bietet nun in der Gruppe jCc XX v \^^'^^ ^^ '^^^ ^^^ weitenvs 

Zeichen für is, in welchem ich das hierogl. ~7T~ erkennen möchte, freilich unter 
allem Vorbehalt. Es ist dasselbe Zeichen, welches in ptolemäischen Texten^) 

häufig als ^^ erscheint und vielleicht den Pachtzins bezeichnet. Somit haben 

wir folgende Werthe erschlossen: 

I. 'V^ .P =^5-(?) 

n. ?l = 

III. /^ = ^s,. 

Dabei habe ich von der Gruppe ganz abgesehen, mit welcher man das 
Verbalpraefix ec ((]^ 1) 2J^ ^^^^ ^^^ Gruppe ^^ fy^-^^) *»-c »alt« zu schrei- 
ben pflegt, welche aber auch sonst (vergl. die oben citirte Grujjpe*') für »Grab«) 
für ts verwendet wird, und eben diese läfst sich, wenn ich mich nicht irre, 
gelegentlich als Partikel eic nachweisen, so 



^) Nach einem mir von Dr. Reinhardt mitgetheilten Papyrus. 

2) P. Rhino 8/8. ^) P. 5. 3102/16 u. s. 

*) Es ist keinesfalls sti zu lesen, welches wesentlich andere Formen zeigt. 

6) P. gnost. Verso 5/13. «) P. B. 3114 Verso (Ptol.). 



1899.] Wilhelm Spiegelberg : Demotische Miscellen. 41 

Pap. Lugd. I, 373«: 



I 



^^4mmm^v^ 



i's s't h'm't Hr-lTst sH d^swti ntr (Icft)] ^W) ••• ^"^« ^ «> «'^"«• 

»Siehe, die Frau Eri-hast, Tochter des j,^^ jSä^(?) und der .... spricht: 
Nimm die Schrift« u. s. w. „ 5 

Ebenso steckt vielleicht in den Zeichen \y j/^ ^), mit welchen das Decret 
von Canopus beginnt, unsere Gruppe. 

Dagegen schreibt derselbe Text an einer anderen Stelle (Thes. 1574) k,/J , 



wo der hieroglyphische Text [II zeigt. Ich lasse es dahingestellt, wie sich 

diese demotische Gruppe entwickelt hat, sondern will hier nur weitere Fälle 
dieses Vorkommens feststellen. So glaube ich, dafs unsere Partikel in der Gruppe 
steckt, mit welcher die demotischen Contracte die Aufzählungen der Nachbarn 
eines Hauses und Ackers beschliefsen. Die Wendung lautet nach meiner Lesung 
i's (eic) n* kine n »siehe, das sind die Nachbarn des (Hauses oder Ackers)«. 

Hier einige Proben nach Papyri des Berliner Museums , welche sämmtlicli 
der Ptolemäerzeit angehören. 

P.B. 3111/3: 

W €ic n^ hin ...(?) yA* ^nt hr"' t^ru. 

P. 3113/5: 

eic rf hin n p^ wrh hi t^rf. 
P. 3097/5: 

^) Vergl. dazu die Copie von Revillout: Rev. eg. p.91 und Tafel. 

^) Deux versions p. 2. Nach Groff (a) und Brugsch {b) (Thesaurus 1555). Andere Repro- 
ductionen sind mir leider nicht zugänglich. 

Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Band. 1899. 6 



42 Wilhelm Spiegfxberg : Demotische Miscellen. [XXXA'^II. Band. 

= P. 3070/5: 

€ic n^ hin n p^ mh itn II "nt hr"' fru. 
P. B. 3105/12: 

€ic rf hin n p^ hi n^m n^nt ms°f ^ni hr"' frf. 
Pap, Reinhardt : 

eic TZ* hin n n^ j°hf f ¥j ^nt hr"' ifrs. 
P. B. 3146 A/ß: 

P. B. 3146 B/6: r ■ 

d) eic TZ* Un if i°lf ^nt hr"' fru. 

h) hat statt eic die Variante e (= »maclit, beträgt«), die sich auch sonst 
findet, z. B. 

P.B. 3096/5: 



1^ 7^^t.ty/^f^WV 



e n" hin n p' j°]f 3 ^nt hr"' t^ru. 
P.B. 3096/5: 

e 7t Un j9* Hl ^nt hr"' frf. 

In etwas veränderter Form findet sich die Partikel in römischer Zeit. Hier 
zwei Beispiele aus dem Pap. Lugd. I, 384. 
XVIII/27: 

i^s '^"ff^^ p^ s^m n p'n V h'r p" nf. 

»Siehe, da stand die kleine Maus vor dem Löwen.« 



') Im Jahre 1897 im Besitz von Dr. Reinhard i. Ich gebe die Stelle nach einer Transscription. 
Die Gruppe für eic hat im Original diese Form fJ^ (P. R- a.). 



I 



1899.] Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. 4B 

XVII/31: 

i's p^ p'n ti s^ (= «xo) r"/ ms" rC snTf^% (ciiÄ.Tr£) n p^ iif. 

»Siehe, da brachte die Maus ihren Mund an die Fesseln des Löwen. «^) 

Sehr fraglich ist, ob in der Partikel ^t^ in der folgenden Stelle des 
Setnaromans") (2/5 — 6): 

€ic(?) hr Th"f cfm 7rfft rim 'nt hyr n N^rffr-k'-Pfh HV p" d'nf 
»Siehe, Thot hat Alles gefunden, was demiY. wegen des Buches geschehen war« 

unsere Gruppe steckt. Noch zweifelhafter steht es um das Wort 9yi <)) ))4 (Pap. 

Lugd. gnost. XIII/4) , in welchem Hess^) die hier in Frage stehende Partikel er- 
kennen möchte. — Zum Schlufs sei noch einmal der problematische Charakter 
dieser Ausführungen betont, welche noch in vieler Hinsicht der Ergänzung und 
Berichtigung bedürfen. 

XIV. Eine Formel der demotischen Contracte. 
Zunächst seien hier eine Reihe von Beispielen angeführt, welche die in 
Frage stehende Formel enthalten: 
P.Berlin 3105/12: 



i?-/«f* lyi'-^ M's^ p* -jn i^yj ^ 



"r-k (€k) ms^i n p" Itp n pei sJf' n wv") n r^m n k^m\ 
»Du darfst mich gerichtlich verfolgen kraft dieser ägyptischen Cessions- 
urkunde. « 

ib. Z. 18: y 

V^ ms"! n V 7fk e mdt n'm ^nt hr"''' '^"n. 

»Du darfst mich zwingen, dir auch nach jedem obigen Wort zu thun. « 

1) An einer anderen Stelle desselben Papyrus VIII/4 ^O ^/l it? Ili^ ^ IP/i Vp 1 /^ 

[nach Krall: Demot. Lesestücke] fis hri ^r Ur t" Tinwt »siehe, ich bin vor meiner Herrin« scheint 
die ursprünglichere Form der Partikel vorzuliegen, welche der Form III, S. 23 entsprechen dürfte. 

^) Nach Krall, Demot. Lesestücke. 

^) Über die der Partikel vorhergehende Gruppe s. Griffith, P, S. B. A. 1896, p. 104. 

*) Siehe das Glossar der Publication s. v. 

*) Vergl. Matth. 5/31 otcsSi iioirei, freilich in anderer Bedeutung. 

6* 



44 Wilhelm Spiegelberc: Deinotische Miscellen. [XXXVII. Band. 



p. B. :n 18/21: 



p ^ r^ Via/V^^/^ #«.31:1 



eu ms°f e-ü-^rf (eTpoq) e hf mdt n'm ^nt s^h hr"'. 

»Sie sind hinter ihm her, dafs er nach jedem Wort handelt, welches oben 
geschrieben steht.« 
P. B. 3100/15 (= 3099/17 = 5508/16): 

Wk (= r) ms'f n fh'n 3000 e Urlfr 10 e fUn 3000 ^"n Ute 24 e ^jio e ti 
tl-f sH rfk. 

»Du bist hinter ihm her (d. h. du kannst ihn bestrafen) mit 3000 Silber- 
fUn = 10 Talenten = 3000 Silberf^'^z, nach dem Verhältnifs 24 (Kupfer)/:'r = 
^/lo Silber^//7^^), damit er es dir thue. « 

Diese Beispiele lassen sich noch um zahlreiche^) vermehren. Ich denke aber, 
die oben mitgetheilten zeigen klar, dafs wir in der Wendung mit nciv einen No- 
minalsatz vor uns haben, in welchem bei pronominalem Subject das Praesens II 
auftritt^). Diesem Tempus gehören ja die Formen V^ (= k)*) und eu (eir) an. 



^) Diese bereits von Brugsch (ÄZ. 1892/8) aufgestellte allein mögliche Lesung und Auffassung 
bestätigt Grenfell's (Revenue laws p. 208) Vermuthung auf das Glänzendste, dafs wir hier die 
demotische Übersetzung von Xri^l/oixsS'ai siq rov j-raryi^a oßoXovg x8 vor uns haben. 

^) Ich möchte nur ein Beispiel darunter herausgreifen (ÄZ. 1880, Taf. II, Nr. 3, Pap. Brit. 
Museum) : i 



(Si<>3 Oyfoyjj: 



e n^k hr°d ms°' n" hr^P e n^ hrof n iifl hrofms"- n^ hr°d n^k hr^t^ thi p'' h°w ^nt hr^^ S" dt. 
"Deine Kinder sind hinter meinen Kindern und meine Kindeskinder hinter deinen Kindes- 
kindern von dem obigen Tage an bis in Ewigkeit.« 
Vergleicht man dazu ib. Nr. 4 (Pap. Brit. Mus.) : 



^^i3p:>l'«vii:.l»i 



e "nfl hr°P s^ms^ n^Tc hrop n^ hr°P n w« Jirop n^k hr°P V-n p^ how ^nt hr'^^ §"■ dt, 
so kommt man auf die Vermuthung, dafs in diesen nahezu identischen Sätzen §^ms^ «folgen« eine 
Variante von » hinter Jemand sein « ist , und erhält auch so die weiter unten nachgewiesene Bedeutung. 

^) Siehe Steindorff, Kopt. Gram. §266. 

*) Zu der Schreibung vergl. ^ = k (Praesens I); GRiFFrrH, P. S. B. A. 1896/103. 



1899.] Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. 45 

Auch die bei Revillout, Nouv. ehrest, demot. p. 118 u. 120^) anzutreffenden 
Beispiele : 

H {= epe) ms^i e ti-wi e hrt mrrfw r'^ni '^"n. 

»Du bist hinter mir (d. h. du kannst mich gerichtlich verfolgen), um sie 
A'On dir abzuwehren in meinem Namen wiederum. « 



ib. 120: 



p- 1^ -'v ^ ^^ ^^^i^( I^V <rOyjiII 



ei (€i) 'ms''t pe sh"' (1. e pe sh"') wi e"r* 'rf {d».Ä^q) n"' n r^npH XXI. 

» Ich verfolge dich (mit) der Cessionsurkunde , welche du mir im Jahre XXI 
ausgestellt hast. « 

Dieser grammatische Befund stimmt nun auch mit dem älteren Sprachgebrauch 
überein, welchen die folgenden neuägyptischen Beispiele klar stellen mögen. 

Siegeshymnus des Merneptah , Z. 1 3 : 

»Das Auge jedes Gottes verfolgt den Frevler« (o. ä.). 
LD. III, 229c'): 

»Jeder, der gegen ihn spricht, möge Amonrasonter (ihn) verfolgen, um ihn 
zu verderben (?) , möge Mut sein Weib verfolgen, Chonsu seine Kinder!« 

ib. 140c: 

»Jeder, der taub sein wird gegen diese Stele, möge Osiris ihn verfolgen, 
und Isis sein Weib verfolgen und Horus seine Kinder verfolgen.« 

Wir haben hier überall einen Nominalsatz vor uns , welcher in den beiden 
letzten Beispielen durch den Imperativ ir^) optativisch eingeleitet und in dem 

zweiten Citat durch [1 v\ fortgeführt ist. Und ferner steht auch hier m 5/ in 

dem Sinne »verfolgen«, welchen ich ihm in allen Beispielen untergelegt habe 

') Die Publication des Leidener Papyrus I 374, ist fast ganz unbrauchbar. 
^) Dieses wie das folgende Beispiel nach Piehl, ÄZ. 1891, S. 50/51. 
^) Vergl. Erman, Gram. § 182. 



i 



46 Wilhelm Spiegelberg: Demotische Miscellen. [XXXVII. Band. 

und der sich aus der ursprünglichen Bedeutung »hinter Jemand sein« unschwer 
ergiebt. Neben dieser Construetion im Nominalsatz ist noch eine andere in 
Verbindung mit '^ zu nennen, 

Pap. Berlin 3097/7: 



,3^„'if.>vi/Wt.^4:^'tA.^^v-...:rai^v:^,7t<tf7//t 



A> 



p <^"nh p '^"he-r^'t p ^nt-eu (neToir) e tl-s (tä.&.c) ms°k n p H n wpt, 
»der Eid, die Bürgschaft, welche sie dir auferlegen werden vor dem Ge- 
richtshof« . 

eu ti ms"' e ti-^rf (eTpoq) e ?f mot lfm, 

»sie sorgen dafür, dafs er gemäfs jedes Wortes handelt«. 

Auch hier läfst sich die gegebene Bedeutung aus der Übersetzung »hinter 
Jemand geben« entnehmen. 

Der von Revillout^) vorgeschlagenen Lesung liegt eine Verwechselung der 
beiden bekannten Gruppen nc*^ und &\W€. zu Grunde. Im Setnaroman und 
dem Londoner gnost. Papyrus stellen sich beide folgendermafsen dar: 

Setna ^j^ }^} nc^».^) Setna Ye \S s'me 

Lond. gnost. ^7 Y^ ^cd«. Lond. gnost. 7-25 ti^ ffinc 

Über die immögliche Lesung -<2>-,^iei^^ ; ist heute kein Wort mehr zu 
verlieren^). 

1) Rev. eg. 11/285 if. 

^) Beiläufig sei hier nur bemerkt, dafs z. B. sowohl im Setnaroman wie im gnost. Papyrus 

Lugd. (s. Brugsch, Gr. demot. § 347) A J unterschiedslos neben j'j^ gebraucht wird. 
3) Vergl. Hess, Setna S. 18. 



f 



1899.] 



F. G. HiLTON Price: Two objects from prehistoric tombs. 



47 



Two objects from prehistoric tombs. 
By F. G. HiLTON Price. 



xVt Negadeh, in the necropolis of Toukh, Prof. Petrie found some curious 
objects shaped out of elephant tusks. Three of these are figured in his »Naqada 
and Bailas«, Plates LXII and LXIV, and described on pages 19 and 47. One 
of them has a human face scratched upon the upper 
end, another has only the eyes and eyebrows, and 
the third only parallel lines. They are all pierced 
for Suspension. 

Recently through the kindness of Mr. Henry 
Wallis, I have acquired a specimen 9^/2 inches long, 
and Said to have been found at Negadeh^). It is 
better finished than any of the above mentioned. 
It has the appearance of a small tusk, the point 
of which has been carved into the form of a man's 
head with a long pointed beard quite Asiatic in 
character. The face is oblong and narrow, the lines 
of the eyes show remains of a black bituminous (?) 
filling, the nostrils and mouth are indicated merely 
by two notches, the ears are very prominent. Upon 
the top of the head the ivory is carved into a 
loop for Suspension. At the opposite extremity the 
object is very slightly convex (it could not be set 
up on end), with a raised rim. The natural hoUow 
of the tusk is here seen to a depth of IY4 inch. 
It has been fractured at the neck and across the 
middle; here and there too it is cracked, but the 
ivory is in good condition. 

There is in my possession another object, evi- 
dently of the same nature, but in this instance cut 
out of a Hat piece of gold. It measures 8^4 inches 
in length, and ^g of an inch in width below the head, the width gradually 
increasing to one inch at the base. It is thin and flexible. At the upper end 
is a kind of rüde human head in profile, cut symmetrically on either side. 
This object was found in the neighbourhood of Abydos. 

') Ein zweites, ganz ähnliches Exemplar besitzt das Berliner Museum. A. E. 




a Ivory. — b Sections of the lower end 
of the ivory. — e Gold. 



48 Ed. Naville: Un dernier mot sur la succession des Thoutmes. [XXXVII. Band. 



Un dernier mot sur la succession des Thoutmes. 

Par Edouard Naville. 



v/n me dit que la discussion entre M. Sethe et moi sur la succession des Thout- 
mes prend des proportions inquietantes et qu'on desirerait en voir la fin. Aussi 
me garderai-je de la prolonger. Je vais le plus brievement possible expliquer 
pourquoi, en ce qui me concerne, je clos la discussion. J'ecris de Thebes, de 
Deir el Bahari, de ce temple que j'ai deblaye entierement, et a l'etude duquel 
j'ai consacre plus de cinq hivers. J'ai sous les yeux les textes et les represen- 
tations dont je parle. J'estime que je dois ä ceux de mes savants confreres 
qui croient encore que lorsqu'on discute sur un monument c'est quelque chose 
que de pouvoir en parier de visu, et d'y avoir passe des mois entiers, de 
leur communiquer les resultats auxquels je suis arrive dans cette derniere 
visite, Les resultats, on le verra, dans leur ensemble ne sont pas nouveaux; 
mais ils confirment d'une maniere eclatante ce que j'ai soutenu des le debut, 
c'est que nos maitres, en p artic ulier Lepsiüs et E. de Rouge, avaient raison; ils 
ont exactement etabli la succession des Thoutmes. J'invite mes confreres ä 
consulter sur la valeur de mes assertions MM. Percy Newberry, Spiegelberg et 
F. VON Bissing avec lesquels j'ai eu le plaisir de parcourir cet hiver le temple 
de Deir el Bahari, et d'examiner ä fond la theorie de M. S. J'en appelle aussi 
ä l'autorite de M. Carter qui copie depuis cinq ans les textes du temple, et 
qui a acquis dans ce long travail une connaissance de la facture et du style 
des hieroglyphes , dans laquelle il n'a guere de rival. 

De l'examen minutieux de toutes les parties du temple il ressort que je 
n'avais pas ete assez loin en attribuant a Ramses II la majorite seulement des 
restaurations de cartouches. C'est l'unanimite que j'aurais du dire. Tous les 
cartouches refaits, sans exception, que ce soient ceux de T. II ou de T. III, ceux 
qu'on appelait »usurpes« sont l'oeuvre de Ramses IL Cette inscription du car- 
touche de T. II ou de T. III ä la place de celui de la reine n'a jamais lieu que 
lä oü le nom et la personne d'Amon ont ete retablis ou remplaces. Elle est 
du reste loin d'etre generale. Dans la plupart des cas le nom de la reine est 
efface, et rien n'a ete mis ä sa place, tandis qu'ä cote le nom d'Amon a ete 
restaure. Ailleurs on a retabli dans le second cartouche de la reine le nom 
d'Amon par lequel il commence, et rien d'autre. Lä oü l'on n'a rien fait aux 
dieux, on n'a rien fait ä la reine. Ainsi dans ce que j'ai appele la chapelle 
funeraire de T. I, parce que la reine s'y est fait representer avec son pere, il 



1899.] Ed. Naville: Un dernier mot sui" la succession des Thoutmes. .49 

n'y a aucune restauration quelconque ni dieu ni roi. Dans cette chapelle il est 
particulierement interessant de voir les deux destructions successives. Tout ce 

qui concerne la reine a ete enleve au ciseau, en particulier le \ j de l'ornement 

de la frise; quant ä la destruction des dieux dont l'auteur ne peut etre que 
Khouenaten, eile a ete faite avec un marteau en metal qui allait plus pro- 
fondement et ne laissait rien subsister du contour. On n'a epargne que les 
deux representations de T. I, la reine Aahmes, et la reine Senseneb. 

S'il y a une chambre oii le cartouche de H. devait etre usurpe c'est la 
grande salle d'offrandes qu'elle s'etait bätie (South-western hall of offerings) ä cote 

de Celle qu'elle elevait ä son pere, car il y a une l^jicj fof^Ul') contigue 

ä Celle de H. Dans celle de la reine son nom et sa personne ont ete effaces 
partout, mais comme il n'y a eu aucune restauration de dieux, le nom de la 
reine n'a ete usurpe nulle part. En revanche dans le vestibule sur lequel ouvrent 
ces chambres, et qui a ete horriblement maltraite, il y a des murs restaures 
grossierement presque en entier. Pour adopter le langage de M. S. il y a lä 
un des exemples de la persecution »phase des processions« qui se retrouve 
ailleurs. Ici c'est une procession de dieux. 

Apres avoir etudie Deir el Bahari, nous nous sommes transportes ä Medinet 
Habou, et nous avons constate qu'il en etait absolument de meme. Tous les 
changements de cartouche fönt partie des restaurations des Ramessides, 

La preuve la plus evidente de ce que toutes les restaurations sont l'ceuvre 
de Ramses II, ce sont les inscriptions du roi lui-meme. A cote de la phrase 
Cent fois repetee oü il nous parle de ce qu'il a renouvele le monument de son 
pere Amon, vous voyez son oeuvre. Ici c'est un cartouche de T, II qu'il a 
grave dans un espace vide devant la reine effacee. Lä le meme pinceau a 
inscrit le nom de T. II et le nom d'Amon, ou a trace le contour de la figure 
du dieu. Sur la porte de granit c'est le meme ciseau qui a grave le i^^^^^ du 
nom d'Amon et celui du cartouche de T. III. Lä le restaurateur a grave le 
nom de T. III parce qu'il l'avait au-dessus de sa tete. Ailleurs, dans le sanc- 
tuaire, face Sud, le sculpteur qui a refait la barque d'Amon, car eile est res- 
tauree, a grave le nom de T. III ä la place de celui de la reine, pourquoi? 
parce que de l'autre cote de la barque etait, au-dessous de T. I, la figure en 
pied de T. II mort, et qu'on ne pouvait guere supposer sur le meme mur le 
roi vivant en adoration devant lui-meme mort. 

Evidemment Ramses II ne reconnaissait pas la legitimite de la reine, comme 
du reste les propres sujets de H,, et partout oü il a change son nom il Ta 
remplace par celui de T. II qu'il considerait comme seul roi legitime, et qui 
avait regne en meme temps qu'elle, qu'il füt son epoux ou non, peu Importe. 
Dans le petit nombre de cas oü le nom de la reine a ete remplace par T. III 



^) Cette salle a ete fort maltraitee par les Coptes, mais on y voit encore la reine (effacee) 
faisant des offrandes a son pere assis sur un trone. 

Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Band. 1899. 7 



50 . Kd. Naville: Un dernier mot sur l;i siiccession des Thoutmes. [XXXVII. Band. 

cela s'explique tout simplement. Dans ses listes Ramses II a supprime la reine; 
et dans les temples oü H. se voyait associee ä T, III., Ramses en inscrivant le 
nom de T. II a la place de celui de la reine, faisait croire ä une association 
de pere et fils, 

Un des cas oü Ton voit de la maniere la plus frappante qiie toutes les 
restitutions sont dues ä Ramses II, c'est le seul exemple qu'il y ait ä Deir el 
Bahari de la soi-disant persecution »pliase des autels«. II se trouve dans une 
petite cha-mbre eclairee seulement par la porte, et qui donne sur la grande 
cour centrale. La ä droite en entrant, la figure de la reine a ete remplacee 
par un autel. Devant cet autel Amon a ete refait dans le style Ramesside; 
sur une mince couche de stuc blanc on a trace la figure du dieu par une 
ligne rouge. Le meme stuc blanc, les memes contours en rouge, se retrouvent 

sur Tautel, et non sur la personne du \ j qui est derriere, dont le nom seul 

est transforme. Amon et l'autel ont ete faits par la meme main , et il en est 
de meme dans tous les cas qu'on peut citer de la persecution »phase des autels«. 
J'ai dejä fait remarquer que cette persecution ne se trouve jamais que devant 
Amon. II saute aux yeux que lorsqu'on a refait le dieu, on ne voulait pas 
laisser devant lui un espace vide, sans pretres ni offrandes, et comme l'on ne 
voulait pas refaire la reine, on l'a remplacee par un autel. 

Singuliere chose que cette »persecution« ä laquelle M. S. tient particu- 
lierement, et sur laquelle il s'etend ä plaisir. Voici une reine qui a construit 
un grand temple destine a etre un monument ä sa memoire. Un jour il prend 
fantaisie ä son mari de la persecuter. Pour cela il se garde bien de toucher 
aux grandes scenes que cliacun peut voir. II s'en va dans une petite chambre 
ä demi obscure, oü vraisemblablement presque personne n'avait acces, la il 
choisit l'une des trois representations de la reine et la fait remplacer par un 
autel. II repete le meme jeu, au sommet d'un obelisque, c'est-ä-dire a quelques 
25 metres de hauteur oü l'oeil des passants devait difficilement distinguer quoi que 
ce soit. On conviendra que pour une »persecution« eile est bien ä l'eau de 
rose. Mais ce qui me parait encore plus etonnant que l'interpretation que 
M. S. donne ä ces scenes, et ce contre quoi je ne saurais trop m'elever, c'est 
qu'on s'appuie serieusement sur des idees de ce genre, et qu'on en tire des 
conclusions importantes a I'aide desquelles on pretend nous refaire riiistoire. 
A ce compte-lä je signalerai ä M. S. deux phases de persecution qui tiennent 
ä Deir el Bahari beaucoup plus de place que celle des autels: la »pliase des 
processions«, et la »phase des bouchers«. Cette derniere se trouve deja trois 
fois rien que dans la grande cour centrale. A la place de la reine et d'Amon 
se trouvent des hommes qui depecent un boeuf. Du moment qu'on entre dans 
la theorie des persecutions , on ne saurait negliger celle -la. 

Je ne veux point reprendre en detail le second memoire de M. S. Je 
voudrais seulement insister sur deux points qui me paraissent mettre bien en 
lumiere la methode par laquelle M. S. arrive ä ses resultats, methode dont 



1899.] Ex>. Naville: Un dernier mot sur la succession des Thoutmes. 51 

mes savants confreres apprecieront la valeur, ainsi que celle des traductions 
qui en decoulent. 

Je prends d'abord la representation du transport des obelisques que j'ai 
publice dans rArcliseological Report, annee 1895 a 1896. II y a la deux 
blocs sur lesquels le cartouche de la reine a ete remplace par T. IL Or comme 
l'inscription nous dit que ces obelisques sont eeux de Karnak, j'en ai conclu 
que de deux clioses l'une: ou le changement de cartouche n'est pas du a T. II 
lui-meme, ce qui enleve la pierre angulaire du Systeme, ou que T. II avait 
regne apres I'erection des obelisques de Karnak c'est-ä-dire apres l'an XVI, 
ce qui renverse la reconstruction chronologique de M. S. Ces conclusions sont 
» certainement fausses« (ganz gewifs falsch p. 13). Voyons donc les conclusions 
vraies, Celles de M. S. 

En premier lieu un fait qui va aussi completement ä l'encontre de la 
theorie ne doit pas etre. Je dois m'etre trompe en rapportant ces blocs ä la 
terrasse d'un bas (p. 14). IIs n'appartiennent ä cette terrasse que d'apres mon 
opinion (seiner Meinung nach), et j'aurais du les laisser ä la terrasse superieure 
oü il y a des representations de bateaux. Ce dernier point est vrai , il y a eu 
dans la cour superieure quatre representations de transports de colosses, dont 
nous avons encore des fragments. Je ne bornerai ä faire remarquer que ces 
representations sont sur des proportions differentes de Celles des obelisques, et 
que surtout elles vont en sens contraire. Je ne crois pas m'etre trompe en ne 
remettant pas ces blocs ä contresens. Sur ce point -la decidement l'erreur 
n'est pas de mon cöte. Puis il s'agit bien ici de mon opinion (seiner Meinung) ; 
il s'agit d'un fait brutal, les blocs sont a leur place ou ils ne le sont pas; 
ce qui l'indique ce sont les proportions, les mesures, les marques de magons, 
les lignes et les figures qui se continuent. Eh bien, il faut que M. S. en prenne 
son parti, le bloc du taureau, le plus important est maQonne a l'endroit pour 
lequel il a ete fait, dans la rangee superieure des bateaux qui remorquent les 
obelisques. Le taureau a devant et derriere lui un cartouche refait, de T. II; 
par consequent d'apres la theorie, T. II a usurpe lui-meme et a son profit la 
representation des obelisques. 

Mais quels sont ces obelisques? Ce qui nous l'apprendra ce n'est pas 
comme on pourrait le croire l'inscription qui accompagne la representation , ce 
sont ces premisses posees a priori: qu'il ne peut etre question que des obelisques 
de Deir el Bahari. (Endlich ist von vorn herein anzunehmen, dafs die Obe- 
lisken, deren Transport und Aufstellung im Tempel von Deir el Bahari abge- 
bildet worden ist, zu keinem anderen als zu diesem Tempel gehörten.) Au- 

dessus de la rangee inferieure de bateaux on lit ces mots : <— > v\ j ^ ^-^^^^ 

*^ ^^^ ö ^:zz7 \\ ^= ^^ Q o^T ow aborde heureusement ä TJastnekht (Thebes 

Orientale que j'appelle Karnak pour simplifier), le ciel est en fete, le pays est en 
joie, etc. Vous croyez peut- etre que cela veut dire qu'on aborde a Karnak auquel 



52 Ed. Navili.e: Un dernier mot sur la succession des Thoutmes. [XXX VII. Band. 

les obelisques etaient destines et oü ils devaient etre dresses. Detrompez-vous; 
cela veut dire qu'on n'ahorde pas ä Karnak; on se borne ä y »debarquer les 
soldats de l'escorte« (dafs die den Obeliskentransport geleitenden Truppen in 
dem östlichen Theben landeten). A en juger d'apres le tableau, ces soldats 
etaient fort peu nombreux; on n'en voit que neuf. Pour les debarquer je ne 
pense pas qu'on ait atterri avec le grand chaland des obelisques et ses trente 
remorqueurs. II aura suffi d'un canot ou meme deux pour les amener ä terre, 
et c'est de cela que le ciel est en fete, et que le pays ne se sent pas de joie. 
Les soldats sont rentres ä bon port ä Karnak; cet evenement marquera dans 
les annales de H. il faudra le consigner sur les murs de son Memnonium parmi 
les faits glorieux de son regne. 

Ainsi en depit de cette inscription d'une clarte si absolue, il est etabli 
qu'on n'aborde pas ä Karnak avec les obelisques. Je demande alors ä quoi 
servent des textes aussi simples, et comment on s'y serait pris autrement pour 
dire qu'on abordait reellement ä Karnak? M. S. n'admet pas qu'il puisse etre 
question d'autres obelisques que de ceux de Deir el Baliari dont Wilkinson a 
retrouve les bases, et que je mentionne dans mon memoire d'introduction. II 
est vrai qu'au debut de mes travaux j'ai parle d'obelisques a Deir el Bahari; 
mais je ne suis pas sans avoir appris quelque chose au cours de mes fouilles, 
et Tun des resultats les plus interessants a ete de nous prouver qu'il n'y avait 
Jamals eu d'obelisques ä Deir el Bahari. Nous avons fouille dans ce que Wil- 
kinson prenait pour les bases de ces monuments, et nous avons trouve qu'au 
contraire c'etaient des puits dans lesquels etaient plantes des arbres dont les 
troncs sont encore en place, comme sur la terrasse du jardin. J'ai envoye du 
bois de ces arbres ä un botaniste frangais M. le Dr. Beauvisage, qui en fait l'ana- 
lyse; mais de l'examen de ces troncs que M. le Prof. Schweinfurth vient de 
faire sur place, il y a peu de jours, il ressort d'une maniere ä peu pres certaine 
que ce sont des Mimusops, des perseas. II y avait donc un persea de chaque 
cote de l'entree du temple, comme dans le palais dont parle le conte des deux 
freres , ainsi que me le rappelait M. Spiegelberg. La porte du temple etait toute 
simple, ce n'etait point un pylöne, Le mur d'enceinte n'est pas plus large la 
qu'ailleurs. 

Ainsi il n'est plus question d'obelisques ä Deir el Baliari et c'est bien 
ä Karnak comme le dit l'inscription qu'on debarque ces deux monuments, les 
plus grands que nous connaissions, et dont l'erection est annoncee solennellement 
dans la proclamation de la reine (celle que M. S. considere comme un dialogue). 
J'ajoute que des documents decouverts cet hiver ä Gournah par MM. Percy 
Newberry et Spiegelberg , et d'autres trouves ä Karnak par M. Legrain montrent 
que H. n'a jamais eleve que les deux grands obelisques de Karnak. M. Legrain 
a eu l'obligeance de me communiquer toute une serie de basreliefs qui faisaient 
partie d'une chambre elevee par la reine, et transformee plus tard par Ramses III. 
La reine n'a ete effacee qu'un petit nombre de fois; dans la majorite des cas 



1899.] 



Ed. Naville: Un dernier mot sur la succession des Thoutmes. 



53 



eile est intacte, ainsi que son cartouclie, et comme Amon n'a pas ete efface, 
et n'a pas eu ä etre refait, il n'y a d'usurpations nulle part. Sur Tun de ces 
blocs la reine debout, ayant ses deux cartouches, offre deux obelisques ä Amon. 
L'inscription qui est devant la reine est ainsi congue: I J l| H W ^^' ^ 



■!\ 



^^, »Le roi lui-meme eleve deux grands obelisques ä son pere Amon Ra. « 
Je ne pense pas que dans ce cas-ci M. S. soutienne comme dans son premier 
memoire, ä propos de l'inscription Deir el Bahari III pl. LXXVII, que le groupe 
\'^^ n'appartient pas ä l'inscription, qu'il remplit le röle d'une date, et que 
le mot i^ applique ä la reine n'a pas de sens. II est difficile d'exprimer plus 
clairement, que c'est H. qui est 1 

En resume il n'y a pas eu d'obelisques ä Deir el Bahari. Sur les blocs 
oü est represente le transport de ces monuments il y a des cartouches de T. IL 
Ces obelisques sont ceux de Karnak , comme l'enseigne l'inscription qui les accom- 
pagne, et comme le confirment des textes nouvellement decouverts. Je pose 
maintenant cette question-ci: Est-ce les conclusions que j'ai tirees de ces faits 
qui sont certainement fausses, ou est-ce la theorie? 




Une representation qui est un des arguments capitaux de M. S. en faveur 
de la pretendue royaute de T. III avant T. II ä la suite de l'abdication de T. II 
en sa faveur, c'est celle que Mariette a publice d'apres Duemichen, pl. IV de 
son ouvrage et que M. S. reproduit pl. II de son memoire. La nous sommes 
censes voir T. I vivant, s'avan^ant pour rendre hommage ä un roi qui ne peut-etre 



i 



54 Ed. Naville: Un dernier mot sur la succession des Tlioutines. [XXXVIl. Band. 

que T. III. Mariette etait d'avis que T. I etait une statue. M. S. trouve cette 
opinioii absurde, et il revient la-dessus dans son second memoire oü il ne retire 
rien de la sevcrite de son jugement, puisque T. I n'a pas de base (Postament) 
comme l'ont toujours les statues. Le malheur est, ainsi qu'on peut le voir dans 
la pliotograplne ci-dessus, que cette base y est parfaitement; et meme il y a eu 
la (M. Carter en a reconnu de nombreux exemples), un faux depart du sculp- 
teur; l'artiste avait commence ä sculpter la figure marchant sur le sol, puis 11 
s'est repris et a fait la base sur laquelle le pied est eneore marque, cette base 
etait donc bien une partie essentielle de la representation. La statue de T. I 
a ete laissee intacte quand on a detruit tout ce qui l'entourait. J'avoue avoir 
commis une erreur quand j'ai parle de cette scene. Je croyais que le roi debout 
etait T. II, c'est bien T. III; nous avons retrouve son torse, mais non sa tete; 
le medaillon sur sa poitrine nous l'a nomme. II a les bras leves, et etait re- 
presente faisant une offrande derriere la reine qui le precedait. Sous le texte 
qui est devant lui et qui est Ramesside, on voit la jambe de la reine. Le 
dieu qui etait devant eile, sans doute Amon, a ete detruit; ä la place oü etaient 
le dieu et la reine on a grave le texte, et plusieurs registres de pretres. M. S. 
appellerait cela la persecution »phase des processions«. II n'y a d'ancien que 
la figure de T. III et la statue de T. I. Ainsi «l'ex-roi« n'est qu'une statue 
qui figurait dans une ceremonie celebree par H. et T. III. L'opinion »absurde« 
de Mariette n'etait donc que la stricte verite. 

Je ne veux pas allonger. Je pourrais reprendre point par point le second 
memoire de M. S.; je pourrais y relever de nombreuses erreurs de fait, dans 
sa description du panneau d' ebene, dans les soi-disant exceptions qu'il cite a 
la regle que j'ai trouvee en vigueur ä Deir el Bahari, au sujet de Temploi des 

deux cartouches de T. III fo i^^^^ ^1 et mt^^^^ul, dans ce qu'il dit des 
graffites de la chapelle de T. I et d'autres eneore. Je constate eneore une fois que 
devant le temple de Deir el Bahari, et j'ajoute devant celui de Medinet Habou 
comme devant les nouveaux textes decouverts, le Systeme ne tient par debout. 
Point de phase des autels, ä laquelle succede apres le regne de T. II la phase 
du pardon. Point de persecution de H. autre que celle qui a consiste a effacer 
son nom et sa figure, apres sa mort comme le montrent les nouveaux textes 
de Karnak. Je crois eneore que l'auteur de cette destruction est T. III, mais 
il est bien possible qu'il n'ait pas commence aussitöt apres son accession au 
trone. Plus tard Amenophis IV a detruit les noms et les figures des dieux; 
Ramses II en les retablissent a mis gä et lä le nom de T. II a la place du 
nom efface de la reine, parce qu'il ne reconnaissait pas la legitimite de celle -ci. 
II l'a remplacee par le prince qui avait regne en meme temps qu'elle, et qui 
avait precede T. III. 

En finissant, je repete que j'ai la satisfaction de constater que nos maitres 
avaient raison. C'est qu'ils interpretaient les textes simplement, et ils ne con- 



1899.] Ed. Naville: Un dernier mot sur la succession des Thoutmcs. 55 

naissaient pas le principe nouveau de M. S. qui veut que les inscriptions aient 
un sens apparent ou officiel, et un sens vrai qui est en general le contraire. J'ai 
cite l'inscription du debarquement a Karnak, et l'interpretation qu'en donne 
M. S. Un autre exemple de la methode est cette idee-ci qui est developpee 
dans le premier memoire: quand meme sans exception aueune, T. III associe a 
la reine est toujours represente dans une position subordonnee, jusqu'ä etre 
ä la suite de la reine dans les processions, tout eela n'est qn officiel. La realite 
est tout l'oppose. T. III est le mari de H., il a le pouvoir en main, et la 
preeminence (das Übergewicht). Je demande, comme precedemment, de quelle 
maniere on s'y serait pris pour exprimer que reellement T. III etait le sub- 
ordonne de H. Je fais la meme question a propos d'une assertion que par 
respect pour le Systeme M. Steindorff a imprime dans le B^deker, et qui n'a 
pas ete sans causer quelque gaite aux lecteurs de ce guide d'ailleurs si estimable; 
je demande comment il se fait qu'une femme qu'on ne voit jamais que sous l'ap- 
parence d'un homme barbu, d'un adolescent court vetu ou portant un pagne, ou 
enfin d'un petit garQon completement nu, (je pense qu'il n'est pas necessaire 
de mettre les points sur les i), n'a pas l'intention de dissimuler son sexe, (nicht 
ahsichtUch ihr Geschlecht verleugnet), 

Lä-dessus je clos pour ce qui me concerne cette discussion dans la Zeit- 
schrift, qui j'en conviens n'a que trop dure, Mes savants confreres me par- 
donneront de l'avoir provoquee, car de mon cote eile n'avait qu'un but, montrer 
ä l'aide de ce que j'ai trouve a Deir el Bahari que Lepsius et E. de Rouge etaient 
dans le vrai. 



Zur Erklärung des Veterinärpapyrus von Kahun. 

Von F. V. Oefele. 



In den Kahunpapyri ist ein Veterinärpapyrus enthalten, dem ich nicht als 
Aegyptologe, sondern als medicinischer Fachmann nähertreten will. Da ich selbst 
auch nicht Thierarzt, sondern Menschenarzt bin, habe ich meine Deutung des 
Veterinärpapyrus einer combinirten Section der Medicohistoriker und Veterinär- 
ärzte gegenüber auf der Düsseldorfer Naturforscherversammlung 1898 analysirt und 
eine eingehende Debatte über die einzelnen Punkte angeregt. Nach nochmaliger 
Überarbeitung will ich jetzt mit Zeilencitat nach der Transscription Griffith' den 
Inhalt besprechen. 



56 F. V. Oefele: Zur Erklärung des Veterinärpapyrus von Kahun. [XXXVII. Band. 

Der Verschlufs des Vogels kann nur Legenotli beim Legen des ersten Eies 
des Vogels sein. Die heutige Behandlung besteht in einer operativen Erweite- 
rung der Afteröffnung. 

Die Fiseherkrankung ist ohne Text undeutbar. 

Von Zeile 5 ab beschäftigt sich ein verstümmelter Abschnitt mit der sehr 
praegnant beschriebenen Kolik. Eine Reihe von Symptomen könnte ebenso gut 
auf die Kolik des Pferdes wie des Rindes bezogen werden; die Beschreibung 
der Excremente läfst aber nur die Deutung der Kolik des Rindes zu. Da überall 
im übrigen Papyrus die Augensymptome den Vorrang haben, dürfte Zeile 5 die 
2. Zeile dieses Abschnittes von der Kolik sein. Als Parallele für die antike 
Veterinärmedicin will ich das entsprechende Capitel der Geoponika des Scho- 
lastikers Cassianus Bassus, Buch 17, Capitel 19, in Übersetzung voraussenden: 
Die Kolik. (1) Das Rind mit Kolik bleibt nicht auf einem Platze stehen; auch wendet 
es sich nicht zum Futter^, sondern stöfst Klagelaute aus. (2) Man darf ihm nur wenig 
Futter vorwerfen und mufs die Weichtheile am Hufrande scarificiren, bis es blutet. 
(3) Auch umstichelt man den Schwanz rings und umbindet ihn (an seiner Wurzel) 
mit Lappen j damit das Blut ausfliefst. (4) Andere formen aus einer Mischung von 
Zwieheln und Salz Stuhlzäpfchenj, drücken sie in den Mastdarm und zwingen das 
Thier darnach zum Laufen. Andere contundiren Nitron und giefsen es durch das 
Maul ein. 

Mit dieser Parallele und den wirklichen Beobachtungen kolikkranker Rinder 
möchte ich den Sinn der Fragmente Zeile 5 — 16 folgendermafsen herstellen. 
Wenn ich ein Rind mit Kolik sehe, so treten die Augen glotzend aus ihren 
Höhlen (Zeile 5). Der Fufs scharrt fortwährend und steht keine Secunde ruhig 
(Zeile 6 und 7). Der Geruch der Excremente gleicht dem von Mäuse- oder 
Rattenkoth und das Aussehen dem von Hundekoth (Zeile 8, 9 und 10). Be- 
handlung: (Zeile 10) Scarification mit der Skorpionpeitsche Dips? (Beleg: Prosper 
Alpinus) am Hufrande (Zeile 12, 11 und 16) oder am Schwänze. Umschnürung 
der Schwanzwurzel oder des Schienbeines (Zeile 13) zur Steigerung des Blut- 
abflusses. Zeichen der Wirkung wäre der Stillstand des Fufses. Wenn der Fufs 
noch nicht ruht (Zeile 14), wird das Stuhlzäpfchen verwendet und das Herum- 
jagen durch einen Hund (Zeile 15). 

Zeile 17^ — ^33 bespricht die Dasselbeule des Rindes. Wie gefürchtet die 
Dasselfliege im Alterthume war, ersehen wir auch aus der Verfolgung der lo 
als Kuh durch den Oestrus. Auch in Virgil's ländwirthschaftlichen Gedichten 
wird die Dasselfliege besprochen, trotz der Oberflächlichkeit, mit welcher er 
sonst die Veterinärkunde abthut. Die Geoponika trennen die beiden Oestrus- 
arten, deren einer Larven in den Nasenhöhlen schmarotzen als Buprestis und 
deren anderer Larven sich in die Haut einnisten als Oistros oder Myops. Im 
Kahunpapyrus handelt es sich um die Dasselfliege der Haut. Für diese bietet 
Cassianus ein Excerpt, dem er beifügt, dafs es dem häufig excerpirten 2wr/wi/ 
•entnommen ist, im 17. Buche Capitel 7: Ol(TTpog auch Muw^/ genannt nach Sotion. 



1899.] F. V. Oefele: Zur Erklärung des Veterinärpapyrus von Kahun. 57 

(1) Bekanntlich rnachen die Dasselßiegen durch ihren Stich das Rind verrückt. Ihre 
Annäherung wird verhinderet^ wenn man Lorheerzweige contundirtj in Wasser siedet 
und mit dem Absud den Weideplatz besprengt. Dann bleibt die Dassel/liege aus Anti- 
pathie fern. (2) Wenn sie aber schon gestochen haben, mufs man die Rinder mit 
einer Verreibung aus Bleiweif s und Wasser salben. 

In dieser Darstellung aus griechischer Zeit findet sich eine Umkehrung von 
Vorhergehendem und Späterem. Das Rind wird nicht wüthend, weil es schon 
gestochen ist, sondern es wird vom Summen der Fliege wüthend, um dem Stiche 
zu entgehen. Eine gleiche Umkehrung findet sich wohl in Zeile 18 — 20 des 
Kahunpapyrus. Die Überschrift spricht vom Rind mit einer Dasselbeule als 
von dem Rind mit dem Nest eines Wurmes in sehr bezeichnender Weise, indem 
in jeder Beule, d.h. jedem Neste, eine Larve sitzt. 

Die Operation der Dasselbeule findet sich in den Geoponika 17, 27 unter 
<rxcüA>)^: Während man die Maden {svXy\) herausnimmt j mufs man die Wunden mit 
kaltem Wasser abspülen. 

Den Sinn von Zeile 18 — 33 möchte ich danach folgendermafsen geben. 
Das Rind, das von der Dasselfliege nach ägyptischer Ansicht schon gestochen 
ist, läuft, ohne Ruhe zu finden (Zeile 18 und 19). Seine Seele ist von Wuth 
befangen (Zeile 20). Während es so wüthend herumläuft, hält es die Nase zu 
Boden und den Schwanz hoch (müssen wir ergänzen) (Zeile 21). Man soll es 
niederwerfen und jedenfalls fesseln, damit es in seiner Wuth keinen Schaden 
anrichten kann (Zeile 21 und 22). Dazu sollst du die Diagnose stellen, dafs 
es verborgene Körner unter der Haut hat, welche der Anfang zur Entwicke- 
lung der Dasselbeulen sind (Zeile 22 und 23). In kühnem Sprunge setzt sich 
nun der Ägypter über eine Reihe von Monaten hinweg bis zur Entwickelung 
der Dasselbeulen und überschreibt dies mit: Operation für das Rind, wobei er 
dem Worte für Operiren , wie auch später, statt des Messers den Mann mit dem 
Finger am Munde') beigiebt, ebenso wie dem Zeitwort für die Castration des 
Typhon in der Einleitung des Papyrus Ebers. Die Hand des Operateurs sticht 
die Dasselbeule an, welche hier als die Gebärmutter des Dasselwurmes be- 
zeichnet wird (Zeile 23 und 24). Die folgende Operation durch Ausdrücken 
ist die gleiche Behandlung, wie sie heute der wissenschaftlich gebildete Thier- 
arzt vornimmt. Die Dassellarve ist in ihrer Höhle wie der Embryo im Mutter- 
leibe vom Fruchtwasser so von serumartiger Flüssigkeit, Schleim und Blut- 
gerinnsel umgeben. Die Hand des Operateurs wird dadurch so schlüpferig, dafs 
sehr bald wegen Ausgleitens der schleimbenetzten Hand der Druck mit der 
Hand nicht mehr auf bestimmte Stellen localisirt werden kann. Die Noth- 
wendigkeit der stets erneuten Reinigung der Hand kennt auch schon der Kahun- 
papyrus. Ein Topf mit Wasser zur Seite des Operateurs zum Händewaschen 
wird aufgestellt (Zeile 24, 25 und 26). In der wechselnden aber sehr bezeich- 



^) Vielleicht der Mann der ersten Person und zu lesen: »ich operire«. 

Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Band. 1899. 



58 F. V. Oefele: Zur Erklärung des Veterinärpapyrus von Kahun. [XXXVII. Band. 

nenden Nomenclatur wird jetzt die Dasselbeule als Pustel (?) auf dem Rücken des 
Rindes bezeichnet. Diese Rückenpusteln und die Hand des Operateurs werden 
bei Bedarf in dem Wasserkruge gereinigt (Zeile 26, 27 und 28) und zwar so 
oft als Schleim an der Hand sitzt (Zeile 28 und 29), bis beim Ausdrücken der 
Dasselbeule Blutgerinnsel (Zeile 29) mit der Larve (hier Sache, Zeile 29) oder 
mit Käsemolke erscheint (Zeile 30). Man erkennt die Beendigung der Operation 
an dem Erscheinen von Flüssigkeit vom Aussehen saurer Milch unter dem Drucke 
der Finger (Zeile 31 und 32). Es scheint, dafs der ägyptische Operateur sofort 
beim Ausdrücken die Dassellarve zerdrückte. Auch heute noch wird diese Larve 
sorgfaltig vernichtet, um ihre Entwickelung zu einer neuen Generation zu ver- 
hindern. Ob in dem kurzen Schlüsse darauf hingewiesen wurde, diese Larven 
bestimmt zu vernichten, oder einen Verband anzulegen, oder die leere Höhle 
mit dem Glüheisen auszubrennen, läfst sich nicht entscheiden, da gerade hier 
Sotion und der Veterinärpapyrus zwei ganz verschiedene Theile der Behandlung 
der Dasselbeule erhalten haben. 

Der nächste Abschnitt des Veterinärpapyrus behandelt den Meteorismus des 
Rindes. Diese Krankheit wird vom deutschen Volke als Windsucht, Trommel- 
sucht, Auflaufen u. s.w. bezeichnet. Beschuldigt wird als Ursache grünes nasses 
Futter, besonders junger frischer Klee, wodurch der Pansen bis zum Platzen 
gespannt mit Gasen angefüllt wird. Die moderne Behandlung besteht als 
Schlufsmittel in dem Anstechen des Pansen mit dem Troicart, um die Luft ent- 
weichen zu lassen. Vor diesem heroischen Mittel wird durch Zurückbinden des 
Kopfes, Zerren und Rütteln an der Zunge, Begiefsen, Drücken und Massiren 
in der Magengegend der Versuch gemacht , die Entfernung der Gase auf natür- 
licherem Wege als Ructus und Flatus zu beseitigen. Merkwürdigerweise über- 
gehen die Geoponika beim Rinde und seinen Erkrankungen den Meteorismus 
völlig. Die Krankheiten der Schafe werden nur ganz kurz besprochen; aber 
gerade hier findet sich die Windsucht. Buch 18, Capitel 17, im vierten Absatz 
steht: -i^Wenn der Unterleib in Folge unzuträglichen Futters anschwillt j so ?nufst 'du 
die Schafe mit Blutentziehung behandelnj indem du an den Venen über der Ober- 
lippe und an denen unter dein Schwänze zur Seite des Afters zur Ader läfst. Aufser- 
dem macht man einen Eingufs (durch das Maul) von anderthalb Kotylen Menschen- 
urin<-'^. Diese Parallele des Schafes habe ich deswegen hierher gesetzt, da ich 
darin die Übersetzung von Zeile 49 und 50 sehe. In der Eifel wird am Rind 
der Doppeladerlafs heute noch vorgenommen, aber am Gaumen statt Nase und 
an der Schwanzwurzel. Die Symptome des Kahunpapyrus bei Meteorismus 
kommen auch bei anderen Krankheiten vor und erscheinen griechisch als: /Bot}? 
y^ATit) vef£t, ^oocpvei, XYHJLUg 'i%ei, Trepl rovg ocp'^oiX^j.ovg ycciXctivtroLi u. s. w. 

Darnach ergäbe sich für mich der Sinn von Zeile 35 — 56 ungefähr folgen- 
der Weise. Die Augen des Rindes mit Trommelsucht thränen (Zeile 35 und 36). 
Die Wangen sind eingefallen (Zeile 37), das Zahnfleisch (als Vertreter der 
sichtbaren Schleimhäute) ist stark injicirt, d. h. geröthet (Zeile 37 und 38). Aus 



1899.] F. V. Oefele: Zur Erklärung des Veterinärpapyrus von Kahun. 59 

Luftliunger für die erschwerte Atlimung wird der Nacken steif erhoben (Zeile 38 
und 39). Die Behandhing ist wieder chirurgisch (Zeile H9), Zuerst wird das 
Thier ganz zweckmäfsig , um ungehindert zu den Bauchdecken zuzukönnen, auf 
seine eine Seite geworfen (Zeile 39 und 40). Zur näheren Illustration wird 
diese Procedur mit den bekannten Abbildungen bei der Zeichnung der Herde 
(kopt. e^iK.ig) verglichen (Zeile 40). Der Bauch wird mit Wasser begossen, wie 
es auch heute noch geschieht, oder das ganze Rind erhält ein Sturzbad (Zeile 40 
und 41). Augen, Schienbeine und alle Glieder werden mit Cucurbitaceen be- 
pflastert (Zeile 41 — 43). Vielleicht rüttelt der Hirte die Zunge (Zeile 45) und 
folgt jetzt erst das Begiefsen der Bauchdecken mit Wasser (Zeile 46). In der 
befeuchteten Pansengegend werden mit der Faust abwechselnd die gespannten 
Bauchdecken in die Tiefe gedrückt (Zeile 47), so dafs eine vorübergehende Delle 
entsteht und reflectorisch die beabsichtigten Ructus hervorgerufen werden. Wenn 
der Urineingufs (?) gemacht ist (Zeile 48) und die Bepflasterung mit Cucurbitaceen 
vorgenommen ist (Zeile 48 und 49), folgt als weiterer Versuch der Aderlafs an 
Nase und Schwanz (Zeile 49 und 50). Während des Aderlasses sagt der Ope- 
rateur, wahrscheinlich als gutes Omen: Für gewöhnlich tödtet man ein Thier 
mit einem Schnitte. Ich mache es aber in diesem Falle wieder lebendig, auch 
mit einem Schnitte (Zeile 50 — 53). Wenn dies nicht hilft, indem die Schwellung 
des Leibes unter der Hand des Operateurs einsinkt (Zeile 53 und 54), d. h. 
wenn also der Leib wie eine Trommel auch nach dem Aderlasse gespannt bleibt, 
und wenn es weiter seine herausgetriebenen Augen nicht schliefst (Zeile 54), 
so mufs man die Augen mit einem Lappen verbinden (Zeile 54 und 55) und 
die Operation mit dem Glüheisen (Zeile 55 und 50), dem gebräuchlichsten Ope- 
rationsinstrumente des ganzen Alterthumes auch beim Menschen, vornehmen, 
um die fauligen Gase entweichen zu lassen (Zeile 56). Das wäre nach meiner 
Auffassung der moderne Pansenstich, mit dem antiken Glüheisen ausgeführt. 

Den letzten Abschnitt bezog ich zögernd auf das perniciöse Katarrhfieber 
des Rindes, das im Volke auch Kopfkrankheit lieifst. Die anwesenden Thier- 
ärzte in Düsseldorf erklärten , dafs gar keine andere Diagnose in Frage kommen 
könne, schon wegen des Auftretens nach Jahreszeiten. Die Erkrankung entspricht 
den Pubertätserkrankungen bei Mensch und Säugethier. Die parallele Erkran- 
kung bei Hunden ist im Publicum allgemeiner bekannt. Cassiarius Bassus bringt 
dafür ein Excerpt aus Didymos, welcher die Krankheit als Brennfieber bezeichnet: 
•'^Ein Rind mit Brennfieher geht nicht zum Futter ^ löfst den Kopf sinken ^ thröntj, 
hat Augenbutter j und um die Äugen wird es hohl<i. In der Behandlung werden 
Vorschriften für Futter und Trank, für die mechanische Reinigung von Ohr 
und Nase, für Cauterisation des Gesichtes, für Schröpfen der Ohrgegend und 
für innere Arzneimittel gegeben. 

Der Inhalt von Zeile 58 — 69 würde sich also ungefähr so gestalten. Das 
Rind mit Kopf krankheit , vielleicht wörtlich »Dentitionskrankheit« als ägyptische 
Bezeichnung für die Kopf krankheit, im Winter leidet an Bindehautentzündung 



GO F. V. Oefele: Zur Erklärung des Veterinärpapyrus von Kahun. [XXXVII. Band. 

(Zeile 59), und seine Augen buttern (Zeile ßO). Hier wird der gleiche Aderlafs 
wie bei dem Vorhergehenden vorgenommen (Zeile 60 und 61). Schlimmer steht 
es, nach der längeren Besprechung zu schliefsen (und so ist es auch thatsächlich), 
mit der Kopfkrankheit in der Übergangsjahreszeit zum Sommer (Zeile 61 — 63). 
Die Wangen sind eingesunken (Zeile 63 und 64). Die Augen thränen (Zeile 64) 

und der Appetit ist schlecht ((JnHO^^^) (Zeile 64). Die Bewegungen sind 
träge (Zeile 65). Irgend welche Schleimhäute oder vielleicht Gelenke sind ge- 
schwollen (Zeile 65). Vom Schlüsse ist wenig zu lesen, so dafs ich nach den 
empfohlenen Bähungen des Didymos nur vielleicht Zeile 67 und 68 auf feucht- 
warme Umschläge für alle Glieder beziehen möchte. 

Dafs der späte Grieche der Geoponika auch schon äufserlich das Recht 
giebt, ihn zu Vergleichen mit ägyptischen Texten heranzuziehen, ergiebt sich 
aus seiner Einleitung des dritten Buches, wo er den lateinischen Monatsnamen 
die koptischen Bezeichnungen: Tvßi, M6%/p, ^oijuevwS-, ^otpfxov^ty Uot%u)v, Uavvi und 
nach einer merkwürdigen Einschiebung von drei Capiteln: 'E7n^/, Medwp/, 0wS-, 
^uocpi, 'aS-u'p und Xvocx, beifügt. Deutlicher hätte er seine Beeinflussung aus 
Ägypten nicht documentiren können. Die Deutung des Textes in dieser Weise 
mit Zuhülfenahme der Geoponika giebt aber auch erst einen Sinn, welcher den 
Kenner der Geschichte der Medicin befriedigt. 

Nachtrag. 
Nach weiteren Correspondenzen mit Thierärzten , besonders Bezirksthierarzt 
ZippELius, mufs ich meine Deutung des letzten Capitels des Veterinärpapyrus 
widerrufen. »Ein Rind, das leidet an Bissen im Winter« mufs es heifsen und 
bezieht sich auf die Tsetsefliege (Glossina morsitans). Die beschriebenen Er- 
scheinungen stimmen auch darauf, da die Symptome bei Tsetsestich und per- 
niciösem Katarrhfieber sehr ähnlich sind. In den Geoponika ist das Capitel ge- 
kürzt: Boot? vTTo fxviüüv iJLYj ti^txsig^M 'AippiKdvov. Für den Südeuropäer ist diese 
Plage nicht recht verständlich mehr gewesen. Ich erinnere mich, dafs eine ganz 
vereinzelte Tsetsefliege nach Föhnwind als Naturseltenheit einmal in der Schweiz 
gefunden wurde, welche ich in meiner Knabenzeit zu sehen bekam. Die Krank- 
heit nach Tsetsestich heifst Nagana. 



1899.] G. Reisner: The Bated Canopic Jars of the Gizeh Museum. 61 



The Dated Canopic Jars of the Gizeh Museum. 
By George Reisner. 



i he Gizeh Museum possesses 7B2 canopic jars and parts of jars. This number 
includes dated jars of the 6^\ 12'^ 18'\ 19"', 21^', 26"' and W" dynasties. 
In spite of the gaps in the list, the material gives a tolerably clear picture of 
tJie development of the forms of canopic jars, — a picture which may be 
completed by dated jars in other museums. 

Sixth Dynasty. 
The earliest indication of the use of jars for preserving the entrails of the 
mummy, is the ehest for canopic jars found by Maspero in the pyramid of 
Mr-n-r'^-Pepy at Saqqarah in 1881^) and still in the pyramid. Parts of three 
alabaster vases were also found, partly by Maspero in 1881 and partly by 
others this spring. Owing to the character of the dark stains inside these 
vases and to the presence of the ehest, it is likely that at least one of the 
vases is a canopic jar. The jar in question [Cat. 1895, no. 58 and Inv. 5020^)] 
is tall and piain, w^ith broad mouth and base, straight sides, rounded Shoulder, 
short neck and hroad ßat lip. An inscription consisting of one horizontal line 
runs around the Shoulder, as foUows: 

Eleüenth and Twelfth Dynasties. 
The dated jars of this period come from Meir, Lisht, Dahshur and Bersheh: 

1. Series of four jars v^^ithout Covers, wood (H. ca. 0,40). Meir, 1892/93. 
Inv. 4253— 4256. Fig. 1,6. 

2. Series of four Covers, wood (H. ca. 0,12). Meir, 1892/93. Inv. 4260 
—4263. Fig. 1,6. 

3. Single jar, without cover, wood (H. 0,30). Meir, 1892/93. Inv. 4307. 

4. Single jar, without cover, wood and six heads, wood. Meir, 1892/93. 
Inv. 4194 (fig.l, c), 4195, 4245, 4257—4259, 4264. 

5. Series of four Covers with fragments of jars, alabaster. Lisht, 1883. 
Inv. 4001—4004, 5006 — 5018. Fig. 1, a. 



*) Maspero, Rec. Trav. V p. 158. 

^) Numbers of the new inventory will be cited thus. 



62 G. Reisneu: The Dated Canopic Jars of the Gizeh Museum. [XXXVII. Band. 



G. Series of four jars, vvith Covers, red baked clay (H. ca. 0,37). Lisht, 
1895. Inv. 4077—4080. Fig. 2, h. 

7. Series of four jars'), vvitli Covers, yellow limestone (H. ca. 0,33). Lislit, 
1895. Inv. 4081— 4084-). Fig. 2, a and c. 

8. Two jars, without Covers, alabaster (fragmentary) , inscribed with tlie 
name of tlie 1 ^^"^oT/j ^. Dahsliur, gallery of princesses, 1894. 
Inv. 4005/6=^). 

9. Series consisting of two jars and two oblong boxes, all with Covers, ala- 
baster (H. ca. 0,36). Dahshur, gallery of princesses, 1894. Inv. 4023—4026*). 

10. Two series of four jars each, with Covers, alabaster. Dahshur, 1894. 
Inv. 4015—4018 (H. ca. 0,40), 4030 — 4033 (H. ca. 34). 

11. Six series of four jars each, almost all with Covers, alabaster (H. from 
ca. 0,34— 0,46). Dahshur, 1894. Inv. 4011— 4014, 4051—4070. Fig. 3, «. 

12. Two series of four jars each, with Covers, alabaster. Dahshur, Tomb 
of the king ( .^^^^^^ 1 , also named ( O ^ "C 1 , and tomb of the princess f^SiS^ 

4007—4010 (H.ca. 38) and 
Inv. 4019— 4022 (H. ca. 38). 
Fig. 3, b and c. 

13. Four jars and four 
Covers, not of same series, 
alabaster. Bersheh, 1898. 
Inv. 4994—5001. 

The Covers, except those 
under 13, have uniformly 
human heads. The faces are 
proportionally large with 
short throat, and the wigs 
usually have either painted 
stripes or fine incised lines. 
The features are beautifully 
cut and painted in detail, — white of eye, white; corners of eye, red; iris, 
red, brown or black; hair parts, including edge of natural hair on forehead and 
corners of natural hair on temples, blue or black. The series from Lisht (no. 5) 
has four heads, all with long divine chin beards. Usually, each series has three 
bearded heads and one beardless one, — the bearded heads, wlien painted, having 




Fig. 1. 



') Three of the heads have on underside of chin a hole for fastening on a beard probably 
of wood. 

^) Two of the Covers of these jars have hieratic inscriptions in red ink on the wig, under 
the coloring, apparently directions for painting the wig. 

^) DE Morgan, Fouilles ä Dahchour, p. 56/57 and fig. 126. 

*) DE Morgan, Fouilles ä Dahchour, p. 73, fig.«. 



1899.] 



G. Reisner: The Dated Canopic Jars of the Gizeh Museum. 



6B 




Fig. 2. 



red or black skin, tlie beardless oiie (Amset), yellow skin (nos. 2, 6, 7, 11), see 

flg. 2, a and c. The beards are sometimes long divine cliin beards (no. 2), but 

more often short chin beards (nos. 6, 7, 11). The series of four beardless heads 

with covered throats are pos- 

sibly somewhat later (no. 12 

and cf. no. 14, below). The 

Bersheh jars have simple al- 

most hemispherieal Covers, 

without heads, — a form 

which üceurs also in the 

New Empire and later. 

The forms of the jars 
may be seen from figures 1 
— 3. Perhaps, the most cha- 
racteristic point in the form 
is the squareness of the 
Shoulder on the alabaster 
jars, — a form which does 

not seem to occur after the XVIII* dynasty. The alabaster jars are distinguished 
technically from the later jars by the prominent boringmarks inside and by 
the exquisite polish outside. The wooden jars are, as later made of two halves 
divided vertically and pegged together. The jars, nos. 1 and 3, are remarkable 
for having a distinctly per- 
ceptible mummy form') ; and 
the jars of no. 5, for having 
human arms hanging down 
the sides, two on each jar 
opposite each other, hands 
open, palms against side of 
jar. The jars of no. 5 also 
have short neck and lip, 
like the Pepy jars. 

The Contents of these 
jars are packages of en- 
trails neatly wrapped in 
linen. 

Most of the canopic jars of this period have no inscriptions. In nos. 1 
and 4, each jar has the name of one of the four genii, Amset, Hapi, Duametef 
or Kebehsenuf. Nos. 8 and 12 short formulas as follows: 




Fig. 3. 



^) The sinall cases in mummy foi-m, of a later date, from the tomb of Sen-nedem (Inv. 4249 
— 4252), and the case with the name of Amen-ps§ (Inv. 4248) are not real vases. 



64 



G. Reisner: Tlie Dated Canopic Jars of the Gizeli Museum. [XXXVll. Band. 



IL 



a. jj^p ^ ^^^^pjq^ J^^lj^^q^PjpN. Secondjar, 
with names of Nephthys and Hapi. No. 8, Inv. 4005/6. 

b. Like la: with s=> instead of (1 ^. ^='- With names of Isis and 
Amset, Nephthys and Hapi, Net and Duametef, Serket and Kebehsenuf. 
No. 12, Inv. 4019 — 4022. _ 



i 



in IL 



No. 12, Inv. 4007—4010. 



n NN. Names paired as 



The museum eontains the following undated jars and Covers bearing the 
above characteristics: Inv. 4094 — 4097. Series of four heads (since 1878 (?) 
on the jars of Nai) like no. 5, but with short chin beards, alabaster. Bab el- 
Muluk(?), January 1859(?). 

Inv. 4197 — 4200. Series of four jars with Covers [beardless one, Amset^)] 
similar to 6, 7 and 11, yellow limestone. Saqqarah, January 1859. 

Period hetween the Twelfth and the Eighteenth Dynasty. 
Although tliere are no dated jars of this period, there are five jars which 
probably belong here. 

14. Single jar, with cover, baked clay. With the name of the ^^^ f-^ 

^](]^(?). Thebes, 1884. Inv. 4196-'). 

15. Series of four jars, 
with Covers, in a ehest, wood . 
With name of the ^^^[zl 

Purchase. 




Fig. 4. 



. A^^AA^ C^ LI 

Inv. 4727—4731*). Fig. 4. 
The ehest of no. 15 pre- 
sents the characteristic form 
and technique of sarcophagi 
and canopic chests of the 
Middle Empire. It is like 
the ehest of SbJc-m-s^-f, 
described by Borchardt, in 



1) In this series, as well as in hiv. 4194, 4195, 4220 — 4224, 4258/59, the cover and the 
vase of each jar is furnished with the same mark for the purpose of Identification (|, ||, ||| 5' 

III). Inv. 4059 — 4062 have the signs T, .<2>-^ ^ and <=>. 

^) Berlin, no. 9498, according to a description kindly sent me by Schäfer and Möller, 
is exactly like no. 15. Unfortunately the name is rubbed off. All my notes on the canopic jars 
in Berlin are due to the kindness of the same gentlemen. 

^) For this title, see Griffith, in this Journal 1891 p. 107, and Mariette, Cat. d'Abydos 
p. 364, no. 1018. 

*) A series of four Covers, wood, received by Farag, the Arab dealer in antiquities in Gizeh 
as part of his share of the objects excavated by hini in Bersheh in 1897/98, present the same cha- 
racteristics as no. 15. 



1899.] G. Reisner: The Dated Canopic Jars of the Gizeh Museum. 65 

this Journal, 1894, p. 23ff., except tliat the ground color is black instead of 
white and that the inside lid is wanting. Thus it is quite probable that these 
jars are between the 12'*' and the IS**" dynasties. The form of the wooden jar 
is given in figure 4, a; the clay jar has a small base and mouth and a very 
bulging Shoulder. The Covers all bear beardless human heads (cf. heads painted 
on Cover of ehest of Sbk-m-sf-f, this Journal, 1894 p. 25) with small faces 
and comparatively long necks (fig. 4), The features are painted on in detail; 
but the blue color is a dull greenish blue. Technically, the jars are similar to 
those mentioned above except that the clay head was covered with a thin coat 
of plaster before painting. 

Contents are not preserved; but the condition of the jars indicates that 
the entrails were wrapped in linen. 

The inscriptions present formula II (above). 

Eighteenth Dynasty. 

The museum contains: 

16. Series of four jars with Covers, alabaster. With the name of the 
queen Ahmes-nefert-iri. Der-el-Bahri, 1881. Fig. 4, h. 

17. Two jars and three Covers, baked clay (H. ca. 0,295). Name of Min- 
hotep (dated according to statue of same man, no. 953). Provenance unknown. 
Inv. 4518 — 4520. Fig. 4, e. 

18. Four Covers, white limestone (H. ca. 0,12). Tomb of Amenophis II, 
Thebes 1898. Inv. 5030 — 5033*). 

19. One jar, cover missing^), alabaster (H. 0,31). Name oi Mery-mes (Ame- 
nophis III). Der-el-Bahri, 1881. Inv. 4086. 

The Covers still bear human heads, either all with beards or all without 
beards^); the faces are small, the necks long with throat exposed, similar in 
part to 14 — 15. The jars still resemble those of the 12'^ dynasty (cf. fig. 4 
with figs. 2 and 3). The workmanship is not quite so good; the polish on the 
alabaster jars, not so high. 

The Contents are wrapped in linen. 

The inscriptions show the foUowing formula: 



*) In Order not to anticipate the publication of the Contents of this tomb as a whole, it is 
impossible to give a reproduction of these heads. Since this article was written, M. Loret, Di- 
recteur general du service des antiquites , has found at Thebes in the tomb of a favorite of Thoth- 
mes III (Miw - hr - pri) a set four canopic jars. Two of the jars are like the fine Square shoulderd 
jars of Dahshur and two are more roughly made. The heads are all four human, without beards — 
resembling the rougher Dahshur covers. The inscriptions show formula 111. 

^) Found with a cover (human head?) painted blue and red , according to Maspero , Momies 
royales de Der-el-Bahri, p. 583. 

^) There are in the museum a number of undated series of clay heads, similar to nos. 4518 
— 4520 and undoubtedly of this and the following dynasty: they all have the four heads alike. 

Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Band. 1899. 9 



ßC) 



G. Reisner: The Dated Canopic Jars of the Gizeli Museum. [XXXVIl. Band. 









I . 



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^^^ "I i\ NN. No. 1 6, imnumbered 



(two jars omit the phrase stp s^-t hr); no. 17, Inv. no. 4518 — 4519 (botli 
omit stp s^-t hr). 

^ ^ D A . I I ^ I ^ ^.=_ o W 



AA^A^^ " j t ^ 



J] I o w 



^ 



NN. No. 19, Inv. no. 4086. 

The museum contains, in addition to a large number of clay heads of 
this dynasty, the foUowing undated jars: 4523, 4525, 4531, 4545 — 4548, 
all of clay. 

Nineteenth Dynasty. 

The museum contains the following dated jars: 

20. Two jars, without cover, white limestone. Name of H'^-m-ws. Bab- 
el -Muluk, 1859 (purchase?). Inv. 4085. 

21. Two jars, without covers, alabaster. Name oiP^-sr (dated according 
to statues of same man, Inv. 561 and 630). Saqqarah, 1861. Inv. 4325 — 4326. 
Fig. 5, h. 

Unfortunately the museum offers no material for determining the forms 
of the Covers; but the use of the four human heads certainly continued. The 
jars^) dedicated by H'^-m-w>s to the use of ^4^/ have human heads. It is how- 

ever possible tliat the use 
of animal heads for three 
of the genii on the covers 
was introduced in the latter 
part of this dynasty although 
the earliest indication I have 
noticed is the representation 
of the four jars with one 
human and three animal 
heads in the tomb of Ram- 
ses IV. 

The jar of Q'^-m-w^s is 
about like that of Ahmes- 
nefert-irl in form, while 
the jars of P?-sr show a 



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Fig. 5. 



distinct change (fig. 5). The Shoulder is rounded and less prominent; the ala- 
baster is whitish and opaque instead of translucent; the outside bears horizontal 
smoothing Scratches above, vertical below and is not polished. 



') Now in the Louvre, Cat. Salle Historique (Pierret), 1889, p. 90, nos. 370 — 372. There 
also seem to be canopic jars with human heads in the Louvre, froin the Serapeum; but Mariette, 
Serapeum, is not accessible to me. 



1899.] 



G. Reisner: The Dated Canopic Jars of the Gizeh Museum. 



67 



The Contents of no. 20 is not iiitact, of no. 21 not preserved. 
The inscriptions present a slight moclification of formula III: (1 

&c., and o^ at times instead of s=3 . 



Jars iu the museum appearing to belong to this group are: 4208, 4328, 4506. 
There are in addition a number of jars wliieh seem to belong between 
the 19"^ and 21'* dynasties or in the latter part of the 19'\ 

22. One jar and three Covers, alabaster. Provenance not recorded. Inv. 
4201—4203. 

23. One jar, greenish blue fayence. Gadra. Inv. 4225. 

24. Serles of four jars, with Covers, alabaster. Saqqarah, 1859. Inv. 4161 
— 4164. Fig. 5 all except jar in the middle. 

To these must be grouped Berlin 11638, without cover, of alabaster. All 
these jars have the same general form. The Shoulder is rounded, not pro- 
minent, and the side, l)etween Shoulder and base, is perceptibly concave. The 
jar of no. 22 bears a necklace on the front like that on the alabaster offering 
jar of Har-m-heb. — Nos. 23 — 24 have in addition to the inscriptions, of- 
fering scenes representing 
genius, offering table and 
Standing figure, in style 
of New Empire. The in- 
scription on Berlin 11638 
shows the formula III 
(Nephthys and Duametef); 
that on no. 23 contains 
simply the name of Kebeh- 
senuef ; the inscriptions on 
no. 24 are not according to 
any of the formulas and 
show considerable irregu- 
larity (two Amset inscrip- 
tions and none with the ^%'- ^• 
name of Duametef). The 

Covers of no. 22 have all human heads without beards; those of 23 and 24 
have large animal lieads elaborately ornamented — resembling those of the 21'* 
dynasty except that they are of same material as the jars. On account of 
the human heads on the Covers of no. 22 and the use of formula III on Berlin 
11638, on the one band and on account of the use of highly ornamental ani- 
mal heads on the other, it seems probable that this group belongs between 
the middle of the 19*^* and beginning of the 21'* dynasty. In confirmation of 
this, the technique of the fayence jar no. 23 is like that of jars of the latter 
part of the New Empire (according to v. Bissing). 

9* 




G8 



G. Reisner: The Dated Canopic Jars of tlie Gizeh Museum. [XXXVII. Band. 



Twenty-first Dynasty. 

25. Series of four jars, alabaster with wooden Covers. Name of Nes-ta-nebi- 
Asru. Der-el-Bahri, 1881. Fig. 6, a. 

26. Series of four jars, alabaster with wooden covers. Name oi Eset-m-Jieh. 
Der-el-Bahri , 1881. Fig. 6 all except jar on left. 

The jars of Pinotem and Nest- Honsu may be considered also with these^). 
The jars themselves are of opaque alabaster unpolished , with smoothing marks 
like the later jars of the 19'^' dynasty. The cavity is not bulging but bored 
straight down. The outward form is to be seen in fig. 6. 

The most characteristic part is however the cover. Eaeh series shows 
one human and three animal heads, usually of wood even on the stone Jars. 

The heads all have long 
necks and are painted fan- 
tastically in the most glaring 
colors with striped wigs 
and with necklaces painted 
across breast between ed- 
ges of wig. For example, 
the heads of the jars of 
Eset-m-heh have the follo- 
wing colors : jackal's head, 
green skin, white cosmetic 
stripes, green aud blue stri- 
ped wig; ape's head, red skin, white ear-spots with red lines, red and yellow 
necklace, blue and green striped wig, &c. The wooden covers were covered 
with plaster before painting. 

The inscriptions, when not of the simplest sort, usually use one of the 
formulas for offerings. The inscriptions in 25 are as foUows: 




Fi<j.7. 



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L-ß ölO ,"i |NN. 

; ^ü 0?? NN. 



^"°^1 



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One or more lines of the inscription face in the opposite direction from 
the others. 

Twenty-second to Twenty-fifth Bynasties. 

The museum contains no dated jars of this period^). There are a number 
of jars which can be assigned with more or less certainty to this period ; but 



1) Described by Miss Edwards, Rec. 1883 p. 79 ff. See also Birch, PSBA. V p. 79. 

2) Berlin 2105/6 belong to the 22°'^ dynasty and Berlin 11641 to the 24*'' dynasty. 



1899.] 



G. Reisner: The Dated Canopic Jars of the Gizeh Museum. 



69 



they do not present distinctive characteristics , resembling in part the jars of 
the 2P' dynasty (fig. 7, Inv. 4157/8) and in part those of the Saite period (see 
flg. 7, Inv. 4175/6). All the 
series have, of course, Co- 
vers with animal heads. The 
inscriptions very often con- 

tain the phrases ^ 
I 



Fig. 8. 




or similar ones. In 
the latter part of the pe- 
riod, there is certainly an 
approach to the regulär 
Saite forms; see, for example, the series of ^^J 8 (fig- 8), Inv. 4281 — 4283, 
4512, with inscriptions nearly like those of Saite period^). 



Twenty-sixth to Thirtieth Dynasties. 
No. 25. Five series of four jars with covers, alabaster"^). Names of: 
1 (^ r /i (I^^- 4118 — 4121, provenance unknown; dated by sta- 

tue 653, fig. 9). 

^1 5 (1 %^ ^^=_ -^ (Inv. 4290 — 4293, provenance unknown; dated from 

/wwvaOV. J I oX 

^^''^^^ (Inv. 4098 — 4101, Saqqarah, 1859; see Wiedemann »Geschichte« 
p. 635). "^ 

D/l>^^(l (Inv. 4186 — 4189, from the Huber CoUection; dated from 

OfO I (Inv. 4114 — 4117, provenance unknown; dated from name). 

All of the 26*^ dynasty. 

26. Two series of four jars with Covers, alabaster. Names of: ^-=^c^> 

J oj [Inv. 4089 — 4310; Saqqarah, 1863; found in same tomb with statues 

784 and three others')]. Fig. 10*). 



') The Gizeh Museum contains further: 4179—4182, 4674, 4406 — 4409, all apparently 
of this period. 

2) Berlin 7167, also of 26*^ dynasty (Name of ■?-oT>0')- 

3) Cat. Mar. nos. 385 — 387, 560. 

*) In fig. 10 the heads on the Duametef and the Kebehsenuf jars were accidentally exchanged 
while photographing. 



70 



G. Reisner: The Dated Canopic Jars of the Gi/.eh Museum. [XXXVII. Band. 



dOIn, ^^ (Inv. 4308 — 4310; Abydos, 1859('?); dated from statue 784). 
Both are of 30 dynasty. 

The jars of this period show a great variety of forms, even in the same 
series, but all forms have swelling sides with the thickest pari not much ahove 
the middle. There is possibly a tendency towards uniform series of slender jars 
in the 30*** dynasty but the material is insufficient. The cavities are sometimes 

deep, but usually shallow, 
with straight walls, The 
alabaster is opaque and un- 
polished, with smoothing 
Scratches. 

The Covers, of same ma- 
terial as jar, have the ani- 
mal heads'). The heads are 
smaller and more graceful 
than in the preceeding pe- 
riods, but are not usually 
cut in detail or much or- 
namented. They have very 
seldom even traces of black 
on parts covered with hair 
and on the iris. The wig 
almost in variably covers 
throat; and the beard, when 
present, is a divine chin 
beard, 

The Contents consist of 
entrails, usually wrapped in 
linen, covered with pitch 
which has been poured in 
until the Contents were co- 
vered. 

The inscriptions show 
the well known formula: 




Fig. 9. 




Fig. 70. 



IV. a. 






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NN. 



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I 

NN. D 



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^) The jars o{ Ps-gm-mt (4186 — 4189) have human heads; but as the jars have been poUshed 
and the inscriptions colored green in modern times , it is ahnost certain that these heads do not 
belong to this series. Another set, now in the Louvre {that oi PsmtTi-Ptah-mery), also have human 
heads, see Cat. de sculpture egyptienne by E. Revillont, p. 68, nos. 904 — 907. If the Covers of 
this series prove to have belonged oi-iginally to the series, it may be asked how far the use of 
four human heads is due to a revival of ancient forms, cf. preceeding number of this Journal, p. 16. 



1899.] 



G. Reisner: The Dated Canopic Jars of the Gizeh Museum. 



71 



b. 



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&c. similar to a. 



&c, similar to a. 



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Tliere are in the museum nearly a score of series and parts of series 
presenting the characteristics of this period: 4102 — 4105, 4106 — 4109, 
4114—4117, 4122—4125, 4130—4135, 4137—4152 {4series), 4153—4156, 
4165—4169, 4170—4173, 4266—4269, 4294—4296, &c. 

To sum up, the period from the 6*^ to the 18"" dynasty is characterized 
by the use of Covers with human heads and by Square - shouldered , highly polished 
jars, when the material is alabaster, with a slight degeneration in execution 
and technique towards the end. The 11*'' and 12* dynasties are further cha- 
racterized by the use of three bearded and one beardless head in each series. 
The embalmed entrails are simply wrapped in linen. In the 19* and 20* dy- 
nasties, the ornamentation of both jar and cover increases at the expense of 
the execution and the use of animal heads is introduced. Series with four human 
heads do not occur (or occur only exceptionally) after the beginning of the 
21^* dynasty. In the 2P' dynasty, the jars are characterized by low round Shoulder, 
poor material and technique; and the Covers, of wood, by the useof gaudily painted 
animal heads. The contents from this time are covered with bitumen forming a 
solid mass which usually fills the jar. Between the 22°'^ and the 25* dynasties, 
the jars and the covers grow bulkier, more formless and less ornamental, with 
forms resembling on the one hand those of the 21^' dynasty and on the other 
those of the 20*. The period from the 26* to the 30* dynasty is marked 
by jars whose thickest part 
is not much above the 
middle and by Covers with 
small, at times graceful 
heads whose features are 
only indicated and whose 
throat is covered by the 
wig'). 



^) The peculiar forms shown 
by Inv. 4274/75 (fig. 11, a, and the 
two heads above) seems to belong 
to the time following the 30* dy- 
nasty. The forms like Inv. 4243, 




Fig. n. 



72 



G. Reisner: The Dated Canopic Jars of the Gizeh Museum. [XXXVIl. Band. 



The inscriptions on the jars are even more characteristic of the period 
than the forms. 

Middle Empire: formula I and II. 

Eighteenth and nineteenth dynasties: formula III. 

Twentyfirst dynasty: offering formulas. 

Twentysecond to twentyfifth: no uniformity in inscriptions, 

Twentysixth to thirtieth: formula IV. 

Thus the material of the Gizeh Museum is poor for the 19* and 20*** dy- 
nasties on the one hand and for the 22""^ to the 25*'' on the other. It would 
be very desirable to have these deficiencies made good by dated jars from 
these two periods, which may be in other museums. 



Die Wiedereinrichtung einer Ärzteschule in Sais unter 

König Darius I. 

Von Heinrich Schäfer. 



Unter den vielen merkwürdigen Texten, die die Statue des Wd^-Hr-rsnt^) im 

Vatikan bedecken, ist der Text auf dem Rückenpfeiler in seiner eigentlichen 

Bedeutung, wie mir scheint, von allen Bearbeitern^) völlig mifsverstanden 
worden. Der Text lautet: 



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4239, 4244 (fig. 11, jar on right and the two heads below), of which there are a large number 
of examples seem also to be later than the 30**^, but 1 have found no evidence of their date. 

Sv\ »1* '^ , es ist die bekannte «statue naophore«. 

^) Ich habe folgende Bearbeitungen einsehen können: de Rouge, Rev. arch. 1851 Theil I 
S. 37; Brugsch, Thes. S. 682fF. ; Revillout, Rev. eg. I S.77; Piehl, Inscr. hier. Serie I Theil II 
S. 41; WiEDEMANN, Gcsch. Ägypt. S. 239. Die Übersetzung von Le Page Renouf, Rec. of the 
Past X ist mir nicht zugänglich gewesen. 



1899.] H.Schäfer: Die Wiedereinrichtung einer Ärzteschule in Sais. 73 



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III n © I AAAAAA I C___) AAAAAA 1 ^ — 2-^ AAAAAA ■ ... 'V 

Für das Verständnifs dieser ganzen Erzählung mufs man von dem letzten 
Satze ausgehen, der den Zweck angeben soll, den der König mit der im Vor- 
hergehenden erzählten Stiftung verfolgte. Nun steht in der zweiten Hälfte des 
Satzes, der König habe diese Stiftung gemacht, »um den Namen aller Götter 
und ihre Tempel und ihre Opfer zu befestigen und damit ihre Feste gefeiert 
würden ewiglich«. Dadurch verführt, hat man auch in der ersten Hälfte des 
Satzes nur einen allgemeinen Ausdruck vom »Erneuern alles Verfallenen« ge- 
sucht und dabei wohl vor Allem an Gebäude gedacht. Aber die Ausdrücke 
der Inschrift sind keineswegs die üblichen allgemeinen Redensarten, sondern 
lauten recht bestimmt. 1 ^ ü p. ^^^^ ist das aus der medizinischen Litteratur 
wohlbekannte Wort für »Krankheit«^), und so kann ^ 1 M ' n x^ ^^^ ^^^ 
nimmer, heifsen »alles, was den Verfall an sich trug« o. ä., sondern kann nur 
von einem lebenden Wesen gebraucht sein und heifsen: «jeder, der eine Krank- 
heit hat«. So erscheint denn auch die Wahl des Ausdrucks l-y- »beleben« 
natürlicher und erhalten wir für einige andere Worte im Texte genauere Be- 
deutungen. T werden wir nun nicht mehr als eine Bezeichnung für die 

-e- AAAAAA 

erzählte Stiftung des Königs ansehen, sondern es übersetzen: »diese Kunst«, 
nämlich die Arzneikunst. Ebenso werden wir kaum fehlgreifen , wenn wir in 
dem Worte f^^ einfach einen Ausdruck für »die Instrumente« des Arztes sehen, 
wie ja auch die Geräthe des Schreibers als sein dbh bezeichnet werden^). 

Der ganze Text lautet danach im Zusammenhange: 

»Der Fürst ^), der Oberarzt Wd^-Hr-rsnt , geboren von der Atum- 

erdas, spricht: 

»S. M. der König Darius befahl mir, dafs ich nach Ägypten käme*) — 
»S. M. war nämlich in Elam als Grofskönig aller Fremdländer und Grofsfürst 

»von Ägypten — , um den h^ des Pr-<^nh und das Pr- nach ihrem Verfall 

»zu befestigen. Die Barbaren brachten mich von Land zu Land und geleiteten^) 
»mich nach Ägypten, wie der Herr der beiden Länder befohlen hatte. 

^) Beispiele im S-rERN'schen Wörterbuch zum Pap. Ebers, und Brugsch, Wb. Suppl. S. 884. 

^) Vergi. PiETScHMANN in »Aegyptiaca für Ebers« S. 83, der auch die hübsche Brugsch- 
sche Übersetzung »Necessaire« für dbh anführt. 

^) Das (nh tm-sn verstehe ich nicht. 

*) Als der Befehl erging, war der Schreiber mit dem Könige in Elam. Man sollte also 
nicht i-t »kommen«, sondern etwa sm-t »gehen« erwarten. Doch als er die Inschrift verfafste, 
war er natürlich in Ägypten, und von diesem Standpunkt aus ist wunderlicher Weise »kommen« 
auch in den Befehl selbst hineingebracht. Ahnliches findet sich auch sonst. 

°) Doch wohl kein Kausativum von wid, sondern einfach Schreibung für s-wd. 

Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Band. 1899. 10 



74 H.Schäfer: Die Wiedereinrichtung einer Ärzteschule in Sais. [XXXVII. Band. 

«Ich that nach dem Befehl Sr. M. und stattete sie^) aus mit allen ihren 
»Schülern'^), Söhnen von Leuten (vom Stande)^), kein Sohn eines Bettlers*) war 

»darunter. Ich stellte sie unter die Aufsicht aller kundigen^) alle 

»ihre Arbeiten. 

»S. M. befahl, ihnen alle guten Dinge zu geben, damit sie alle ihre Ar- 
»beiten thun könnten. Ich versah sie mit allen ihren Bedürfnissen, mit allen 
»ihren Instrumenten, die in den Schriften stehen, wie sie vorher gewesen waren. 

»Das that S. M., weil er den Nutzen dieser Kunst (der Arzneikunst) kannte, 
»um jeden Kranken zu beleben''), um den Namen aller Götter und ihre Tempel 
»und deren Einkünfte zu befestigen und damit ihre Feste gefeiert würden, 
»ewiglich.« 

Wd5-Hr-rsnt war Oberpriester der Neith von Sa'is und führte als solcher 

den Titel ^=^ „ »Oberarzt«. Wir dürfen also wohl annehmen, dafs diese 

Ärzteschule im T \^Z3 des o und dem ^^^44d mit dem grofsen Neithtempel 

zusammenhing, der bei der Eroberung von Sais durch Kambyses^) stark gelitten 
haben mufs. Die Schüler der Anstalt werden natürlich vor Allem als Priester er- 
zogen worden sein, und ihre künftige Doppelstellung als Priester und Arzte ist 
in den beiden Hälften des Schlufssatzes unseres Abschnittes deutlich ausgedrückt. 
Der Text ist so interessant, weil er bis jetzt der einzige ist, durch den wir 
etwas Näheres von der Stellung einer Art höherer Schule in Ägypten erfahren. 



^) Dieses »sie« zeigt, dafs vorhin mit dem 1 ^^^ß^ß mindestens zwei Gebäude 

gemeint sein müssen. 

^) So auch PiEHL und Revillout. 

^) So auch Piehl; diesen praegnanten Gebrauch von vÄ . kenne ich sonst nicht. 

*) Eine Anspielung auf das Kastenwesen ist in dem Ausdruck nicht unbedingt zu suchen, 
doch ist man versucht, dies hwr mit »Paria« zu übersetzen. 

^) So auch Piehl, Revillout. Die Übersetzung ist nicht ganz sicher, wird aber das Richtige 
treffen. In der Lücke dürfte etwa gestanden haben: »die sie beaufsichtigen sollten in« o. ä. 

^) Piehl : . . . a fait cela parcequ'elle savait l'efficacite de cette oeuvre , comme moyen de 
restituer tout ce qui se trouvait delabre. Revillout : . . . parcequ'elle savait (que c'etait le meilleur 
moyen pour) reveiller une vie nouvelle au milieu de toutes les ruines. Brugsch : weil er den Vorzug 
dieses Werkes erkannte zur Belebung alles dessen, was den Verfall an sich trug. Wiedemann: 
weil er wufste, dafs dies das beste Mittel sei, um alles in Verfall Gerathene wieder herzustellen. 

') Dem »Unglück, das in diesem Gau eintrat, (und ein Theil war des) sehr grofsen Unglücks, 
das im ganzen Lande geschah, wie kein ähnliches in diesem Lande geschehen ist«. 



1899.] 



Fr. W. V. Bissing: Eine altägyptische Mädchentracht. 



75 



Eine altägyptische Mädchentracht. 
Von Fr. W. v. Bissing. 



x\-uf einer ziemlicli beträchtlichen Anzahl von Bildern aus dem a. und m. R. 
begegnen wir bei jungen Mädchen einer absonderlichen Haartracht, die bisher, 
soviel ich sehe, noch nicht besprochen worden ist^). Das Gemeinsame dieser 
Tracht besteht darin, dafs bei sonst kurzem Haar ein oder 
mehrere Zöpfe herunterhängen, die unten durch eine Quaste 
abgeschlossen werden. 

Die ältesten mir bekannten Beispiele, die uns auch den 
Ursprung dieser Tracht zeigen, reichen in die 5. Dynastie zu- 
rück. Es sind Mädchen, die ausnahmslos noch in zartem Alter 
stehen — soweit dies die Verschiedenheit der Proportionen er- 
kennen läfst. Von dem kurzen Haar löst sich hinten eine ein- 
zelne Flechte ab, die lose herabhängt. Das Ende der Flechte 
ist dabei, wie die nebenstehende Abbildung aus dem Grab des 

^'^'^^^ { j { j I j zeigt , nach oben gebogen , so wie sich das 

natürliche Haar an der Spitze biegt "^). 

Mit der 6. Dynastie scheint die Mode zu wechseln, wie 
sich auf einem jetzt in Gise^) befindlichen Relief aus dem 
Grabe des (1 D (1 zeigen läfst. Auf demselben steht hinter dem 

T ^ 'wwvA 1. Sie trägt das lange, an- 




Sitz ihres Vaters die eine Tochter 



liegende Frauengewand mit Tragbändern, Halskragen und kurzes Haar. Sie 

') WiLKiNSON hat sie allerdings verzeichnet (Manners and Customs ^ II 338), meinte aber, 
ohne genauer darauf einzugehen , es sei die Tracht der Sclavinnen. 

^) Weitere Beispiele: LD. 11 54 aus dem Grabe des 11 Q n in Gise; LD. Text Taf. 9 aus 

dem Grabe des ^ ö 'wwvn (die Datirung Text S. 49 in die 6. Dynastie ist ungenau). Mariette, 
Mastaba p.309 (wo aber bei der zweiten Tochter der Zopf mit Unrecht fortgelassen ist und die 
beiden Seiten der Scheinthür durchweg vertauscht sind) aus dem Grabe des ^ \ j; die 



*LiLJ (i^at. Gise 1895 ed.ViREv Nr. 23); das Relief 
wurde 1887 aus Saqqarah in's Museum von Gise gebracht, wird also vielleicht zu dem Grabe des 



Textabbildung stammt aus dem Grabe des 



_a LJ'—' gehören (Mariette, Mastaba 313), 



unter mehreren Königen der 5. Dynastie lebenden 

jedenfalls nicht zu dem eines älteren in Gise begrabenen (vergl. Lieblein, Wörterb. 1368, 1376). 
^) Gise, Kat. 1895 Nr. 82. Die Reste der unter einem späteren Grab verschütteten Mastaba 
hat Maspero 1884 geborgen (Hist. anc. I 298 Anm. 2. Situationsplan des Grabes Mem. du Caire I, 
Tafel zu S. 200). 

10* 



76 



Fr. W. V. Bissing: Eine altägyptische Mädchentracht. 



[XXXVII. Band. 



riecht an einer Lotosblüthe. An ihrem Hinterkopf hängt ein gerader Zopf herab, 
der unten mit einer runden Platte oder Kugel beschwert ist. ICine zweite 
Tochter gleichen Namens steht vor dem Throne des Vaters: sie ist gröfser 
dargestellt (also wohl älter) und hat keinen Zopf). Diese neue 
Form des Zopfes ist die bezeichnende für die 6. Dynastie; sie 
■ »An* • 1^ findet sich auch auf einer im Saal 14 des Museums von Gise 
I 11 ' ;-^ ausgestellten Stele aus Kalkstein, die vielleicht etwas jünger 
I Äk. i ^^^^^ kann'^), und im Grab des Mrj. Hier sind im Zimmer A 10 
/'/||x |l ' (des Plans B^deker S. 141) an der Ostwand Tänzer und Tänze- 
Jl r 'Wki rinnen dargestellt, von denen wir einige nach einer Photographie 
L. Borchardt's wiedergeben. 

Die Tänzerinnen, die sich als junge Mädchen kleiden, tragen 
daher auch den steifen Mädchenzopf mit rundem Gegengewicht, 
der wohl durch reichliches Tränken mit Fett seine strickartige 
Festigkeit erhielt. Daneben findet sich noch (möglicher Weise aus 
einer älteren Vorlage mit herübergenommen) gerade im Zimmer 
A 10 die Zopfform der 5. Dynastie. In der Kleidung unterscheiden sich die 
Mädchen: die eigentlichen Tänzerinnen tragen einen kurzen Schurz, der Ober- 
körper und Beine vom Knie an freiläfst; die Musikantinnen, die in die Hände 

klatschen, sind ganz wie ge- 
wöhnliche Mädchen gekleidet. 
Mit der 12. Dynastie tritt 
anscheinend eine neue Verän- 
derung ein : man trägt jetzt 
zwei oder drei solcher Zöpfe, 
hinten und an den Schläfen, 
und das Gewicht nimmt längliche Form an, so auf einer unpublicirten Stele aus 

dem zehnten Jahr König Sesonchosis' I. aus dem Grabe des ^''^, wo die kleine 
Tochter U zwei Zöpfe trägt, deren einer hinten, der andere zur Seite her- 
abhängt. Jeder Zopf endigt in ein Gewicht in der Gestalt einer Lotosblüthe. 
Am anschaulichsten wird uns die Tracht bei einer der Dienerinnenstatuen aus 




^) Lieblein, Wörterb. 1399, nimmt an, dafs dieselbe Tochter zweimal dargestellt sei; sie 
wäre zuerst als Kind und dann in etwas reiferem Alter abgebildet. Doch kommen gleichnamige 
Geschwister öfters vor. 



^) Kalkstein , h. 0,90, br. 0,97. Vor dem Opfertisch sitzen nach links sich anfassend w 
und seine Frau auf einem ochsenfüfsigen Divan. Darunter, in der zweiten Reihe, die Tochter 
<cr> (sie) nach links stehend , vollbekleidet , mit kurzem Haar und Zopf. Sie hält in beiden 

C^ H 

Händen Blumen. Ihr gegenüber ein Mann, der die Linke auf die Brust legt, in der gesenkten 
Rechten eine Blume hält. Dahinter eine Frau, die mit der Linken einen Korb auf dem Kopf 
hält, in der vorgestreckten Rechten Blumen. Hinter ihr ein Mann mit einem Schenkel. Darunter 
Hirtendarstellungen. Ziemlich rohe Arbeit. 



1899. 



Fr. W. V. Bissing: Eine altägyptische Mädchentraclit. 



77 



Me'ir, die die nebenstehende Abbildung wiedergiebt. Sie gehört doch wohl an 
<len Anfang der 12. Dynastie; von ihren drei aus drei Strähnen gewundenen 
Zöpfen (einer in der Mitte des Hinterkopfs, je einer etwas höher an den Seiten) 
ist nur der mittelste gut erhalten, von den bei- 
den anderen aber mehr oder minder lange Ansätze 
kenntlich. 

BoRCHARDT hat für die Figur schon ver- 
muthungsweise den Namen »Tänzerin« vorge- 
schlagen^). Dafs er damit Recht hat, lehren die 
Darstellungen aus Benihassan. Auf den vielfach 
abgebildeten Wandgemälden in den Gräbern des 

^^, A und des \\\r) sehen wir Mädchen theil- 

weise im langen, theilweise im kurzen Gewände 
beim Ballspielen, Hüpfen und Tanzen: sie alle 
tragen kurzes Haar und zwei oder drei Zöpfe mit 
länglichem Gewicht, genau von der Form, wie die 
»Tänzerin« aus Me'ir sie hat. Die Zahl der Zöpfe 
schwankt, und wenn beim Reitball die »Pferde« 
drei und die Reiterinnen zwei Zöpfe zu haben 
pflegen, so mag das Absicht sein (um die Parteien zu scheiden) oder auch nur 
Zufall. Aus dem m. R. stammt auch die hierneben abgebildete Berliner Kalk- 
steinstatuette (h. 0,055, 1. 0,105 m) einer Akrobatin, die auf Händen und Beinen 
nach hinten übergelegt sich in wage- 
rechter Lage hält: sie ist mit einem 
Lendenschurz bekleidet, trägt die 
Haare aber ganz wie die Tänzerin 
aus Me'ir. Die Zeit wird durch ähn- 
liche Kalksteinfiguren bestimmt, die 
sich in El Berscheh kürzlich in Grä- 
bern des m. R. fanden; auch macht 

mich BoRCHARDT auf die »Puppen« des m. R. aufmerksam, die die gleichen 
Zöpfe tragen. 

In der Folge scheint die Zopftracht ganz abhanden gekommen zu sein. 
Die Tänzerinnen des n. R, kleiden sich anders (Wilkinson ^ II S. 37); nur ge- 
legentlich taucht einmal wie eine Reminiscenz an die alte Tracht auf: so 





') Ägypt. Zeitsclir. 1898, S. 134 Anm. 1. Statueninventar Gise 248. Die Figur stammt aus 
Me'ir (Kat. Virey 1340), wo sie mit mehreren anderen Dienerfiguren in einem Grabe gefunden sein 
soll. Der gänzlich abweichende Stil aber läfst mich an der Richtigkeit der Angabe zweifeln , und 
L. BoRCHARDT ist Selbständig zur gleichen Ansicht gelangt. Die Haartracht weist auf eine etwas 
jüngere Zeit als die 6. Dynastie; sonst ist die Figur unbekleidet. — Eine Publication der wichtigen 
Funde von Me'ir oder ein ausführlicher Fundbericht mit Plänen fehlt noch immer. 

^) Benihassan ed. Newberry 11 Taf. 4, 8a, 13. 



I 



78 



Fr. W. V. Bissing: Eine altägyptische Mädchentracht. 



[XXX Vll. Band. 



WiLKiNsoN ^ II S. 38, WO eine Dienerin drei Zöpfe nach hinten und etwa fünf 
an den Seiten trägt, und noch mehr Wilkinson ^ II S. 501 : hier tanzt ein Mädchen 
im weiten, langen Gewände; es trägt das Haar kurz, aber hinten hängt eine 
starke unten sich verdickende Flechte herab und fünf dünnere Zöpfe hängen 
anscheinend zur Seite. Die Zahl der Zöpfe hat sich also wiederum vermehrt^). 
Anfangs eine Tracht der Mädclien, vielleicht ganz allgemein der Kinder^), 
kommt sie im m. R. für diese aus der Mode^) und wird von den Tänzerinnen 
und Akrobatinnen angenommen, die sie nachweislich schon in der 6. Dynastie 
tragen. Aus dem einen Zopf werden dabei allmählich zwei, drei, schliefslich 
noch mehr. Ob sie vor der 5. Dynastie überhaupt vorkommt, läfst sich nicht 
entscheiden; dafs aber der Übergang von dem natürlich herabhängenden Zopf 
zu dem steif abstehenden , unten beschwerten mit dem Aufkommen der 6. Dy- 
nastie zusammenfällt, ist nur natürlich, denn die 6. Dynastie (oder vielmehr 
das Ende der 5.) bedeutet in der Entwickelung der ägyptischen Cultur einen 
tiefen Einschnitt; von da geht die Entwickelung des »mittleren« Reiches bis 
in die Zeit der von Steindorff richtig erkannten Könige der 17. Dynastie fast 
lückenlos fort. 



Miscellen. 

Uie angebliche Berechnung der Halbkugel. — Die von Borchardt 

(ÄZ. 1897, S. 150) auf die Berechnung einer Halbkugel gedeutete Stelle des 

mathematischen Papyrus von Kahun scheint mir eine andere Erklärung zu 

12 




fordern. Mit 8 (l365ij des Kahun-Papyrus ist gemeint ein 



\ O 

IENS^ 1 I AAAAAA 

12 «8. Nach Art der Nrn. 41 und 42 des Math. Handb. wäre der Inhalt so 
zu berechnen: 



12-1.12 = 



10| 

ii:4 



li.910|- = 1365i 



(^«4)' 



wie oben. 



^) Eine seltene Ausnahme bildet die Tänzerin im Harem des Ey, LD. III 106a, die langes 
Haar und eine seitliche Locke trägt. 

^) Dafür spricht, dafs im Grabe des Mrj sowohl in A 10 wie in A 6 Knaben den steifen 
Zopf der 6. Dynastie tragen; der wesentlichste Unterschied besteht, so viel ich sehe, darin, dafs 
bei Knaben die «Kinderlocke« an der (linken) Kopfseite, bei Mädchen am Hinterkopf sitzt, und 
dafs die Kinderlocke der Knaben mit ganz wenigen Ausnahmen (wie im Mrj - Grabe) die Gestalt 
behält, die die Kinderlocke auch der Mädchen in der 5. Dynastie hatte. 

^) Knaben tragen im a. R. und im m. R. ganz allgemein die Kinderlocke , die späterhin 
Harpokrates trägt und (als seine Incorporation auf Erden i') die Prinzen; vergl. Erman, Ägjrpten 
S. 235. 



1899.] Miscellen. 79 

Es handelt sich also nur um eine vereinfachte Form der Berechnung, es 
ist nämlich: 

Math. Handb.: la — -^a\ •ö'ly = 27^^^ ^^^ 

Kahun-Pap.: (a«-ö-|"«-5-6 = gy*^^^- 

In Nr. 43 des Math. Handb. hat der Verfasser versucht, die vereinfachte Art 
der Berechnung anzuwenden, dabei aber irrthümlich die bei der früheren Rech- 
nungsweise erforderliche Subtraction von Yq ^i^s zu quadrirenden Durchmessers 
beibehalten, weshalb er nur ''Ysi ^^s richtigen Resultats erhält. 

H. SCHACK-SCHACKENBURG. 

Zu Herodot II, 112. — Die Angabe des Herodot von einer Ansiedelung 
phoenikischer Tyrier in der Nähe eines refxsvog des Proteus, der südlich vom Ptah- 
tempel lag, hat sehr verschiedene Beurtheilung erfahren. Während Rawlinson, 
Hist. of Phoenicia, S. 467 (und ähnlich v. Gltschmid, Kleine Schriften 11 3, 49) 
an eine ziemlich junge Handelsniederlassung denkt, etwa aus Necho's Zeit, hatte 
bereits Movers, Phoenicier II 1, S. 187ff. , ein hohes Alter für diese in un- 
mittelbarer Nähe des Ptahtempels, in der Altstadt, gelegene Ansiedelung gefor- 
dert. Ohne ihm in seinen weiteren Auseinandersetzungen zu folgen, wird man 
ihm hierbei Recht geben und auch seine Verwunderung über diese Nieder- 
lassung theilen, zumal es andere Colonien der Phoeniker in Ägypten nicht gab'). 

Vielleicht ist aber eine andere Auffassung der Stelle möglich. Borchardt 
hat (AZ. 1898, S. 84) das Material über die Ansiedelung von Kriegsgefangenen 
als Tempelsclaven gesammelt. Wenn das Tvpim (TrpoLroTvs^ov sich so auffassen 
liefse, würden alle Bedenken schwinden. Möglich ist das jedenfalls, vielleicht 
läfst es sich noch durch folgende Hypothese stützen: auf einer von Dakessy, 
Rec. 16, 123 publicirten Inschrift im Gizeh-Museum findet sich die Erwähnung 
eines Feldes der Hetiter in der Nähe des Ptahtempels. Die Inschrift stammt 
aus der Zeit des Ey, und die Hetiter werden dort wohl als Gefangene zur Zeit 
Thutmosis' III. angesiedelt worden sein. 

^^ \> [sie] '^ D ^^v I auf dem Feld der 

Güter ['— |— '] des Königs Tuthmosis I. und Tuthmosis IV.« identisch mit dem 
T\)pim (TTparoTTe^Qv? Der Name der Hetiter umfafste in späterer Zeit auch Phoe- 
nikien, und Herodot's Führer hätte die Hetiter kaum besser griechisch wieder- 
geben können. Auch dafs gerade die Tyrier genannt sind, läfst sich aus der 
Vormacht von Tyros in jener Zeit und seinen vielfachen Beziehungen zu Ägypten 
rechtfertigen. Nur ein Bedenken bleibt, aber ich denke, ein scheinbares. Hero- 
dot setzt den reixevog des Proteus südlich vom Ptahtempel an ; die Inschrift setzt 
das Hetiterfeld nördlich von dem refxevog. Über die Lage des Tvpiwv (irpuToTre^ov 
im Verhältnifs zum Tempel ist aber nichts bekannt, und es läfst sich immerhin 

^) V. GuTSCHMiD, Kleine Schriften II, 49. 



80 Miscellen. [XXXVII. Band. 

denken, dafs der Bezirk der »Tyrier« zugleich nördlich vom Ptahtempel und 
in der Nähe des gegen Süden gelegenen Proteus -re'juevo? lag. Ob wir im rsfjLevog 
des Proteus, der ja einer der Pharaonen gewesen sein sollte, eins der in der 
Inschrift genannten ■— ,— ' erkennen dürfen, wage ich nicht zu entscheiden. Lei- 
der steht in der Inschrift ja nichts vom Tempel der fremden Aphrodite {Astarte ?), 
der im reixsvog des Proteus lag, mit der phoenikischen Niederlassung aber in 
keinem Zusammenhang steht. 

Es wäre interessant, festzustellen, ob sich in der antiken Überlieferung noch 
sonst Hetiter unter dem Namen der Phoeniker verbergen. v. Bissing. 

Pflastersteine. — Für die Frage nach der Bedeutung der sogenannten 
»Grabkegel« oder » Opferbrote ^)« möchte ich, von Petrie aufmerksam gemacht, 
auf eine Stelle hinweisen , die anscheinend die einzige Angabe über in situ ge- 
fundene Gregenstände dieser Art ist. Bei Rhind, Thebes S. 136, heifst es näm- 
lich in der Beschreibung der Fagade eines thebanischen Grabes: 

»Above the scarp and flush with it, there remained about two feet of 
coarse building, in continuation , as it were, of the elevation of the front of 
the tomb; and I mention this here because, imbedded in the building, and 
stretching very nearly its entire length, were two rows of clay cones, im- 
pressed with a hieroglyphic subject on the ends turned to the light. « 

Danach sind die fraglichen Kegel also in diesem Falle ganz wie Pflastersteine 
zur Befestigung der Bergfläche über dem Eingange des Grabes verwendet worden. 
Schäfer weist mich noch auf den einzigen Bericht über altägyptisches Ziegel- 
pflaster hin, den Amelia B. Edwards in A Thousemd Miles up the Nile Th. II 
S. 11 H [Tauchnitz] giebt und der bestätigt, dafs Pflastersteine eine sehr grofse 
Ähnlichkeit mit unseren »Opferbroten« haben. Die Stelle, welche Ausgrabungen 
in Abu Simbel betrifft, lautet: ». . . the landing, which was curiously paved 
with cones of rüde pottery like the bottoms of amphorae. These cones, of 
which we took out some twenty-eight or thirty, were not in the least like^) 
the celebrated funereal cones found so abundantly at Thebes. They bore no 
stainps, and were much shorter and more lumpy in shape«. Es ist demnach 
ernstlich zu erwägen, ob man die »Grabkegel« oder »Opferbrote« nicht fortan 
weniger mysteriös einfach »Pflastersteine« nennen soll. 

Für diese Deutung sprechen noch ferner folgende Umstände: 

1. die Form der Kegel, welche der unserer modernen Pflastersteine analog 
ist; diese sind auch an der oberen Ansichtsfläche am breitesten und verjüngen 
sich nach unten, 



^) Bulaq, Kat. Mar. S.177; Kat. Masp. S.138; Wiedemann, Die altägypt. Grabkegel, Ley- 
dener Congrefs 1884; Petrie, Season S.23ff. ; Daressy, Recueil de cones funeraires, Miss. VIII 2; 
Berlin, Ausführl. Verz. S.127 u. s. w. 

^) Diese Bemerkung scheint mifslich für unsere These. Nach der voraufgehenden und nach- 
folgenden Beschreibung der Kegel aber ist das »not in the least like« wohl nicht ganz ernst zu nehmen. 



1899.] Miscellen. 81 

2. das Material, das für die Verwendung im Aufseren gebrannt sein mufs; 
ungebrannte Ziegel würden bei dieser exponirten Lage durch den ersten Regen 
fortgewaschen werden, 

3. die Fundstellen, die stets vor den Gräbern liegen, also da, wo die 
zerstörte obere Pflasterung hinfallen mufste, 

4. die Stempelung, welche der der gewöhnlicher Ziegel analog ist, und endlich 

5. das gelegentliche Vorkommen von »Grabkegeln«, die in einer seitlichen 
Nilschlammumhüllung gefunden wurden*), d.h. also von Pflastersteinen, die ihre 
Nilschlammfuge anhaftend erhalten haben. Ludwig Borchardt. 

[Pap. Westcar I, 36] schon fast richtig gedeutet worden, nur hätte die erste 
von ihm gegebene Möglichkeit ganz wegfallen können. Es handelt sich hier 
nämlich anscheinend nur um eine Beschreibung einer im a. R. von vornehmen 
Frauen getragenen Kleidung. Auf vielen Statuen sehen wir in Farben ein Perlen- 
netz , dessen Maschen schräg liegende Quadrate bilden , über dem engen Frauen- 
gewande angegeben. Beispiele hierfür sind die folgenden: 

Giseh Nr. 6 [Kat. 1892 (Grebaut) Nr. 6171 S. 32], Gruppe eines Paares 
aus Sileh im Fayoum. Über das enge Frauengewand war einst ein Perlennetz 
gemalt, von dem nur die Knotenperlen noch sichtbar sind. 

Ebendaselbst Nr. 22 [Kat. Mar., Nr. 588; s. Mar., Mast. S. 262], Familien- 
gruppe aus Saqqarah, Mastaba D 33. Über das Gewand der Frau, Namens 
N-h^w-Hthr, war ebenso ein Perlennetz gemalt, von dem auch nur noch Spuren 
der Knotenperlen zurückgeblieben sind. 

Ebendort Nr. 55 [Kat. 1892 (Grebaut) Nr. 6220 S. 53], Familiengruppe aus 
Saqqarah. Über das Kleid der Frau Nwh-jrt-wptt-w^wt ist ein Perlennetz ge- 
malt mit runden, blauen Knotenperlen und länglichen, grünen Verbindungsstücken. 

Louvre A 102 [abgebildet Perrot-Chipiez, hist. de l'art I, 143; Erman, Ägypt. 
I, 295], Familiengruppe des Shm-k^. Über das Gewand der Frau, das auch 
von schön gemusterten Tragbändern gehalten wird, ist ein vollständiges Netz 
gemalt. 

Auch woraus diese Netze bestanden, läfst sich angeben, da unter dem 
Daschurschmuck sich sehr wahrscheinlich eins oder mehrere solcher Netze oder 
wenigstens die Perlen derselben erhalten haben. Es sind längliche Perlen von 
grüner Fayence, Karneol, Lapis lazuli, einige auch von Malachit und Gold. 
Die Knotenperlen sind aus hellgrüner Fayence und haben Kreuzform. Abge- 
bildet sind solche Netze auch auf den Särgen in Mumienform aus dem Ende 

*) Siehe Daressy, Recueil de cones funeraires S. 270; die a. a. 0. citirte Färbung von Grab- 
kegeln spricht nicht gegen die oben angeführte Deutung. Mit diesen bunten Steinen führte man 
aus irgendwelchen ornamentalen Rücksichten farbiges Pflaster aus. 

Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Band. 1899. 11 



I 



Miscellen. [XXXVII. Band. 



des m. R. [z.B. Gisehmuseum , Sarg ohne Nummer in Saal 75]. Davon sind 
ferner wohl die Perlennetze der späteren Mumien abzuleiten. 

Die oben angeführte Stelle des Pap. Westcar wäre also nach alledem wohl 
so zu übersetzen : « Und lafs mir 20 \Perlen\netze bringen und gieh diese [Perlen]netze 
diesen Frauen über ihre Kleider [zu ziehen]<^. Ludwig Borchardt. 

Die Hieroglyphe |. — ÄZ. 1897, S. 105 Nr. 44 hatte ich zweifelnd das 

Zeichen ii als einen Spiegelgriff aus Ebenholz gedeutet. Trotz der Ähnlichkeit 

des Zeichens mit einem Spiegelgriff ist diese Erklärung falsch. Wie Griffith^) 
ganz richtig vorschlug, ist das Zeichen als Keule aufzufassen. Es giebt sogar 
ein Verbum h?i »schlagen«, wie die Beischrift in Benihassan (Newberry, Beni- 
hassan I Taf. 29) über zwei Wäsche auf Steinen ausschlagenden Wäschern zeigt: 

y Aww\ »das Wasser herausschlagen«. Gleich daneben sind zwei andere Leute ab- 

gebildet, die mit Schlägeln, welche dem 1) sehr ähnlich sehen, Wäschestücke 

bearbeiten. Die Beischrift lautet: V ^^^ »die Schläger (?)«. Schäfer macht 

mich auch noch auf einen Ausdruck des n. R. für Keule aufmerksam, der mit 

unserem y zusammenhängt: die ö \^[][]o? in den Thutmosisannalen (Brugsch, 

Wörterbuch S. 967). 

Ob das Wort yM?i »Diener, Knecht« ursprünglich damit zusammenhing^)? 

Und ob der Ausdruck y ' für den König etwa in alter Zeit die Bedeutung 
hatte »seine Keule ^)«? Ludwig Borchardt. 

Hieroglyphen für »Brauer«. — Auf der Leydener Stele V, 6*) aus 
der Zeit Amenemhet's II. steht über der Darstellung eines arbeitenden Brauers; 
|o.^>^i^0-9 ^^^gj, Brauer S^-Mnhf)^>. 

Das Zeichen^), mit dem der Titel des Mannes geschrieben ist, stellt einen 
Mann dar, der mit den Füfsen in einem grofsen Bottich herumknetet und sich 
dabei am Rande desselben festhält. Es ist die ungeschickte zeichnerische Nach- 



') Benihassan III, Nr. 44 und S. 17. 

^) In der Inschrift des Wnj wird das bedeutungsvervvandte (<^^v ^ L^ mit einem eine 

solche Keule haltenden Manne determinirt. 

^) Vergl. den deutschen Ausdruck »die Krone« für «der König«. 

*) Nach dem Berliner Abklatsch A.1265. 

*) Derselbe Titel auch sonst häufig. Bei arbeitenden Brauern: Mar., Cat. d'Ab. Nr. 606 
sonst: Mar., Cat. d'Ab. Nr. 549, 634, 779, 780, 825 und 861, sämmtlich m. R. 

«) Die Hieroglyphe]^, z.B. im Dorfnamen fll ^^ fll W "=^5^ -?" © [LD- H, 80, nach 



dem Original Berl. Mus. Nr. 1128 (Ausf. Verz., S.42) verglichen], hat mit iTj nichts zu thun, sie] 

stellt vielmehr einen Mann mit zwei Schlangen dar und scheint irgend einen Dämon zu bezeichnen, j 
Der soeben citirte Ortsname ist zu übersetzen: »Der . . . .-Dämon will, da/s König 'Issi lebe«. 




1899.] Miscellen. 83 

bildung jener Phase des Brauprocesses, welche auch die ÄZ. 1896, S. 161 (Abb. 12 
und 13) und 1897, S. 133 besprochene Thonfigur, sowie das ebenda 1897, S.129 
abgebildete Relief Nr. 91 zu Giseh darstellen. 

Das für uns Ungewöhnliche dabei ist die Wiedergabe des im Schnitt ge- 
zeichneten Gefäfses. Solche zeichnerischen Leistungen kommen aber auch sonst 
auf ägyptischen Bildern vor. Bekannt sind aus den Darstellungen aller Zeiten 
die Fruchtkörbe ^) , die auch nur den mit Früchten gefüllten Schnitt des 
Korbes zeigen. Ferner wird z, B. eine Kanne in einer tiefen Schale auf einer 
Opfertafel zu Giseh (Nr. 1331, Saal 1, a. R., Saqqarah, 1892) so abgebildet: 

Und der auf einem Dorn aufsitzende kurze Fufs der /^^i^l^^^^^lüir'y' ^ 

Platte eines Opfertisches auf der Stele des Hfnr zu Berlin 
(Nr. 1197; LD. II, 144s; Ausf. Verz., S. 62, m. R.) wird 
ganz toll wie nebenstehend verdeutlicht. 
Das soll die Darstellung einer runden 

~^^ Tischplatte von darunterstehendem Querschnitt^) sein. Hohle 

-^ Gegenstände werden also in der ägyptischen Zeichnung öfter 

Mmmm/imim imm/ymmm im Schuitt gczcigt, namentlich wenn der Darstellende auch noch 
den Inhalt der Höhlung zeigen wollte. 

Die Hieroglyphe rTJ stellt demnach wirklich einen in einem grofsen Gefäfse 
stehenden Mann vor. 

Auf der Stele C.196 des Louvre^) wird unser Titel, trotzdem ihm sicher 
dieselbe Bedeutung zukommt, wenn kein Fehler des Copisten vorliegt, etwas 

anders geschrieben , nämlich •<iS> . Hier scheint das betreffende Zeichen auch 

einen Brauer darzustellen, der aber nicht wie vorhin das unfertige Bier durch- 
tritt, sondern es durchseiht. Er scheint ein Tuch, in das der gegohrene 
Brotteig eingeschlagen ist, auszuwringen , um die Flüssigkeit, eben das Bier, 
herauszupressen, ähnlich wie die Trauben*) zur Weingewinnung in Tüchern aus- 
gewrungen werden. 

Mit dieser Hieroglyphe -^ dürfte das im Papyrus Ebers oft^) vorkommende 

Zeichen \^P7 ^Sv zusammenhängen, das man jetzt wohl allgemein richtig 



\^P7 ^Sv zusammenhängen 



mit »durchzuseihen« übersetzt. 

Als drittes Zeichen für Brauer tritt dann das AZ. 1897, S. 133 gegebene 
r^^) auf, das keiner weiteren Erklärung bedarf. Ludwig Borchardt. 

1) Z.B. a. R.: LD. II, 125, 366-; m. R.: LD. II, 129; n. R.: III, 45a. 

2) Nach Giseh Nr. 1317—20 Saal 66 Schrank i', a. R. 

3) Nach Gayet, Steles de la 12'»<= Dynastie, Taf. 59. 

*) DÜMicHEN, Resultate Taf. 8. s) Pap. Ebers, 39, 16; 48, 22; 74, 1 und oft. 

^) Dieses Zeichen J^ noch auf der Berliner m.R. -Statue Nr. 10115 und Mar., Cat. d'Ab. 
Nr. 1073. Auch die bekannte Statue des Nfr, Giseh Nr. 145 [Kat.1895 Nr. 79; Kat. Masp., Nr. 4454 
S. 244; Kat. Mar. Nr, 458] zeigt dasselbe Zeichen. Der Dargestellte ist nämlich nicht »Baumeister«, 

11* 



84 Miscellen. [XXXVII. Band. 

Das Wort für »Brauer«. — In seinem Aufsatze über die Dienerstatuen') 
führt BoRCHARDT eine Darstellung an, in der ein »Brauer« die Bezeichnung pj^ . . 
führt. Die Lesung dieses Titels blieb unbekannt. Ich glaube, sie ergiebt sich 
aus einem Bilde im Grabe des Chnemhotep in Benihassan (Newberry, Benih. I 

n AAAAAA 

Taf. 29 = LD. II, 126), wo über der Figur eines arbeitenden »Brauers« h.==_ ^-^^^ 

»der Brauer Nht« steht. ^^ ist also die Bezeichnung für »Brauer«^). 

Die Konsonanten dieses Wortes erinnern an das Wort (1 (LD. II, 126) 

oder r. ^) (Newberry, Berscheh I Taf. 31) für »wringen«. Ich denke wir 

haben in diesem Verbum den Stamm zu ^j ;^ zu sehen. In Berscheh wird es 
von den Leuten gebraucht, die auf die bekannte Art in einem Tuche die Wein- 
beeren »auswringen«. Sie thun ja auch im Grunde nichts anderes als der 
»Brauer«. Beide pressen aus einer feuchten Masse die Feuchtigkeit aus. Die 
Form des Wortes ^ ^^ ist die einer Nisbe von einer femininen Form des Stammes 

Ol w 

<^f, also vielleicht vom Infinitiv oder von einem abgeleiteten Nomen. Sethe weist 
mich darauf hin, dafs noch im Koptischen das Verbum toqe, (oqi vom Pressen von 
Ol, vom Keltern des Weines und vom Auswringen der Wäsche gebraucht wird*). 
BoRCHARDT führt uuu in der vorstehenden Miscelle noch -^^ als eine an- 
dere Form des Zeichens für »Brauer« an und verweist auf die Ähnlichkeit 

mit dem bekannten hieratischen Zeichen \^^f des Papyrus Ebers. Wir haben 



*t 



also auch die Lesung dieses viel umstrittenen Zeichens gewonnen. Es ist 

<^f zu lesen. Beweisend dafür ist nach dem oben Ausgeführten die Stelle 

Ebers 53, 22, wo ausdrücklich steht: •<^yil<=><r^8 ^ »durchschlagen, wie 

n # 1 o III Aoi I I 

man es mit Bier macht«. 

Dafs der »Brauer« also nach dem »Durchschlagen, Durchseihen« benannt 

ist, ist nicht weiter auffällig; denn gerade diese Thätigkeit mufs den Ägyptern 

bezeichnend für einen Brauer erschienen sein, sonst hätten sie nicht so oft nur 

einen solchen am Korbsieb arbeitenden Mann als Vertreter der Brauerei dem 

Toten beigegeben. Heinrich Schäfer. 



sondern Y^JVi »Braumeister«. Sie gehört also wohl auch zu den ÄZ. 1897, S. 119 ff. besprochenen 
Dienerstatuen, denen ebenso die berühmte Statue des Zwerges, Giseh Nr. 144. hinzuzurechnen ist, 
da er die Titel ^^\ <^z>^ »Weifszeugbewahrer« oder ähnlich und j, n| » Totenpriester« führt. 

1) ÄZ.1897, S.133. 

^) Die ÄZ.1897, S.123 vom Sarge des 'Ini citirte Beischrift ist nicht wie dort angegeben, 

sondern nach Vergleichung des Originals auch 2^=,^ '^ 'm '"^^^ Brauerin Didits« zu lesen; die 

Darstellung dazu giebt eine Frau wieder, die Getreide zur Bierbereitung schrotet. 

^) Das K'^n ^^" ^'^' ^ ^ ^^* auch wohl dasselbe Wort. Der Wechsel in der Schreibung 

des Anlautes findet sich auch sonst bei Worten mit - — (vergl. Erman , Ägypt. Gramm. § 28). 

*) Gen. 40, 11; Micha 6, 15; Cod. Paris. 44, 90: coii = arab. jwxc »Wein pressen«, »Wäsche 
auswringen « . 



1899.] Miscellen. 85 

Zu Anast. IV, 11 (Sali, I, D). — Den Anfang der bekannten Warnung an 
einen lüderlichen jungen Menschen, Anast. IV, 11 {ähnlich Sali. I, 9), übersetzt 
man gewöhnlich^): 

Man sagt mir: du verläfst die Bücher, 

du giebst dich dem Vergnügen hin, 

du gehst von Strofse zu Straße^), 

der Biergeruch allabendlich, 

der Biergeruch verscheucht die Menschen (von dir). 

Mit der Übersetzung »Strafse« scheint mir hier der Sinn des Wortes li^rw 
nicht genau wiedergegeben zu sein. In dem Berliner Papyrus P. 305H C, Z. 1 — 2 
heifst es nun: 



im^um-r.rrz^m 



»Du (Göttin!) siehst den Tempel von Memphis am Fest der Hitze, 
wenn sein ^i^rw voll ist von Brot und Bier.« 

Das hJrw ist also nicht eine »Strafse«, sondern ein Gebäude, in dem Bier 
und Brot aufbewahrt wird. Wir können folglich im Anast. IV wohl getrost 
übersetzen : 

»du läufst von Kneipe zu Kneipe <■<■. 

Das pafst auch besser in diese sonst so anschauliche Schilderung von dem 
Treiben des jungen Herrn. Wieweit das demotische Wort Jiir, kopt. gip : ;*ip, 
dessen Bedeutung als pvyLY\ »Strafse« gesichert ist, mit unserem h^rw zusammen- 
hängt, wage ich nicht zu entscheiden. Heinrich Schäfer. 

Das Wort für »worfeln«. — In seinem Wörterbuch, Suppl. 223, giebt 
Brugsch nach einem Turiner Totenpapyrus das nebenstehende Bild. Die er- 
klärende Beischrift lautet ;^ ^ ""^^VT^* ^i^ Hand- 
lung selbst vermag sich Brugsch nicht zu erklären. Doch 
kann es nicht zweifelhaft sein, dafs die Geräthe, die der 
Mann in der Hand hat, die bekannten Worfelhölzer sind^), 
die Skizze also das »Worfeln« vorstellt. Die Beischrift 

w , m der das .=000 etwa einem .•■•'^ o. ä. ent- 



sprechen mag, giebt uns wohl kaum genau die Kon- 
sonanten des Wortes, doch haben wir dadurch einen Anhalt, das Wort einmal 
in einem besseren Text wiederzuerkennen. Heinrich Schäfer. 




^) Nach Erman, Ägypt. 348. 

ä) Petrie, lllah.-Kah. IX, 11; erhaltene: Berlin 10773. 10950. 12478. 



80) 



Miscellen. 



[XXXVII. Band. 



Berichtigung. — In der Notiz über die Lesung des Titels c^^, Q^) 
habe ich mich bei der Ermittelung der Lesung d^swtt : sdhütt vor Allem auf die 
Inschrift einer Opfertafel von El Kab bezogen, welche inzwischen^) in einem 
guten Lichtdruck zugänglich geworden ist. Danach ist an der fraglichen Stelle 

IT |i^ 1^ |y zu lesen. Vor Allem aber ist nicht nur hier, sondern auch 

an den übrigen angezogenen Stellen | als eine Variante von j^^, Q zu be- 
trachten. Demnach bleiben die von Crum herangezogenen Stellen die einzigen 
Stützen für die neue Lesung. Nur möchte ich aus dem vierten der von Crum 
gegebenen Beispiele (Sharpe, E. I. 179) eine andere Bedeutung erschliefsen : 
Wenn man sich folgender Wendungen erinnert: 



^^^ 



^=^ 



Y [ ''TnöO r '^inffO 



O 



o o o o o 



A D 



o o o O V) 



1 llJ. 

»Ich leitete viele Arbeiten im Hause (meines) Vaters Osiris in Silber, Gold, 
Lapislazuli, Malachit und allem kostbaren Gestein, und alles dies war auf 
meinen Siegeln«, Mariette, Abydos II 32, 

oder Champollion, Not. I p. 836^): ^ T^l|=i ^^^^Tl ^""^ "*^'® 
beiden Silberhäuser sind unter ihm, die beiden Goldhäuser sind auf seinem 
Siegel « , 

so wird man bei Sharpe I, 79, 13: 1^ ^ U o^ Q n?^ unschwer auf die 

Übersetzung geführt: «das Elektron war unter meinem Siegel». Der Ausdruck 
»auf« oder »unter dem Siegel Jemandes sein« heifst zweifellos »unter der Ver- 
waltung Jemandes stehen«. 

Der c^^, Q sdlwt'i würde also ein »das Amtssiegel führender Beamter« 

sein. Ich würde damit fiir den Titel j^ n zu derselben Bedeutung kommen, 

welche bereits Borchardt auf anderem Wege ermittelt hat*). 

W. Spiegelberg. 

Zu Teil el Yahudiyeh ed. Egypt Exploration Fund Tafel VIII. — 
Das Teil el Yahudiyeh Tafel VIII abgebildete Geföfs trägt im neuen Inventar des 
Museums von Kairo die Nr. 3842. Es mifst 0,335 m Höhe und 0,102 m Breite an 
der Mündung. Gegenüber der ersten Ausgabe ergaben sich mir bei der Revision 



^) ÄZ. 1898, S.145. — Wir benutzen diese Gelegenheit, um ein unliebsames Versehen zu 
berichtigen. Bei dem Abdruck der angeführten Notiz mufste ein von dem Verfasser vorgesehener 
Zinkdruck fortbleiben und mehrere darauf bezügliche Zeilen gestrichen vv^erden. Dabei hätte auch 
Z.4 von unten getilgt werden müssen. Dies ist leider übersehen worden, und wir bitten es nach- 
träglich zu thun. Die Redaction. 

2) QuiBELL, El Kab Taf. IV. 

') Ahnlich Rhmirc (ed. Newberry) VII, Z. 3. 

*) ÄZ.1897, S.106. 



1899.] Miscellen. 87 

einige Abweichungen; Hr. Prof. Naville ging daraufhin die Inschrift wieder 
mit mir durch und erklärte im Wesentlichen sein Einverständnifs. Ich trans- 
scribire so: 



Das heifst etwa: gegeben ist ein Gefilfs für den Opfertisch der grofsen 
Isis, der Göttermutter, als Speise (?) für den grofsen (?) Fürsten der . . . [irgend 
ein Fremdvolk] P(a)u(a)rm, seitens seines Sohnes Har m s5i, des Sohnes des 
Puhnf. Kite(?) 33(?). 

Zur Lesung: das NAViLLE'sche Facsimile ist im Ganzen zuverlässig, nur 

Einzelheiten sind w^ie folgt zu berichtigen. P^© ist nach dem Original zweifel- 
los, ra I ist zwar nicht sicher, aber sehr wahrscheinlich statt rh T (sie) ; die 

schwarze Farbe ist hier, wie häufig, ganz abgeblättert, und nur noch die Um- 
risse des Zeichens sind sichtbar. Von dem folgenden Fremdnamen kann man 

nur sagen, dafs er auf o endigte, für den gewöhnlichen Titel »Grofsfürst der 

libyschen Söldner« die Zeichenreste aber nicht stimmen. 

Ganz unsicher bleibt der Schlufs, Dafs hinter dem deutlichen 30 noch 
Einheiten standen, lehrt das Original; aber was die Zahl bedeutet, bleibt unklar. 
Naville sah darin (a. a. 0. S. 29) die Regierungszahl irgend eines Herrschers 

und las | „ ; aber eine solche Angabe wäre doch sehr ungewöhnlich an der 

Stelle, wo v^ir ihr begegnen. Auf Gegenständen hellenistisch -römischer Zeit 
pflegt das Alter, in dem der »Besitzer« der Beigabe gestorben ist, angegeben 

zu werden, und daran könnte man hier denken. Aber das Zeichen für j hat 

eine so ungewöhnliche Form, dafs ich darin eher m erkennen möchte und in 

der Zahl die Gewichtsangabe der darin enthaltenen Opfergaben (Getreide oder 
Früchte?) sehen möchte. Sie hätten etwas über 300 g gewogen. 

Schwierigkeiten bleiben auch so noch genug: aber das lästige thu ist doch 
beseitigt, und Ul als »Speise« zu fassen, scheint durch die Grammatik geboten. 
Freilich , für die anscheinend doppelte Sohnschaft des Har m s^i habe ich ebenso 
wenig eine genügende Erklärung, wie ich dem Hinweis Navu^le^s auf das Vor- 
kommen eines P(a)urm auf der Pianchistele etwas hinzuzufügen habe. Die 
schlechte Technik mit der hellblauen Fayencefarbe und nicht sehr guten Glasur 
würde aber für jene Zeit gut passen, und der Charakter der Schrift scheint 
nicht zu v\^idersprechen. v. Bissing. 



Erscliienene Schriften. [XXXVII. Band. 1899.] 



Erschienene Schriften. 

E. Amelineau, Le tombeau d'Osiris. Monographie de la decouverte faite en 1897/88. Paris 

(Leroux) 150 SS. mit 5 Taff. und 1 Plan. 

F. W. V. Bissing, Funde und Erwerbungen in und aus Aegypten 1897 — 1898/99. (Archaeolog. 

Anzeiger 1899,2.) 
E. A. W. Budge, Egyptian religion: Egyptian ideas of the future Ufe. London (Kegan Paul, 

Trench, Trübner & Co.) 1899. 8. XV und 198 SS. 
Bulletin de la societe archeologique d'Alexandrie, i-edige par le Dr. G. Bo tti. No. 2. Alexandrie 

1899. — Darin Abbildung und Beschreibung des am Serapeum von Alexandrien gefundenen 

Apiskolosses. 
Frederic Chabas et Philippe Virey, Notice biographique de Fran^ois-Joseph Chabas 

(BibUotheque egyptologique tom. 9). Paris (Leroux) 1898. 8. 152 SS. und 1 Taf. 
H. Le Chatelier, Sur la porcelaine egyptienne (Comptes rendus CXXIX 387). 
J.Ulrich Durst, Die Rinder von Babylonien, Assyrien und Aegypten und ihr Zusammenhang 

mit den Rindern der alten Welt. Berlin (Reimer). 94 SS. und 8 Taff. 
William Groff, On the religious significance of sculpture and painting among the ancient 

Egyptians. Cincinnati (Museum association 1899). 20 SS. 
0. von Lemm, Kleine koptische Studien 1 — IX (Bulletin de rAcademie Imperiale des Sciences 

de St. Petersbourg X, No. 5). — Darin auch Geographisches. 

— — , Zwei koptische Fragmente aus den Festbriefen des heiligen Athanasius. (In: Recueil des 

travaux rediges en memoire du jubile scientifique de Mr. Daniel Chwolson. Berlin 1899.) 
Expositio totius mundi et gentium, con note di Giacomo Lumbroso. (Accademia dei Lincei 

1898, p. 124 — 168.) — Ein Schriftchen des vierten Jahrhunderts, neu herausgegeben und 

konimentirt; darin eine bemerkenswerthe Schilderung Ägyptens, das noch immer als das Land 

der Götter und der Gelehrsamkeit gilt. 
A. Moret, Stele de la 18*^™^ dynastie representant une fabrique d'arcs (Musee du Louvre) — aus 

der Revue archeologique, 1899. 
W. M. Müller, Die Liebespoesie der alten Ägypter. 46 SS. Mit 18 Taff. in Autographie und 

3 Taff. in Lichtdruck. Leipzig (Hinrichs) 1899. 
V. Oefele, Zur Geschichte der Alliumarten (aus der Pharmaceutischen Rundschau, Wien 1899). 

— Berührt auch die ägyptische Medicin. 
W. M. Flinders Petrie, The development of the tomb in Egypt. (Royal Institution of Great 

Britain, 3. Juni 1898.) 

— - — , The relations of Egypt and early Europe. (Transactions R. S. L. , Vol. XIX, Parti). 
Eugene Revillout, Le concile de Nicee d'apres les textes coptes et les diverses collections 

canoniques. Second volume, dissertation critique (Suite et fin). Paris (Maisonneuve) 1899. 

8. p. 217— 622. — Darin S. 519 — 550 koptischer Text. 
Heinrich Schäfer, Bruchstück eines koptischen Romans über die Eroberung Aegyptens durch 

Kambyses. Sitzungsberichte der Königl. Preufs. Akademie der Wissensch. zu Berlin 1899. 

S. 727—744. 
Kurt Sethe, Das aegyptische Verbum im Altaegyptischen , Neuaegyptischen und Koptischen. 

Bd. I: Laut- und Stammeslehre. XXXV und 292 SS. Bd. 11: Formenlehre und Syntax der 

Verbalformen. XII und 469 SS. Leipzig (Hinrichs) 1899. 
Ulrich Wilcken, Griechische Ostraka aus Aegypten und Nubien. Ein Beitrag zur antiken Wirth- 

schaftsgeschichte. 2 Bde. 860 und 497 SS. 3 Taff. Leipzig-Berlin (Giesecke & Devrient) 1899. 



Leipzig, J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung. — Verantwortl. Redacteur Prof. Dr. A. Eroian, Berlin, Südende. 
Berlin, gedruckt in der Reichsdruckerei. 



Ludwig BoRCHARDT : Der zweite Papyrusfund von Kahun. [XXXVII. Band. 1899.] 80 



Der zweite Papyrusfund von Kahun und die zeitliche Festlegung 
des mittleren Reiches der ägyptischen Geschichte. 

Von Ludwig Borchardt. 



Im Anfang des Jahres 1899 tauchten in Kairo einige Fragmente von Mittleren- 
Reichs-Papyri auf, deren Herkunft nicht zu verkennen war; die auf ihnen vor- 
kommenden Königs- und Ortsnamen wiesen deutlich auf die von Petrie ent- 
deckte Stadtruine der 12. Dynastie bei Illahun, das sogenannte Kahun. Die 
zuständigen Beamten des Kairiner Museums wurden davon in Kenntnifs gesetzt 
und gleichzeitig auch dem gerade in Ehnasje anwesenden Dr. Schäfer davon Mit- 
theilung gemacht. Diesem gelang es, eine gröfsere Anzahl der Fragmente zu 
erwerben. Gleichzeitig brachte auch Grenfell davon nach Kairo. Den bei Weitem 
gröfsten Theil des Fundes aber war Dr. Reinhardt so glücklich ankaufen zu 
können, und er befindet sich heute, dank seiner Güte, im Königl. Museum zu 
Berlin. Um die Herkunft dieses Schatzes sicherzustellen, erbat sich das Ber- 
liner Museum dann noch die Erlaubnifs, Nachforschungen an der vermuthlichen 
Fundstelle vornehmen zu dürfen , was die Ägyptische Alterthümerverwaltung 
auch in zuvorkommendster Weise gestattete. 

Die Untersuchungen an Ort und Stelle fanden in den Tagen vom 12. bis 
26. Juni d. J. statt und ergaben folgenden Befund. Aufserhalb der alten Stadt 
liegen drei Schutthügel, die alten Abfuhrplätze vor den Thoren. Der östliche 









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Stadt 




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Ost- 


Strafse 


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Palast 



Tempel 
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Pyramide 
Usertesen's II. 



N. 



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Nordkoin 



(a: Fundstelle des neuen Papyrus) 



und nördliche davon waren — wenigstens an den untersuchten Stellen — ohne 
Papyri; nur in dem neben dem Tempel gelegenen, den auch die Anwohner als 
die Fundstelle bezeichneten, waren Papyri nachzuweisen, nicht gerade reichlich, 
aber genügend, um diesen Platz als den Fundort der angekauften Stücke be- 

Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Band. 1899. 12 



90 Ludwig Borchardt: Der zweite Papyrusfund von Kahun. [XXXVII. Band. 

zeichnen zu können. Ein dort gefundener Brief war an denselben Tempelvorsteher 
Kmlw gerichtet, der auch in den gekauften Stücken einige Male auf Briefadressen 
vorkommt. 

Da anzunehmen war, dafs der Tempelkoni sich im Wesentlichen aus dem 
Müll und den Abgängen des Tempels gebildet habe, so lag die Vermuthung nahe, 
dafs die dort gefundenen Papyrusfetzen Theile der Tempelcorrespondenz sein 
würden. Eine nähere Durchsicht des Fundes bestätigte dies sogleich, und jetzt, 
wo die ganze Masse in Berlin wenigstens vorläufig verglast ist — auch Griffith 
stellte die ihm von Grenfell übergebenen Stücke dem Berliner Museum freund- 
lichst leihweise zur Verfügung — , kann man wohl sagen, dafs kein Stück irgend 
einer Privatcorrespondenz sich in dem Funde befindet; es sind nur Tempelacten 
und die dazu gehörigen Belege. Eine kurze Übersicht mag dies zeigen. 

Ungerechnet die in Kairo aufbewahrten Fragmente, besteht der Fund aus: 
41 Tafeln eines Tempeltagebuchs, 
5 » Festlisten, 

5 » Priesterlisten, 

63 » Rechnungen des Tempels, 
53 » Briefe an Tempelbeamte, 

6 » pappeartige Conglomerate, 

26 » vorläufig nicht rubricirte Fragmente, 
zusammen 199 Tafeln von im Durchmesser etwa 25x40 cm. 

Die Gröfse der Stücke variirt sehr, von wenigen Centimetern bis zu der 
ganz respectablen Länge von ^4 ™- ^^ bisher noch die Zeit mangelte. Ver- 
suche zum Zusammensetzen der Fragmente zu machen, so läfst sich noch nicht 
überblicken, inwiefern die oben gegebenen Zahlen noch modificirt werden müssen. 

Die Briefe sind nur an einen sehr beschränkten Kreis von Tempelbeamten 
gerichtet. Am häufigsten (15 Mal) tritt fft j J ^ , ^Vvl^ ^ »der Tempel- 
schreiber 7i/r-m-5//« auf, der übrigens auch einige (3) Male als Absender er- 
scheint. Nächst ihm ist ^| J _^ .^^"^^ V^]^^ »der Tempel Vorsteher Zm/w;« 

besonders häufig (5 Mal) vertreten, dann folgen zwei weitere Priester, •=^:£=-^^ 
Sbk-nht und «^^^^^^^^ ^ Sbk-m-s^f. Merkwürdig ist ein leider nur in der 

Anfangszeile erhaltener Brief des ^^ T ^ ^ -41-^ ^ '^ Wr-miw H<^- 

k^w-r^^-m-^fv^t an den Tempelvorsteher von Illahun. Auch Briefe mit der roth da- 
neben geschriebenen Antwort, wie sie auch Griffith schon publicirt hat, finden 
sich wieder. Unter den Briefabschriften, die auch in unseren Acten vorkom- 
men, betriö't eine Reihe die fortgesetzten, aber erfolglosen Mahnungen um Liefe- 
rung von Opfern. Die Briefe unterscheiden sich in ihrer Fassung sehr von ein- 
ander, je nach dem Range des Empfängers; neben schwülstigen, langen Briefen 
befinden sich ganz kurze Bestellzettel. Einen derselben wollen wir hier folgen 
lassen, da er für die weiteren Ausführungen noch von Interesse sein wird. 



1899.] 



Ludwig Borchardt: Der zweite Papyriisfund von Kahun. 



91 



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»Jahr 4, 4. Erntemonat, am 13. 

»Lafs ein gutes Rindsleder bringen. Ich brauche es{?). 

»Ich schicke den NN. danach. Gieb es ihm. 

»Der Tempelschreiber Är-7w-s//. « 

Die Quittungen über gelieferte Opfer beziehen sich auf die Götter; 



^7\^h^ 



(^^ 



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»Anubis auf seinem Berge« 
»Suchos von Sdt«^ 
»Hathor von Atfih« 



und andere, die sämmtlich in ÜMp*"^ " ]—^ I V' ^^^" ^^^^^ »Mächtig ist 



der selige Usertesen«, verehrt wurden. Natürlich kommen auch Opfer für den 
verstorbenen König Usertesen IL und Angehörige seiner Familie vor, z. B.: 

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für den I ^ 

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die 1 ^ h.l\ 
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»die königliche Gemahlin und 
Mutter, die mit der weifsen 
Krone vereinigte«, 

»den Prinzen Wsrtsn-snh»-, 

»die Prinzessin 'IU-k?yt<-<-, 
»die Prinzessin Nfrt<i u. s. w. 



Ihre Geburts- und Todestage scheinen im Tempel gefeiert zu werden. 
So finden wir z. B. auf verschiedenen Documenten die /\ "^^^^^ »das 



Fest des Zum- Himmel -aufsteigens«, womit nur der Todestag Usertesen's II. 
gemeint sein kann, auf den 14. des 4. Wintermonats angegeben. 

Auch über das Todesjahr dieses Herrschers giebt eine Rechnung Auskunft. 
Da sie auch als Beispiel der Abfassung solcher Rechnungen interessant ist, so 
mag sie hier wiedergegeben werden: 

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92 



Ludwig Borchardi: Der zweite Papyrusfund von Kahun. [XXXVII. Band. 



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■ — -> 1 I AAAAAA AAA/^A 

^:^ /-=>-v c^x^ /www 






u 



u, s. w. 



»Liste der Gänse, die dem Anubis auf seinem Berge in »Mächtig ist der 

selige Usertesen« dargebracht wurden der Sbk-m-s^s Sohn 

Imny. « 
»Von Jahr 7.9, 4. Wintermonat, an bis Jahr 7, 2 . Wintermonat , Ende.« 
Jahr 19, 4. Wintermonat, Tag 9: Lieferung des .... der HH-hr-sH-^nh Sohn 
Wsrtsn, /Sr- Gänse *S- Gänse .... 

Tag 21: Lieferung des .... Wsh-h, 
Tag 21: Lieferung des .... Hp, 
1. Erntemonat bis 2., Tag 13, 

bis 3., Tag 20, 

Tag 26 bis 4., Tag 10, 

.... Tag 20 bis (Jahr 1) 1. Überschwemmungsmonat, Tag 1, 
Jahr 1, 1, Überschwemmungsmonat, Tag 1: Lieferung des .... W^h-k^ 



u. s. w. 



Dieses Document lehrt uns: erstens, dafs Usertesen IL — denn die langen 
Regierungen seiner Nachfolger passen nicht zu unseren Angaben — 19 Jahre 
regiert hat, was zu dem im Turiner Papyrus enthaltenen Zahlenrest stimmt, 
und zweitens, dafs im m. R. die neue Zählung nicht vom Todestage des alten 
Königs, sondern erst von dem auf ihn folgenden ersten Thoth beginnt. 

Über andere Fragen der altägyptischen Zeitbestimmung klärt uns die fol- 
gende Rechnung auf: 



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1899.] 



Ludwig Borchardt: Der zweite Papyrusfund von Kahun. 



93 



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11^. 



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©17 I(jq - — 016 

Uli <: > I AAAAAA AAAAAA 

[Zahlen fortgelassen] 



kJlll 



»Berechnung von .... und .... auf ein Jahr. 

»Betrag der sechs Monatseinkünfte für den Tempelschreiber Hr-m-s^f. Jahr 31. 

» Abzug (?) von diesem Betrage: 

»Monat des Abtheilungsvorstehers: 

der M^Mn Sohn . . . .-snb, vom 26. d. 2. Erntem. bis 25. d. 3. 

.... Sohn Wsrtsn, vom 25. d. 4. Erntem. bis 20. d. 1. Überschw. 
Jahr 31. 

.... Sohn . , . ., vom 20. d. 2. Überschw. bis 19. d. 3. 

des Hr-hr-nht Sohn Hr-wr-nht, vom 19. d. 4. Überschw. bis 18. d. 
1. Winterm. 

des Snbi Sohn §<^-hpr-R<^-snb, vom 18. d. 2. Winterm. bis 17. d. 3. 

des Wsrtsn Sohn . . . .-(^nh, vom 17. d. 4. Winterm. bis 16. d. 1. Erntem. 



Summe: 
Rest, der 



[Zahlen fortgelassen] 



Betrachten wir die hier gegebenen Daten genauer, so sehen wir, dafs wir 
hier nur ein Jahr von 354 Tagen, also ein Mondjahr, vor uns haben und daß; 
die Grenzen der angegebenen Monate immer etwa 29 Tage, also einen Mond- 
monat, von einander entfernt sind. Die hier wohl gemeinten Neumonde sind 
aber, wie eine Rechnung ergiebt, nicht beobachtet, sondern nur durch Taxat 



I 



94 



Ludwig Borchardt: Der zweite Papyrusfund von Kaliiin. [XXXVII. Band. 



bestimmt. Aber so viel geht sicher aus dieser Tabelle und aus anderen ähn- 
lichen hervor, dafs die Einkünfte der Priester nach Mondmonaten berechnet 
wurden und dafs die Abtheilungsvorstelier im Jahre wechselten. 

Über diesen Wechsel gewisser Priester — der uns als :>'c'?^i »Laienpriester- 
schaft« bekannten — giebt uns die folgende, einer Rechnung entnommene Liste 
willkommenes Material. Dieselbe zählt auf: 



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1. den Fürsten und Tempel Vorsteher, 

2. den Abtheilungsvorsteher in seinem Mon 

3. den ersten Vorlesepriester, 

4. den Tempelschreiber in seinem Monat, 

5 . den gewöhnlichen Vorlesepriester in s. Mon 

6. den Wif- Priester in seinem Monat, 

7. den in seinem Monat, 

8. die 2 .... in ihrem Monat, 

9. die 2 Priester des Königs in ihrem Mona 

10. den . . ., 

11. die 4 Thürhüter, 

12. die 2 Thürhüter, die im ...... 

13. den des Tempels. 



Man sieht also, dafs nur der Tempelvorsteher, der erste Vorlesepriester 
und die Unterbeamten des Tempels ständig sind; alle übrigen sind wechselnde 

Laienpriester, die zu V ^ ^ ^ »den Phylen der Laienpriesterschaft« ver- 
einigt sind. Hiervon gab es schon damals, wie in der Ptolemäerzeit bis zum 
Decret von Canopus, vier, die sich im Dienste ablösten. Wie diese Abthei- 
lungen sich gegenseitig den Dienst abtraten, sich die Abgabe und Übernahme 
der Tempelgeräthe u. s.w. quittirten, darüber liefert uns das Tempeltagebuch, 
von dem wir jetzt eingehender reden wollen, viel Material. 

In 41 Tafeln unseres Fundes ist uns nämlich in gröfseren und kleineren 
Stücken ein Document erhalten geblieben, auf dem von Tag zu Tag die wichtige- 
ren Ereignisse der inneren Verwaltung des Tempels verzeichnet wurden. 

Die Einrichtung eines solchen Tagebuchs war sehr einfach. Jeder Tag 
beginnt mit dem Datum und dem Namen des diensthabenden Priesters; gelegent- 
lich wird auch bemerkt, ob es nur ein Vertreter des Diensthabenden sei, z.B.: 



1899.] 



Ludwig Borchardt: Der zweite Papyrusfund von Kahun. 



95 



»Jahr 6, 4. Wintermonat, am 28.: der Priester des Königs, des Nfr Sohn, 
Wsrtsn. « 

Dahinter folgen dann allerlei Notizen. Häufig sind Inventarverzeichnisse 
von Tempelgeräthen , in denen es etwa heifst: 



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J^ll 

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171111 

171111 

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-^11! 

u. s. w. 



Kupfer: ^s#- Krüge 2 

Deckel?? 1 

Elektron: Räuchergefafs 1 

» sein Untersatz?? 1 



Kupfer : Gn 

» Altar? 

» Niw . . 

» Dnt 

» i)5r^- Krüge 

» cch- 
Cedernholz: ^I^yt 



Interessanter wird solches Verzeichnifs , wenn gar Statuen inventarisirt 
werden, z. B. : 

I I I 



DUUoJ( I I 



5 






■MlMCIä^I 



^ I 



A/WWA j—,, I 



..5 






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96 



Ludwig Borchardt: Der zweite Papyrusfund von Kahun. [XXXVII. Band. 









AWWN 



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III 






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Statuen und Königinnenbilder 



Akazienholz: Statue des seligen Us. II, 
Was darauf ist: Hülle? 



Ebenholz: Statue des seligen Us. IL 

Was darauf ist: Schurz 
Elfenbein : Statue des regierenden Us. III. 

Was darauf ist: Schurz 
Hammamat- Stein: Statue des seligen Us. IL 

Statue des regierenden Us. III. 
Ssndm -Holz : Statue der königlichen Frau und Mutter, der mit der 
weifsen Krone vereinigten, Grofsen, der seligen 
Was daran ist: Schurz 
Ssnd7n-'Ro\z: Statue der königlichen Frau, der mit der weifsen 
Krone vereinigten, der Kleinen, der regierenden 
Was daran ist: Schurz 
Mnhyw -Stein: Statue der königlichen Frau und Mutter, der mit 

der weifsen Krone vereinigten, Grofsen, der seligen 
Granit: Statue der königlichen EVau, der mit der weifsen Krone 
vereinigten, Kleinen, der regierenden 
Es werden übrigens auch Statuen von Prinzen und Prinzessinnen , ja selbs 
solche von hohen Würdenträgern genannt, z.B.: 



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Ssnd?n -Holz: Statue des Gouverneurs . 
Hs^w -Holz: » » » 

Ssndm -Holz: » » Siegelträgers . 



u. s. w. 



noch dreimal 



1899. 



Ludwig Borchardt: Der zweite Papyrusfund von Kahun. 



97 



des Siegelträgers 



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'n. 



des Vorstehers der Schatzmeister 
des Schreibers vor dem Könige 



Solche Inventarisirungen treten deshalb so häufig auf, weil sie sehr oft, 
anscheinend zum Zwecke der Übergabe des Tempelinventars von einer Phyle 
an die andere, aufgenommen werden mufsten. Auf die Inventare folgen nämlich 
ständig Abschriften von Übergabeverhandlungen, etwa in folgender Form: 



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I I lii i:r=] £:i o _Mst I J\ ^^ i< 

»p]s berichtet die vierte Abtheilung des Tempels, die Laienpriesterschaft, 
die in diesem Monat abtritt. 

Sie sagen nämlich: Alle deine .... sind in Ordnung. Wir haben alles 
Tempeleigenthum aufgenommen. Alles Tempeleigenthum ist in Ordnung für 
die erste Phyle der Laienpriester des Tempels, welche in diesem Monat antritt.« 

Auf ein solches Abgabeattest folgt regelmäfsig die Bescheinigung der An- 
nahme : 



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I I AAAAAA C^ C^ 



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I I I ^— AAAAAA 



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»Es berichtet die erste Abtheilung der Laienpriester dieses Tempels, die 
in diesem Monat antritt. 

Sie sagen dies: Alle deine .... sind in Ordnung. Wir übernehmen alle 
Geräthe des Tempels , alles Eigenthum des Tempels in Ordnung von der vierten 
Phyle der Laienpriester dieses Tempels, die in diesem Monat abtritt. Der Tempel 
ist in gutem Zustande.« 

Diesen Verhandlungen pllegt dann die Namensliste der neu antretenden 
Phyle zu folgen: 



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Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Band. 1899. 



13 



98 



Ludwig Borchardt: Der zweite Papyrusfund von Kahun. [XXXVII. Band. 



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Namensliste der Laienpriesterabth eilung dieses Tempels, die in diesem Monat 

antritt : 
. . . . //p's Sohn 'Imny-snb, vertreten durch .... Twtw 
.... Hr-hifs Sohn Nlit. 
Der Tempelschreiber Sbk-m-s^s's Sohn Wsrtsen 



. . . . Nht-^nfs Sohn Tmw-pw . . . 

Ht-hr-sH's Sohn Wsrtsn 
.... 7#/'s Sohn Hnti-htp 

P^y's Sohn 'Imnw. 
Der Thürhüter, Asiat WJsrfe/i 
.... Asiat Mri, vertreten durch 



vertreten durch 



Nht 



Hnti-htp. 



Die übrigen Aufzeichnungen betreffen Tempeleinkünfte, Opferquittungen und 
Ahnliches. Es sind wohl meist Abschriften solcher Bestellzettel, wie wir Eingangs 
einen, den über das Rindsleder, erwähnten. Ein diesem gleicher Vermerk findet sich 
übrigens, wenn auch mit einem anderen Datum, in unserem Tagebuch ; er lautet: 

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»Abschrift des Briefes .... nach der Stadt 'Zufrieden ist der selige Wsrtsn , 

ȟberbracht von dem Schuster des Pth-s^nh Sohn, Pth-wr. 

»Lafs ein Rindsleder oder ein (..?)- Leder bringen. 

»Gieb es dem Schuster Pth-wr, und lasse es aufschreiben. 

»1 Rindsleder diesem Schuster übergeben.« 



1899.] Ludwig Borchardt: Der zweite Papyrusfund von Kahun. 99 

Das bei Weitem wichtigste Resultat, das die Durchsuchung dieses Tage- 
buchs bisher ergeben hat, ist aber ein chronologisches. Wir finden nämlich unter 
den Aufzeichnungen ein neues Sothisdatum, durch das unsere Kenntnisse der 
absoluten Chronologie der älteren ägyptischen Geschichte wieder um ein gutes 
Theil erweitert werden. Auf einem der Fragmente steht die folgende Notiz: 



»Jahr 7 [3. Wintermonat, am 25.]^) .... der SH-tp-ihw Sohn Rhw-<^nh 

»Abschrift des Briefes .... Stadt 'der selige Usertesen ist mächtig' 

»überbracht durch (nicht ausgefüllt) 

»Der Fürst und Tempelvorsteher Nb-hw-r^ an den ersten Vorlesepriester 
Ppy-htp. 

»Du sollst wissen, dafs der Aufgang des Sirius am 16. des 4. Wintermonats 

stattfindet. Mögest Du [benachrichtigen?] die Laienpriester des Tempels 

der Stadt 'mächtig ist der selige Usertesen' und des Anubis auf seinem Berge 
und des Suchos .... Und lasse diesen Brief an (das Anzeigebrett?) des Tem- 
pels machen.« 

Zufälligerweise ist uns auch ein zu derselben Handschrift gehöriges Frag- 
ment erhalten, auf dem unter dem 17. des 4. Wintermonats des Jahres 7, also 
einen Tag nach jenem von dem Tempelvorsteher angekündigten Aufgange des 
Hundssterns, unter den Einkünften des Tempels vermerkt sind: 

(g'i'i'i' ilü-T^niE Spk^il 

le^ — ](^kc^x I .1 ^m^nnn^ M 

»Jahr 7, 4. Wintermonat, am 17 

»Einkünfte: Festgaben des Sothisaufganges .... 
»200 verschiedene Brote. 60 Krüge Bier . . . .« 

Die zweite der eben genannten Notizen über den Siriusaufgang war übrigens 
bei der Durchmusterung des Fundes die erste , welche dem Verfasser in die Hände 

^) Ergänzt nach den vorhergehenden Daten. 

13* 



100 Ludwig BoRCHARDT : Der zweite Papyrusfund von Kalum. [XXXV^II. Band. 

fiel; an ihrer richtigen Lesung hat auch Sethe, der gerade anwesend war, 
wesentlichen Antheil. 

Auf die Wichtigkeit, die beide Aufzeichnungen für die ägyptische Chrono- 
logie haben, brauchen Aegyptologen nicht erst besonders hingewiesen zu werden. 
Es ist allgemein bekannt, wie die bisher bekannten Angaben über Siriusaufgänge 
zur Fixirung verschiedener Punkte in der ägyptischen Geschiclite gedient haben. 

Das ägyptische Kalenderjahr, dessen Anfang theoretisch mit dem Frühauf- 
gang des Hundssterns zusammenfallen sollte, bestand nur aus 12 Monaten zu 
je 30 Tagen und 5 zum letzten Monat hinzugerechneten Schalttagen, war also 
mit seinen 365 Tagen um rund '/^ Tag zu kurz. Die Folge davon war die 
Verschiebung des astronomischen Jahresanfanges, d. h. des Frühaufganges des 
Hundssterns, gegen den kalendarischen Jahresanfang. Der Siriusaufgang fiel 
rund alle 4 Jahre um einen Tag weiter in das kalendarische Jahr hinein. Die 
Unzuträglichkeiten, die sich daraus ergaben, sind sehr anschaulich im Decret 
von Canopus geschildert worden, als es sich darum handelte, den Kalender zu 
reformiren : 

Es heifst daselbst unter Anderem: tyj Y\fxepa, ev v] eTriTsXXei. ro ölcrpov ro Ty\Q 
"idioQ, Y\ vofxi^tr oLi ^loL roüv tepwv ypo^ixfJiocrujv vsov stoq slvoci, üyercci ^e vvv ev Tui evuru) 

erei vovy.Y\via rov irocwi fj-yivog, iv (p kcci üysToci xai y, (Jvvci'yoj'yYi rwv Kocpiruiv x.ou vi rov 

TTorocixov (ivo(,ßci(Tig yiverur idv ^e x,cd (TviJ.,ßotivYi ty\v STrtToXYjv rov ci(Trpov iJ,eTocßo(,iveiv 
tiQ krepoLv Yjuepocv ^loi Tea'(Tccpu)v erwv x. r. A. Endlich wird dann die Kalender- 
reform (die übrigens nur von kurzer Dauer gewesen ist) vorgeschlagen, y damit 
die Jahreszeiten wieder ihre Schuldigkeit thuen«-. 

Von einem früheren Versuch , den Kalender zu reformiren , wird hier nie 
gesprochen, trotzdem die Verfasser des Decrets sich stets auf die alten Schriften 
beziehen; es ist also wohl anzunehmen, dafs bis auf die Tage Ptolemaeus' III. 
(Euergetes' I.) die Ägypter sich immer mit ihrem zu kurzen Jahre ohne vier- 
jährige Schaltung beholfen haben. Es sind also alle vor dieser Zeit liegenden 
Sothisdaten für die absolute Fixirung der ägyptischen Chronologie verwendbar, 
und auch die nach Euergetes I. liegenden sind noch benutzbar, da seine Kalender- 
reform nur etwa 120 Jahre in Kraft war und dann, ohne eine Spur zu hinter- 
lassen, verschwand. Die Ägypter müssen also neben dem Jahre des Euergetes, 
das wohl nur officiell in Gebrauch war, sich doch noch immer ihres alten Jahres 
bedient haben, wie sie ja auch später nach Einführung des augusteischen Jahres 
ruhig noch nach ihrem alten Kalender weiter rechnen, wie das die Doppeldatirun- 
gen nach dem »Jahre des loniers« und nach dem »Jahre des Ägypters« zeigen. 

Die durch die sich regelmäfsig verschiebenden Sothisdaten ermittelten Fix- 
punkte der ägyptischen Chronologie sind nun folgende: 

1. der von Censorinus für das Jahr 139 n.Chr. angegebene Anfang einer 
Sothisperiode , wo also der Frühaufgang des Sirius am 1. des ersten Monats 
stattfand ; 

2. das Datum des Decrets von Canopus: Sothisaufgang am 1. des 10. Monats. 



1899.] Ludwig Borchardt: Der zweite Papyrusfund von Kaliun. 101 

Zwischen diesem und dem nächsten Datum föngt eine neue Sothisperiode 
an. Das von Petrie angenommene Sothisdatum aus der Regierung Merenptali's 
ist nicht als solches anzusehen, es folgt vielmehr erst: 

B. die Kalendernotiz von Elephantine aus der Zeit Thutmosis' III. : Sothis- 
aufgang am 28. des 11. Monats; 

4. der Ebers -Kalender aus dem 9. Jahre Amenophis' I. : Sothisaufgang am 
9. des 11. Monats. 

Zu diesen vier tritt nun als fünftes das aus unseren Papyri hinzu, nämlich 
das vom 7. Jahre Usertesen'sIII. : Sothisaufgang am 16. des S.Monats. 

Um allen Zweifeln zu hegegnen, wollen wir erst erörtern, was uns zwingt, 
unsere Notiz in die Regierung Usertesen'sIII. zu setzen, trotzdem der Königs- 
name an keiner der beiden Stellen ausdrücklich genannt ist. Die Fragmente 
des Tempeltagebuchs, aus dem unsere Aufzeichnungen entnommen sind, zeigen 
fiir die Jahre 5 bis 9 die gleiche Handschrift, eine kleine, sehr klare und deut- 
liche, fette Schrift, die sich von den sonst auf unseren Papyri vorkommenden 
Schriften ganz charakteristisch vmterscheidet. Es kann daher keinem Zweifel 
unterliegen, dafs in diesen fünf Jahren das Tempeltagebuch von ein und der- 
selben Person geführt wurde. Nun sind aber in den Aufzeichnungen des neunten 
Jahres Königsnamen erwähnt, und zwar kommen mehrfach Statuen des »seligen« 
Usertesen II. und des »ewig lebenden«, also regierenden, Usertesen III. vor. 
Hieraus folgt, dafs auch die von gleicher Hand geschriebenen Fragmente aus 
dem Jahre 7, die eben die Sothisdaten enthalten, unter Usertesen III. verfafst 
wurden. 

Wir können also die Regierung Usertesen's III. nun astronomisch berechnen. 
Dies ist unter Zugrundelegung der von Oppolzer in den Sitzungsber. d. Kaiserl. 
Akad. d. Wiss. in Wien, Bd. 90, Abth. II, S. 577 veröffentlichten Ermittelungen 
durch Hrn. Dr. Brix zu Berlin geschehen und ergiebt für das 7. Jahr Usertesen'sIII. 
die Jahre 1876 bis 1872 v.Chr. 

Bei diesem Resultat müssen wir uns aber stets vergegenwärtigen, in welchen 
Fehlergrenzen es sich bewegen kann. Die OppoLZER'sche Formel selbst ergiebt 
einen möglichen Fehler von zwei Jahren; ferner berechnet Oppolzer nur die 
wirklichen Frühaufgänge des Sirius für die mittlere Breite von Mittelägypten. 
Nimmt man dagegen an, unser Datum vom 16. des 8. Monats bezöge sich auf 
einen irgendwie berechneten oder taxirten Siriusaufgang und auf irgend eine 
andere Breite, so wird sich das Resultat noch etwas, wenn auch nur wenig, 
verschieben. Endlich ist es auch unsicher, ob die OppoLZER'sche Annahme zu 
Recht besteht, dafs das Jahr 139 n. Chr. das erste Jahr der vierjährigen 
Periode des Zusammenfallens des astronomischen und kalendarischen Jahres der 
Ägypter sei. Brand is behauptet vielmehr auf Grund zweier Stellen des Ptole- 
maeus, dafs es das letzte Jahr eines solchen vierjährigen Zeitraums sei. Unter 
dieser Voraussetzung würde also unser Resultat sich um vier Jahre zurück ver- 
schieben. Wir sehen also, dafs kleinere Ungewifsheiten bestehen bleiben, die 



102 Ludwig Borchabdt: Der zweite Papynisfnnd von Kahun. [XXXVII. Band. 

aber bei der sonstigen Unscharfe der ägyptisclien Chronologie zu unbedeutend 
sind, um weiter berücksichtigt zu werden. Selbst wenn man durchaus an- 
zweifeln wollte, dafs das Datum sich auf Usertosen III. bezöge und etwa User- 
tesen II. oder Amenemhet III., die beiden einzigen noch möglichen Könige, dafür 
einsetzen wollte, würde man nur eine Verschiebung von 19 bez. 38 Jahren 
erhalten, was für diese weit zurückliegenden Zeiten auch noch nicht so un- 
erhört wäre. 

Es ist also das 7. Jahr Usertesen's III. als in die Jahre von 1876 — 1873 
v.Chr. fallend anzusehen, d.h. immer noch etwa 100 Jahre später als es der 
am niedrigsten greifende Historiker Ägyptens, Eduard Meyer, in seinen Minimal- 
daten annahm. Es bleiben uns also für die Zeit zwischen Usertesen III, und 
Amenophis I. , dessen V). Jahr durch die Sothisangabe des Papyrus Ebers auf die 
Jahre von 1545 — 1542 v. Chr. bestimmt ist, nur rund 330 Jahre und für die Zeit 
vom Ende der 12. bis zum Anfang der 18. Dynastie gar nur 200 bis 210 Jahre 
übrig. Ist das mit den sonst bekannten historischen Angaben vereinbar? 

Zuerst scheinen die in der Überlieferung nach Manetho gegebenen Zahlen 
dagegen zu sprechen. Aber diese sind so ungereimt, dafs sie bisher überhaupt 
kein Bearbeiter der ägyptischen Chronologie hat stehen lassen. Er giebt für 
die fragliche Periode der 13. bis einschliefslich 17. Dynastie nämlich zusammen 
1350 Jahre an. 

Dann scheint der Turiner Papyrus mit seiner grofsen Anzahl von Königs- 
namen unserer Annahme zu widersprechen. Diese Königsliste, die übrigens in 
ihren Angaben, wie wir oben gesehen haben, durch unseren neuen Fund sehr 
schön bestätigt wird, giebt aber hier nur Namen; die Zahlen sind leider zer- 
stört, sonst würden wir wohl gesehen haben, dafs alle diese Herrscher der 
13. und 14. Dynastie nur ganz ephemere waren. Die anderen Königslisten 
überspringen die fragliche Epoche fast gänzlich , woraus auch wiederum zu 
schliefsen, dafs sie wohl nur wenig Zeit ausfüllte. Endlich ist der Mangel an 
Denkmälern aus jener Zwischenzeit sehr grofs, was wohl auch nur auf das 
Fehlen langer Regierungsdauern zurückzuführen ist. 

Dies Alles sind Gesichtspunkte, die die Annahme von nur zwei Jahrhunderten 
als Zwischenzeit zwischen 12. und 18. Dynastie wahrscheinlich machen. Ferner 
mufs aber die Betrachtung der Kunstentwickelung uns davon überzeugen, dafs 
man bisher jene Epoche viel zu lang annahm. Henry Wallis wies bereits 
früher darauf hin, dafs die geringe Weiterentwickelung der Kunst zwischen 
mittlerem und neuem Reich eigentlich verbiete, einen grofsen zeitlichen Abstand 
zwischen beiden Epochen zu construiren; und wenn man berücksichtigt, dafs 
wirklich schon ein archaeologisch sehr geschulter Blick dazu gehört, um eine 
Sculptur aus den ersten Jahren Thutmosis' III. von einer aus dem Ende der 
12. Dynastie zu unterscheiden, so wird man dieser WALLis'schen Ansicht nur 
beitreten können. Also auch in Hinblick auf die Kunstgeschichte dürfen wir 
mit der neuen Ansetzung des mittleren Reiches zufrieden sein. 



1899.] Ludwig Borchardt: Der zweite Papyrusfund von Kahun. 103 

Neben der engeren ägyptischen Kunstgeschichte wird aber auch die weitere 
allgemeine Culturgeschichte von unserer neuen Feststellung Nutzen ziehen können. 
Sollten sich nämlich die von Petrie bei Illahun gefundenen Scherben nicht 
ägyptischer Herkunft wirklich, wie es den Anschein hat, als der ältesten 
mykenischen Periode entstammend erweisen, so wäre durch unsere neue Datirung 
der 12. Dynastie auch diese erste mykenische Periode in das 19. Jahrhundert 
V. Chr. gewiesen, eine Zeit, die, wie Prof. Loeschke mittheilt, ihm auch aus 
anderen Gründen sehr wahrscheinlich ist. 



Ein Pyramidentext in ursprünglicher Fassung. 
Von Fr. W. v. Bissing und L. Borchardt. 



xTlIs im Winter 1897/98 Hr. Dr. Heinze , damals dem Kaiserl. Deutschen General- 
consulate zu Kairo attachirt, für das Altägyptische Wörterbuch die beschriebenen 
Pyramiden bei Saqqarah wieder öffnen und ihre Inschriften vollständig ab- 
klatschen liefs, machte in der Pyramide Pepi's I. einer der Arbeiter den zweiten-:?^ 
Verfasser dieses Aufsatzes auf die vielen alten Correcturen^) aufmerksam, die 
sich dort in den Inschriften des südlichen, hinter den Fallsteinen gelegenen 
Theiles des Einganges [Z. 234 — 389 der MASPERo'schen Publication] finden. 

Da liian sofort sehen konnte, dafs diese Textveränderungen sich fast nur 
auf den Namen des Verstorbenen sowie auf die Personalpronomina und -suffixe 
beschränkten, also durch die Umsetzung einer anderen, älteren Fassung des 
ganzen Textes in die jetzt vorhandene bedingt waren, da auch in der Ver- 
öffentlichung diese Correcturen nur gelegentlich erwähnt werden , so lohnte es 
sich wohl der Mühe, den ganzen corrigirten Theil mit besonderer Berücksichti- 
gung der veränderten Stellen noch einmal genau durchzusehen. 

Hierbei wurde so vorgegangen: zuerst wurden von beiden Verfassern ge- 
meinsam in die MASPERo'sche Publication die unter dem heutigen Text noch 



^) Diese sind entweder durch Ausmeifselung oder so hergestellt, dafs die alte Lesart nur 
mit Gipsmörtel verschmiert und dann die neue darübergeschnitten ist. Der ausgefallene Gips 
läfst jetzt vielfach beide Lesungen erkennen; an den Stellen, wo er noch haftet, zeigten sie die 
verschiedene Färbung oder kleine Niveau - Unterschiede an. 



104 V. BissiNc u. Borchardt: Ein Pyrainidentext in nrspr. Fassung. [XXXVII. Band. 

sichtbaren älteren Lesarten vor dem Original eingetragen und auch vermerkt, 
welche Textworte heute in Rasuren stehen, selbst wenn die ältere Lesart nicht 
mehr sichtbar ist. Dann wurde vom zweiten Verfasser allein nach den neuen 
Abklatschen, die scharf genug sind, die meisten der Correcturen auch auf ihnen 
sichtbar zu zeigen , eine Neuabschrift des Textes hergestellt, und zwar mit der 
Zeichenanordnung des Originals und unter Eintragung der in die MASPERo'sche 
Publication eingetragenen älteren , fortcorrigirten Lesarten sowie der auf den 
Abklatschen noch gefundenen. 

Hierbei stellte sich heraus, dafs es sich bei einem grofsen Theile des Textes 
eigentlich um drei übereinandersitzende Lesarten handle. Die erste, älteste, 
gab den Text in der ersten Person, die zweite in der dritten und die letzte 
erst führte den Namen des Verstorbenen ein. Bei so complicirter Lage der 
Sache war es natürlich sehr wahrscheinlich, dafs, wenn schon die zweite Les- 
art unter der letzten schwer erkennbar war, von der ältesten oft nur unbe- 
stimmte Zeichenspuren sichtbar schienen. Um hier ganz sicher zu gehen, wurde 
der von uns so bearbeitete Text an Sethe, den besten Kenner der Pyramiden- 
texte, gesandt mit der Bitte, uns anzugeben, wo er aus textkritischen und 
grammatischen Gründen Zweifel an unserer Wiederherstellung habe und welche 
Stellen nochmals nachzuprüfen seien. P]twa 40 Punkte, die Sethe uns so an- 
gab, wurden darauf nochmals am Original nachgesehen. 

Auf diese Weise glauben wir einen leidlich correcten Text hergestellt zu 
haben. 

Sollten noch Stellen zu Zweifeln Veranlassung geben, so ist leider eine 
nochmalige Nachprüfung, der wir uns gern unterziehen würden, zur Zeit un- 
möglich, da, entgegen unserem Antrage, die mit so grofsen Kosten wieder ge- 
öffneten Pyramiden durch Einsetzen von eisernen Thüren den Gelehrten offen 
zu halten, der interimistische Director des Service des antiquites sie im Sommer 
1898 hat wieder verschütten lassen. 

Im Folgenden ist der Text in der Anordnung des Originals gegeben, die 
vielfach für das Verständnifs der Correcturen wichtig ist. Die auf Rasuren 
stehenden Stellen sind besonders hervorgehoben. Ist die ältere Lesart unter 
der Rasur sichtbar, so ist sie rechts daneben angegeben. Ist unter dieser noch 
die erste, älteste Lesung zu ermitteln gewesen, so ist dieselbe noch weiter nach 
rechts vermerkt. 

Einen Commentar zu geben überlassen wir gern Berufeneren. 



F. W. von Bissing uad L. Borchardt, Ein Pyramidentext. [XXXVII. Band. 1899.1105 



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Zeitsohr. f. Igypt. Spr., XXXVII. Band. 1899. 



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106 F. W. von BissiKG und L. Borchärdt, Ein Pyramidentext, [XXXVII. Band. 



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1899.] F. W. von Bissmr, und L. Borchardt, Ein Pyraraidentext. 107 



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108 F. W. von Bissing uad L. Borchardt, Ein Pyramidentext. [XXXVII. Band. 







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F. W. von Bissing und L. Borchardt, Ein Pyramidentext. 



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110 F. W. von Bissing und L. Borchardt, Ein Pyramidentext. [XXXVII. Band. 



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F. W. von Bissing und L. Borchardt, Ein Pyramidentext. 



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114 F. W. von Bissing uad L. Borchardt, Eiu Pyramidentext. [XXXVII. Band. 



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F. W. von Bissing iind L. Bobchardt, Ein P3'ramidentext. 115 



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116 F. W. von B188INQ und L. Borchabdt, Ein Pyramidentext. [XXXVn. Band. 



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1899.] F. W. von Bissing luid L. Bokohardt, Ein PjTamidentext. 



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118 F. W. von Bissing und L. Borchardt, Ein Pyramidentext. [XXXVII. Band. 



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120 F. W. von Bissing und L. Boechardt, Ein Pyramidentext. [XXXVIl. Band. 



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1899.] F. W. von Bissing und L. Borchardt, Ein Pyramidentext. 121 



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ZeltBohr. f. Ägypt, Spr., XXXVII. Band. 1899. 



16 



122 F. W. von Bissing und L. Borchardt, Ein Pyramidentext. [XXXVII. Band. 



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1899.] 



J. H. Breasted: Thutmose III. 's First Campaign. 



123 



The Length and Season of Thutmose III.'s First Campaign. 
By James Henry Breasted. 



It is a well known fact tliat Thutmose III. celebrated three great feasts of 
victory in Thebes on bis return from bis first campaign in Syria. Strangely 
enougb bowever, tbat of Brugsch') is the only one of tbe later histories wbich 
mentions these feasts, and none^) has taken note of the fact that tbe record 
of these feasts furnisbes tbe data for determining the length of tbe campaign 
wbose success they celebrate. The passage is as follows^): 



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1) Geschichte 328 — 329. 

^) Lieblein (Rec. 1, 68 — 69) has made use of this date, but employed only Brugsch's Re- 
cueil (I 43) which gives the year 22 ! as the year of Thutmose's return. Hence Lieblein supposed 
there was a campaign of the year 22 , and another of year 23. A coUation of Lepsius would have 
obviated this error. 

*) LD. III, 306 11.1 — 6; Brugsch, Rec. des Mon. I 43; beginning at yw w'h (1.2) the text 
is again reproduced by Brugsch, Thes. II 363 with soine oinissions; but he unfortunately stops 
near the end of 1. 3 and strangely enough does not include the important date (in 1. 5) in his 
further extracts from this inscription. I have coUated all three publications and Lepsius' squeeze. 



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o^^ 'f^; Lkps.: ä4)\^^^^^U®; squeeze as above; the 

reading is certain therefore. 

°) Neither Lepsius nor Brugsch has any indication of the amount lost at the beginnings 
of the lines. 



') Br. has 



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but in view of the annals, according to which the first campaign was con- 



ducted in the year 23, Lepsius is of course correct in giving 23. Squeeze has 23. 
') The tc is uncertain on the squeeze. 

Zeitschr. f. Äoypt. Spr., XXXVII. Baiul. 1899. 17 



124 



J. H. Breasted: Thutmose III. 's First Cainpaign. 



[XXXVII. Band. 



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List of offerings (6) 



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»Behold he landed at Thebes, — (?) (2) My majesty established for 

him a feast of victory anew, at the return of my majesty from the first vic- 
torious campaign, overthrowing wretched Rethenu (and) widening the confines 
of Egypt, in the year 23 by the victories which he gave to me. (8) « 

[»The first feast of victory, was celebrated at the feast: (name of the feast 
of Amon)], the first feast of Amon, in order to make it of 5 days duration.« 

»The second feast of victory^) was celebrated at the feast: 'Day of Bringing 
in the God', the second feast of Amon, in order to make it of 5 days duration.« 



') hb tpi n nJit after hb tpi n ^Imn, in the following phrase. Br., Tlies. is totally confused. 

^) A^ is wanting in Br., both Rec. & Thes. Squeeze has it. 

») Br., Rec. ® ! ! 

*) Br. gives no trace of the month nuin])er. 

^) The text shows a dittography of n hb. Tliis genetive ?i to express apposition is not un- 



common , cf. 



(Ahniose-si- Ebene 1.5) »the ship (of) The Bullock«. 



1899,] J. H. Breasted: Thutmose lll.'s First Canipaign. 125 

»The tliird feast of victory was celebrated, at the 5tli feast of Amon, in 
Hnkt-<^nh^) [in order to make it of 5 days duration].« 

»[My majesty established for him] a great oflfering for this feast of victory, 
which my majesty made anew, consisting of: (List of offerings).« 

»[Year 23, Month] 2 of S't, day 14, when the majesty of this august god 
proceeded, to make his voyage in his Southern Opet, my majesty established 
a great offering for this day, at the entrance into Southern Opet, consisting of : 
(List of offerings), from the first of the victories which he gave to me. « 

As the three feasts of victory are distinctly stated to have been established 
at the return from the first campaign, the date of any one of these feasts 
would determine approximately the date of the king's return. The first feast 
of victory coincided in date with the first feast of Amon. Unfortunately the 
feasts of Amon are not numbered in any of the surviving calendar fragments, 
but the first feast of Amon can hardly be any other than the Amon-feast occur- 
ring first in the year. As the name of the feast has disappeared it is impossible 
to compare with the calendar of Amon at Medinet Habu'^), and it is a question 
whether the astronomical feasts in Thoth could be called feasts of Amon^). In 
view of the uncertainty, we can do no more than affirm that the first feast 
of victory took place early in the calendar year, and that Thutmose III. had 
therefore returned to Thebes by that time from his first campaign. 

The second and third feasts of victory again, cannot be dated by the 
numbers of the Amon - feasts with which they coincide , but the name of the 
second feast of Amon, coincident with the second feast of victory, is preserved as 
O n 1"^» »the day of bringing in the god«. This name is not found in 
any of the calendars. It belongs to an incident connected with Amon's «Southern 
Opet festival«, viz. the return from Luxor (Southern Opet) to Karnak. This is 
clear from the words of Piankhi in his great inscription (11. 25 — 26)*): 

Pf.i]^k^1--<^«'Ti 

Here fortunately the date of this return to Karnak is added: the 2nd of 
Hathor^); hence the second feast of victory was celebrated on this day. But 
it is clear that Thutmose III. was present in Thebes before this date. 

After fixing the calendar of the three feasts of victory (11. 3 — 4) the text 
goes on to enumerate lists of offerings to be presented to Amon on these and 



') The name of the mortuary temple of Thutmose III.; read '=' = Hnkt-(nh. See Spiegel- 
berg, Rec. XIX 86—89. "^ 

=^) Br., Thes. II 364 and Dum., Kai. X— XIV. 

^) Although the feast of the new year is called a feast of Amon on the Elephantine frag- 
ment, Br., Thes. II 363. 

*) From a photograph. ^) See de Rouge, Mel. d'Arch. I 134. 

17* 



126 J. H. Breasted: Thutmose III. 's First Campaign. [XXXVII. Band. 

other feasts of this god (11. 4 — 6). At the feast of Amon in Southern Opet 
(Luxor) there appear offerings from tlie first of the king's victories. The date 
of this feast is given, but unfortunately is not completely preserved. The 
number of the ^7-month cannot be less than two, but it may be three^). This 
wouhl leave a month's margin of uncertainty. We must therefore turn to 
the Amon-Calendar for the date of this feast. Unfortunately we possess 
no complete Amon-Calendar of this period. The Karnak fragments") of Thut- 
mose III.'s time do not contain this feast. It is luckily preserved however on 
the Elephantine fragment^) as follows: 

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It is here given as beginning on the 15tli of the second s'^-month 
(whereas our text has the 14th) and lasting 11 days. Later, in the time of 
Ramses III.*), it began on the 19th^) of the second s'^-month, continued dur- 
ing the remaining 12 days of that month and 12 more in the next (continuing 
therefore 10 days after the return to Karnak on the 2nd), a total of 24 days*"'). 
It is clear therefore that the month -number in our passage is two^). The arrival 
of Thutmose III. in Thebes after Ins first campaign could therefore not have 
been later than the 14th of the second i'^-month (Paophi) of his 23rd year*) 
and it is possible that he arrived there several weeks earlier than this. The 
dates for his first campaign from beginning to end are therefore as follows'^): 

') It is remarkable that Brugsch (Thes. II 363) has not included this date. He has evidently 
used it later, for he speaks of »ein grofses, zu Ehren des Gottes Amon gefeiertes thebanisches 
Fest« taking place on the ]4th of Paophi (Aegyptologie 362, also Gesch. 329) which shows that 
he accepts the month number as »two«. 

2) Br., Thes. II 362 and Mar., Kar. pl. 14. ^) Br., Thes. II 363; LD. III, 43 c. 

*) Great calendar of Ramses 111. on the south wall at Medinet. Habu, Brugsch, Thes. II 364 
and Dum., Kai. XV — XVIII. It is here called simply: »his feast of Opet« ; it bears the sanie des- 
ignation in the fragments of Ramses II. 's calendar (Dum., Die Kalendarischen Opferfestlisten im 
Tempel von Med. Hab. Taf. 1 Nr. 10, Taf. 2 Nr. 13); but it can hardly be any other than the 
feast of the Elephantine fragment above. So also Brugsch, Gesch. p. 329, footnote, referring only 
to Ramses III. 

*) DÜMicHEN (Taf. XIV) has 18th; his own text (Taf XV) where the 19th is called the 
»first day of the feast«, shows that this is an error. 

^) An increase in the length of the feast is what we should expect under Ramses III. 

') This may also be demonstrated from the date in the Piankhi passage above, for the voyage 
in »Southern Opet« must of course have preceded the return to Karnak on the 4nd of the 3rd .9'^- 
month; hence, in order to take place on a 14th day, it must have happened in the preceding, viz. the 
2nd .^V- month. Hence also, the later name of the 2nd month: »Paophi« (= Pä-'Opet). 

*) I take it no one will question the restoration »year 23«; for the context places it beyond 
doubt. Lieblein also restores 23 (Rec. I, 68 — 69) but curiously places the date at the heginning 
of Thutinose's 23rd year for he says: »ce fut au commencement de l'an 23 que Thotmes III fit 
l'offrande, dont parle Finscri^Dtion , pour la victoire qu'il avait reinportee l'an 22«. This confusion 
renders any conchision as to the length of the first campaign impossible, for there was no cam- 
paign of the year 22, and the second i'^- month is 6 months distant from the »commencement« 
of Thutmose's 23rd year (Pachon 4). 

9) From the texts of the Annais LD. III, 3U 11.1 — 67; ib. 32 11. 1 — 32 = Br., Thes. V 
pp. 1153— 1166, n. 1— 79 and 1—21. 



1899.] J. H. Breasted: Thutmose III.'s First Campaign. 127 



T-. Approximate distanre 

*'-'^^'"^- Enj;Iisli iniles. Year of reigii. Calendar inoiitli. Day. 

jin Zaru j 22nd 8tli 25tli') 

In Gaza; Feast of Coronatioii ( ^ 23r{l 9tli 4tli 

Departure fVo.n G.za je.80to90 ■ " ^th 

In Y ehern M „ „ ][ß^]j 

In Erune • >, 



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Departure froin Erune i » » 20tli^) 

Arrival before Megiddo ( ^- ^'" ^ „ „ 20th-') (c. 1-00 p. m. 

Battle of Megiddo ,, „ 2 Ist 

Beginn ing of Siege of Megiddo » „ „ 

Capture of Megiddo ) „ p 9 



Capture of Megiddo ) 

March to Lebanon jatleast75 



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Capture ofYenoain, Neges «nd V 148 days 

Hurenkeru^) „ '^ '^ 

Construction of Fort in Lebanon ) « ? 9 

Return to Thebes /OverDOO*) 



l not later I 1 1 j-1 

itlian 2ik1 1 -itJl 



In less than 148 days, roughly five months, Thutmose III. fought the battle 
of Megiddo, eompletely invested with a wall the powerful fortress of Megiddo 
itself and captured it; marched northword 75 miles to the Lebanon Region, 
captured three eitles and bnilt a fortress there; completed the return to the 
Delta coast and the voyage up river to Thebes ; and celebrated his first feast of 
victory there. The entire campaign from the departure from Zaru to the arri- 
val in Thebes lasted a maximum of 175 days; that is, in 5 months and 
25 days from the day on which he left Zaru he was celebrating his great 
feast of Amon at Thebes. Fortunately we are able to loeate this period 
approximately in the astronomical calendar and teil in what month he went 
and returned. According to a fragment in Elephantine, as is well known, 
a heliacal rising of Sothis took place during the reign of Thutmose III. on the 
28 of Epiphi^). Calculated from this datum, the march from Zaru took place 
about April 17th and the celebration in Thebes after Thutmose's return, about 
Oct. 9"). The entire campaign in terms of our own calendar is as foUows: 

^) Lacking in LD. and Brugsch bat preserved in Champ., Not. descr. II 154. 
^) Date is not given in the text, but is clear from the context. 

^) The three cities may have been captured during the march to Lebanon; see Müller, Asien 
pp. 200 fF. 

*) Of this distance at least 500 miles would be made on the Nile. It is extremely pro- 
bable that the northern half was also by water on the Mediterranean. Otherwise we must assuine 
that Thutmose travelled with unusual rapidity. Of course he would return far in advance of 
his army. 

») Brugsch, Thes. II 363; LD. III, 43 e; de Morgan, Cat. des Mon. I 121. 
^) I purposely refrain from introducing here any computation for the year B.C., as I de- 
sire merely to establish the season of the year, not the year. Leaving such computations entirely 



128 J. H. Breasted: Thutiiiose III. 's First Campaign 

Event. 

In Zaru 

In Gaza. Feast of Coronation 

Departure from Gaza 

In Yehem 

In Enine 

Departure from Enme 

Arrival before Megiddo 

Battle of Megiddo 

Beginning of Siege of Megiddo 

Capture of Megiddo 

Marcli to Lebanon 

Capture of Yenoam, Neges and Hurenkeru 

Construction of Fort in Lebanon 

Return to Thebes not later tlian 

I have not at band the data for comparing this itinerary with the mar- 
ches of later armies, but it is interesting to note tliat the campaign falls 
exactly witliin tlie limits of the dry season in Palestine. The rains of 
Winter in Palestine have ceased by the middle of April and begin again 
by the end of October^). Thutmose moved out of Zaru just as the rainfall 
ceased, and allowing him, five or six weeks for his return journey from 
Lebanon to Thebes, he would have left Lebanon not long before the return 
of the rains "). 

It is further evident that Thutmose's campaign was in the summer, from 
the fact that he arrived at Megiddo in time to cut the standing grain as 
forage for the army. Afterward he harvested the fields of Megiddo and 
registered the yiehP). 

The inonth of his other campaigns is omitted, except in the case of the 
seventh in »year Bl, first month of ^mw, day H«, which would also fall in 
the latter part of April ^). 



iign. 


[XXXVII. Band 


Approxi 


nate date. 


April 


17th 


» 


26th 


» 


27th 


May 


8th 


» 


llth 


» 


12th 


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12th 


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13th 


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13th 


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Oct. 


9th 



aside, we can establish the date in the yearly calendar within a maximum inargin of uncertainty 
of — 5 or +7 days, as we do not know the exact date in Thutmose's reign to which the Ele- 
phantine calendar l)elongs. Assuming its date to be the same year as the campaigns, we have 
the calendar as I have given it with the above uncertainty. Dr. Mahler (ÄZ. 1889, S. 101 — 102) 
i-egards the dates in the Annais as given in terms of the fixed year. This places the departure 
from Zaru as early as the 9th oi- lOth of March. That the dates in the annals are as usual in 
terms of the shifting calendar is a priori certain; further, a march from Zaru so early as March 
lOth 5 weeks before the close of the rainy season is exceedingly im probable. 

') G. A. Smith, Historical Geography of the Holy Land pp. 63 — 64. 

^) They are often a month earlier in Lebanon than elsewhere, ibid. p. 64, note 1. 

3) LD. III, 32 11.20—21. 

*) Text: Leps. Ausw. XII 1. 9 = Brugsch, Thes. p. 1171. 



1899.] J. H. Breasted: Thutmose III.'s First Campaign. 129 

The Syrian campaign of Amenhotep IL falls also in the dry season'). On 
the 26tli of Paclions he crossed the Orontes; this was about the middle of May'^), 
just at the time Thutmose IIL arrived in Northern Palestine. Fourteen days 
later^) , that is about the first of June Amenhotep arrived in Niy. Ten days 
later we find him capturing an unknown city in the same region, but un- 
fortunately we are not able to pursue his itinerary further. Ramses IL also 
employed the summer for his Syrian campaigns. On the 9th of Epiphi he 
was in Phoenicia*) on the march against Kadesh. Admitting with Brugsch^) 
that the rising of Sothis took place on the first of Thoth in the 30th year 
of Ramses IL 's reign, this would date his march through Phoenicia about the 
30th or 3 Ist of May. Twenty years ago, without the aid of the above Sothis 
dates, Lieblein made it very probable that the Pharaohs conducted their Syrian 
campaigns in the dry season^). He adduced in addition to his chronological 
arguments, the very convincing testimony of Hebrew references to the season 
of war. 

It would be of great interest, as well as very important for our chronology, 
to establish the season of campaigning in Nubia also. With the new Sothis 
date discovered by Borchardt, this could now be done for the middle as well 
as the new einpire. 



^) The following based on a collation of: Champ., Not. desc. II 18.5 — 186 (only 11. 1 — 10, 
1.9 is not oinitted as indicated); Maspero, ÄZ. XVII 56 — 57 (copies Champ.); RIH. 175 — 176; 
BouRiANT, Rec. XIII 160 — 161; Wiedemann, PSBA. XI, 422 — 423; emendations by Erman, 
ÄZ.1889 S. 39— 41. 

^) Allowing for a few days gained since Thutmose III.'s calendar of Elephantine. 

^) »2nd month of Smw (Pauni) lOth day« ; the texts of de Rouge, Bouriant, Wiedemann 
and Brugsch (translation) all show »month 2« against Champollion's »month 3« usually accepted. 
Note further that the following date is also in month 2. That smw, not st, is to be read here is 
clear from the determinative and the sm,w-date preceding and following. Maspero now accepts this, 
although he formerly read s^t (Struggle, p. 211 and 291). The old supposition that Amenhotep 
wintered in Asia is without basis, although it is still defended (Petrie, History II 155). 

*) Abu Simbel text: Champ., Mon. 27—29, Ros., Mon. stör. 100—102, LD. III, 187rf and c; 
Ramesseum text, LD. III, 153. Sharpe, Insc. 2nd part pl. 52, 

5) Thes. I, p. 115; Mahler (ÄZ.1889, S. 99— 100), and ibid. 1894, 99 ff. 

«) Rec. I, 63. 95 and 141. 



i;^o 



,1. II. BuKASi KD : Riiinses 11. ;uid tlic Piiiici'S, k.c. 



1 XXXVII. Band. 



Ramses II. and the Princes in the Karnak Reliefs of Seti I. 

By James Henry Breasted. 




Fig. 1. 

It is one of the well kiiown facts of tlie reign of Seti L, that his reliefs on 
the north wall of the great hypostyle hall at Kariiak, represent Ramses IL as 
prince, accompanying his father in battle. This relief together with the State- 
ments concerning Ramses' youth in the great Abydos inscription and the 
Kubbän stela, have led to the conclusion that he assumed important duties 
of State and was destined for the throne at a very early age. The Karnak 
relief in question has also been regarded as evidence that the reign of Seti I. 
was a short one, because if Ramses came to the throne very young, but was 
nevertheless old enough to be in a battle of Seti's first year, Seti could not 
have reigned very long aftervvard. Thus Maspero (Hist. II, 387 n. 5) says: 
»I liad at first supposed his reign (Seti's) to have been a long one merely on 
the evidence afforded by Manetho's lists, but the presence of Ramses IL as 
a stripling in the campaign of Seti's Ist year forces us to limit its duration, &c.« 
The only date in these reliefs of Seti is the »year 1«, which occurs twice: 
Ist in the text belonging to the capture oi P^k^n<^n^^); 2nd in the return from 



1) Champ., Not. descr. 86 = Champ., Mon. 290 1 = Ros., Mon. stör. 48 2 = LD. 126a. 



1899.] 



J. H. Breasted: Rainses II. and the Princes, &c. 



131 




Fig. 5. 



hOr 















Fig. 3. 

Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Baml. 1899. 





Fig. 4. 



18 



132 J. H. Brkasted: Rainses II. and tlie Princes, &,c. [XXXVII. Band. 

the same 8yrian campaign^). Now Ramses appears in the Lihyan campaign 
without any date""); and it might be questioned wlietlier this campaign was 
also in the »year 1«^). ßut in the scene"*) of the presentation of the Libyan 
prisoners to Amon, we find these vvords: 



^>^- AAA/VNA < :^~'2 > ■<\ \ 









D o 



i 



ö (2 









»He lias desolated Rtnw\ he has slain their cliiefs, causing the ^mw to 
say: 'See this! He is like a flame when it goes forth and no water is 
brought'.« Strangely enough the people over whom this text appears are Lihyans, 
and one is inclined to think that the artist has simply put over them a few 
conventional phrases which we are not to construe too Uterally. Such phrases 
might be put over the Libyans at any time after the Syrian campaign. It there- 
fore remains uncertain whether the campaign in which prince Ramses is repre- 
sented as participating took place in the » year 1 « . 

A further examination of the princes in these reliefs reveals some curious 
and important facts to which, I believe attention has never been called, At 
the extreme right (west) end of the reliefs in the second scene ^) of the Libyan 
war is the famous figure of Seti I. with uplifted spear, fighting on foot and 
hurling backward the Libyan chief (see photograph, fig. 1). Behind this chief 
Stands an Egyptian prince (fig. 2 , broken lines) facing toward the left and 
watching or possibly taking part in the conflict. Behind Seti Stands prince 
Ramses (fig. 3 , dotted lines) facing toward the right and likewise watching the 
conflict. Fig. 2 cannot also be Ramses for he could not appear twice in the 



1) Champ., Not. descr. 91 — 94 = Champ., Mon. 292 = Ros., Mon. stör. 50 — 51 = LD. 128a. b 
= Brugsch, Rec. 48c? — 49a. i = Burton, Exc. hierog. 36. 

^) At a considerable distance on the other (west) side of the door. 

^) Meyer reached this conclusion, because of the presence of Rainses in the battle with 
the Libyans; for he speaks of a campaign »den er (Seti), wie es scheint, in seinen späten Jahren 
gegen den libyschen Stamm der Tehenu westlich von Ägypten ausführte und auf dem ihn sein 
junger Sohn Ramses begleitet hat« (Gesch. 284 — 285). So also Wiedkmann, Gesch. 418. 

*) Champ., Not. descr. 100 — 101 = Champ., Mon. 299 = Ros., Mon. stör. 56 = Brugsch, 
Rec. 47a. h. c. d — 48 a. h. 

°) The text is a collation of all the publications , no one of which is correct. 

«) Champ., Not. descr. 98 — 99; Champ., Mon. 297 2; Ros., Mon. stör. 54 2. 



1899.] J. H. Breasted: Ramses IL and the Princes, &c. 133 

same scene. Its accompanying inscription') is as follows: n l^^fe/^ '^^^ 

»Prince, first bodily son of the king «, in which untbrtuiiately the 

name is wanting; where it could have stood before its disappearance is a 
question, for tlie skirt of the prince projects under the titles, and the name 
must therefore have been pushed to the left under the Libyan cliief's elbow'). 
The historical conclusion, here is important: the 1^^ f of Seti I. was not his 

successor Ramses, that is, that Ramses IL had an older brother, who did not 
reach the throne. This conclusion has also been reached but not demonstrated 
by WiEDEMANN^), for he by no means proved that the l^^f was not Ramses, 

but merely assumed his identity with another prince on this wall (fig. 4), who 
is certainly not Ramses. 

But a further examination of this figure discloses a fact which was over- 
looked by Wiedemann, viz. : that this figure of Ramses' eider brother (fig. 2) 
is not original and does not belong where it Stands. The first glance shows 
that the contracted space between the chariot wheel (belonging to the next 
scene to the right) and the leg of the falling Libyan is too narrow for an- 
other figure, and the artist has barely been able to squeeze the prince in. 
Thus he is as much in one scene as the other, an anomalous arrangement! He 
Stands with fan upraised in his right hand as if to smite the falling Libyan. 
The fan runs directly across the vertical line of text! It is difficult to say 
where the right arm is ; it seems to have been raised and it may be that he 
was seizing his father's foe, as his father is doing. Passing through the fan, 
the large column of text extends down through the prince's head and body! 
In his head is ||| » Troglodytes « continuing the sentence above: »who felis 
his enemies, who smites the Troglodytes«; then nun, the remains of t^^^"^ in 

r ^ ^^ *^^ • which follows the same context elsewhere on this wall*); 



and finally at the bottom ,^S oV '"^^^ '^ ' °^ course the remnant of \ \ Q ^ r^^"^ 



«Libya«, against which this campaign was directed. It is clear therefore that 



') It is very faint and has been overlooked in Champ., Mon. 297 2, and in Ros., Mon. stör. 
54 2; the only publication containing it is Champ., Not. descr. 99. Every sign is traceable in the 
photograph from which fig. 1 was made. 

^) There is now no trace of it there, owing to a large fissure in the stone (see fig. 1). 
I am unfortunately obliged to work from photographs as I did not study these reliefs when at 
Karnak, and the figures of the princes are now nearly covered with debris again. 

*) A. Wiedemann, A Forgotten Prince, PSBA. XII, 258 — 261. 

*) Champ., Mon. 294, inscription over the king. 

°) These last signs (except /wvw») are so piain that they were seen and copied by Rosellini, 
but in his publication (Mon. stor. 54, 2) they are placed so far to the left of the column above 
that it is impossible to connect the two. — It is also noticeable in the original, that the column 
above was added after the figure of the Libyan had been sketched, for his hand projects into 

the column, the two (1(1 have been placed on one side to avoid it, and the left hand line ofthe 

column has been carefully stopped on each side just before reaching the hand. 

18* 



134 J. H. Breasted: Ramses II. and the Princes, &c. [XXXVII. Band. 

at some time after Seti had completed these reliefs Ins eldest son had liimself 
inserted here, as taking part in Seti's Libyan campaign. It is clear also tliat 
some one desired bis removal, for his figure has been rudely chiseled away. 
Champollion speaks of bim (Not. descr. II, 99) as a »prince martele et sur- 
cbarge avec debris de legende«: (his titles follow), sbowing that also bis 
accompanying inscription bas been bammered out'). Tbe person to wbom tbe 
figure of tbe eldest son would be most unwelcome and wbo would tberefore 
be most desirous to remove it, is of course tbe otber prince in tbe same 
scene, Ramses. We are certainly correct in attributing tbe mutilation to bim. 
Moreover it is quite certain tbat be did tbis in order to bave tbe figure of 
himself inserted in tbe same scene, for bis own figure (fig. 3, dotted lines) is 
not original to tbis scene. 

In tbe first place we notice in fig. 3, as in fig. 2, tbe narrowness of the space 
into which tbe prince's figure has been squeezed, so that bis left foot passes 
througb the featber of the fallen Libyan, whom Seti is trampling, and his left 
band collides with tbe otber featber. Further, we again notice a column of text 

extending down througb tbe prince's head into his body: ^. ^) (with remains of 

an uncertain sign before it) in tbe head and . (1^) in tbe body. Ramses Stands 

with right band raised palm outward as usual in salutation, and carrying bis fan 
vertically before bim in tbe left band. A Joint in tbe masonry bas obliterated 
Shoulders and face. The accompanying text, as Wiedemann noticed, is partly 

in one scene and partly in tbe next. It is as follows: g 1'^= M^v. rfK^^^^ 
3i=n iltl 'l'^sj »Prince, bodily son of tbe king, crownprince, bis beloved, 
Ramses«. Tbe historical conclusions to be derived from tbis text will be 
taken up later. 

A closer inspection of Ramses' figure shows that in baving himself in- 
serted here, be at tbe same time improved the opportunity to efface another 
figure, which we will call X, over which his own bas been cut. The motiA''es 



^) Above his head is a horizontal line drawn directly across the oi-iginal column of text. 
Below and parallel to it, was doubtless another line, now lost in the Joint of the masonry. Be- 
tween these two lines was a line of text, of which slight traces are visible in the photograph 
extending on each side of the feather and also across the original column of text! What this 
text contained and what may be its relation to the prince's figui-e I am unable to conjecture. 
An examination of the original wall would doubtless throw some light on the question. 

^) After making the sketches for this article, I notice that Wiedemann remarks (PSBA. XII, 
259) regarding Ramses' figure: »his head is drawn through an hieroglyph of the sepai-ating line, 
and the very small signs of his name are pai-tly engraved in one, partly in the second incident, 
as if the figure had been only inserted at a later time in the already finished bas-relief«. His evidence 
was regarded as unconclusive for he states further: »It is doubtful if Ramses also assisted« (in 
this campaign). 

^) These signs are so clear that they were copied by Rosellini, but in his publication 
(Mon. stör. 54, 2) he has shifted the column above too far to the right. If Wiedemann had noticed 
them, they would have settled his »doubtful« case for him. 



1899.] J. H. Breastep: Rainses II. and the Princes, &c. 13i) 

for tliis spcond effacement are undoubtedly the same as for the first, and X 
was therefore Ramses' eider brother. But, as the eider brother has already 
been once effaeed in this scene, we should expect that this second occurrence 
of his figure belonged to another scene, and such- is clearly the case. Under 
Ramses' figure appears a second pair of feet striding in the opposite dlrection 
(the left; see broken lines); behlnd Ramses is the. front point of a skirt; behind 
him is a ihird arm\ across his figure is a quiver') with the opening to the left\ 
above him is a fan^), with the tip of the feather turned to the left^). All these 
belong of course to the figure X (broken lines), facing to the left. A com- 
parison of X with fig. 5 shows clearly that X was striding in same way after 
the chariot behind wliich he is. Especially characteristic are his left foot poised 
for the next step, the arm hanging down in front and the fan over the Shoulder. 
X therefore belongs to the scene to the left, representing Seti's triumphant return*) 
from the Libyan war, riding in his chariot and driving his prisoners before him'^). 
This is what we should expect; before Ramses' interference the figure of his 
eider brother appeared once in each of the two scenes: the battle with the 
Libyans and the return. Ramses preferred to figure in the battle and had himself 
inserted facing the right. 

But if the figure of Ramses is a later insertion, that of his brother (X) 
is equally so; the latter's fan, quiver, and indeed his whole figure cut directly 
mto the original column of text, as the figure of Ramses does. X has had 
himself inserted here. It is this fact which renders certain the identity of X 
and Seti's eldest son (fig. 2); both desired to figure in Seti's Libyan war, both 
were the object of Ramses' hatred and both were effaeed by him. 

To recapitulate , we find thus far tliree stages on this wall: 

1. An uninterrupted column of text on each side of the battle scene; 
and no princes in either it or the scene of the return. 

2. Seti's eldest son inserts his own figure at the right of the battle scene 
and at the right of the return. 



') The quiver was always carried on the left side, with the opening in front; hence in 
this case belonging to a person facing the left. Cf. fig. 1. 

^) The fan was always born with the tip of the feather pointing toward the front, as in 



Ramses' figure and in fig. 5. The hieroglyphic Ä is also regularly turned the same way, viz. 

toward the beginning of the text. 

^) The feet and the quiver were seen and copied by Rosellini and Champollion and appear 
in their ])ublications (Ros., Mon. stör. 54; Champ., Mon. 297 2), but seem to have remained un- 
noticed since. Whether Mr. Lefebure saw this figure or not, I am unable to decide; his remarks 
(PSBA. XII, 447) admit only two figures of the eider brother on this wall, viz. fig. 2 and fig. 5, 
and yet he speaks of a »Substitution«, but without further explanation. 

*) Champ., Not. descr. II 99 — 100; Champ., Mon. 298; Ros., Mon. stör. 5.3; Brugsch, Rec. 
des Mon. 45 rf. e. 

*) Fig. 5 is a similar return from the Syrian war. 



13() J. H. Brkastf.d: Ranises II. and tlie Princes, c*cc. [XXXVII. Band. 

3. Prince Ramses eftaces the figure of liis eider brother in both places, 
but over that of liis brother in the return scene, he inserts his own figure 
so facing as to belong to the battle scene. 

Tliere are evidences of a similar insertion (fig. 4) at the top of this same 
wall, on a few isolated blocks at the left of the capture of Kadesh^). Here 
we see a figure (fig. 4, broken lines) with uplifted arm like that of Ramses in 
the battle scene and wearing a quiver. Before this figure are the arms of a 
captive bound behind his back, shovving that the figure follows the king's 
chariot (as in fig. 5), behind which, however the king leads a line of captives. 
But this figure is likewise a later insertion, for a colunm oftext extends down 
through it, and the head of the Syrian, who has fallen beneath the chariot, 
projects into the skirt. It is impossible to decide whether this figure is that 
of Ramses or his brother. 

Another prince is to be found in these reliefs, for to the east (the left), 
on the left of the door, in the famous scene of Seti's arrival at the canal on 
his return from the Syrian campaign of the »year 1«'") (fig. 5)^). There seems 
to be no question of insertion here*). The inscription above is unfortunately 
much mutilated. It may be rendered as follows: »Following the king at his 

going in the countries of Rtnw, by the prince, great in pleasing^) by 

real royal scribe, his beloved, bodily son of the king, his beloved, 

[prince of Kush] deceased(?)«. This prince has been identified 

by WiEDEMANN, witli Sctl's eldest son in the Libyan battle scene (fig. 2), but 
it is difficult to see on what grounds; indeed Wiedemann does not oö'er any 
but merely assumes the identity. Fortunately enough of the titles remains to 

show that this prince lacks the designation W »first«, which should appear be- 



') Champ., Mon. 295 = Ros., Mon. stoi-. 53, but these blocks do not appear in any of the 
publications ; both facts and sketch are from a photogtaph. 

2) Champ., Not. descr. II 91 — 94; Champ., Mon. 292; Ros., Mon. stör. 50 — 51; LD.128a. b; 
Brugsch, Rec. Mon. 48c? — 49a. 5; Burton, Exc. hier. 36. 

^) It was this figure which served as a model for X in fig. 3. 

*) I had only one very faded photograph of this scene, and cannot assei-t this with cer- 
tainty. There is one slight indication against the autlienticity of the figure. Above it is a line 
of captives; — in every case on this wall, where such an upper row of captives appears, there 
is under it a similar Imcer row (Ros., Mon. stör. 47 2; 48 1; 52; 55; 56; 58 twece; 59; &c.). We 
might suspect therefore that this figure had replaced the lower row of captives; but I can discover 
no trace of this in the photograph or any of the publications. 

'") ' nn QA • ' V rn Ol) *"■ ' v m ^v QA '^^^"''' »j^lease" or »praise«; in three of 

Brugsch's examples (WB., Suppl. 1017. 1019) it is also followed by ^^\ introducing that which 

pleases, that is: -pleasing by «. The gen. AAAAA^ or ^/(»great of«) is also found in Brugsch's 

examples as well as in that furnished by Lefebure (PSBA. XII, 447). Wiedemann has invented 
a title to ex piain this phrase and renders: »high praiser at (follows the name of a temple)«. He 
does not furnish any other examples of this title ! 



1899.] J. H. Breasted: Ramses II. and the Princes, &c. 137 



tween 1^^ and ^-'=' ^.=^ . It is quite impossible to suppose that it lias been 
omitted in a scene where the prince is so prominent as here. The surviving 
fragment ot' the name'): ^^ziy shows that it was not Ramses, hence the most 
probable conclusion is, that we have here a third son of Seti, whom we call Y"). 
The question of this prince's relations with his two brothers must of course 
remain unsettled. His figure is the ouIt/ one original to the reliefs on this 
wall. He is not likely to have had any claim to the throne or his figure 
would have been removed by Ramses^). 

Prince Y (fig. 5) and the i^^f (fig- 2) are further both identified by 
WiEDEMANN with an officer appearing at the Submission of Lebanon*). Again 
no reasons are offered; the Identification is simply assumed. The officers name 
is, strangely enough, omitted; his only title in ^^11 T ft ; he has no 
sidelock. There is not the slightest reason for regarding him as a prince at 
all, and he does not enter further into the problem of the princes on this wall. 

We may here recapitulate the history of our reliefs. They contain five 
figuresof princes: one original and four later insertions; as follows: 

1. Two figures of Seti's eldest son: one (fig. 2) in the Libyan battle scene; 
and one (fig. 8 broken lines) in the return from that campaign ; neither is ori- 
ginal; both were effaced by Ramses IL 

2. One figure of prince Ramses in the Libyan battle scene; (fig. 3 dotted 
lines) not original. 

3. One figure impossible to identify, in a fragmentary scene connected 
with the ca])ture of Kadesh ; (fig. 4) not original. 

4. One figure of an unknown prince (not the eldest son and not Ramses) 
in the return from the Syrian campaign; (fig. ö) almost certainly original. 

The historical results to l)e drawn from the above facts are not nume- 
rous, but are important. It is clear in the first place, that these reliefs offer 
no evidence whatever that Ramses IL ever took part in any campaign of his 
father, of whatever year. It is therefore no longer necessary to shorten the 
reign of Seti in Order that Ramses may be sufficiently young at his accession. 



') It is uncertain how this name is to be read. Wiedemann (PSBA. XII, 260) conjectures 

^^^ . Lefebure (ibid. 446 — 449) would read '^^. ^^\^ V2-^ believing this prince to be the brother 

of Ramses identified as Ä^w«".', by Manetho in the late stories of the Greeks (Herod. II, 107 — 108; 
Diod. I, 57), but the legend is so confused, and Manetho is so uncertain in his distinction of Seti 
and Ramses, that is seems to me unsafe to make any use of it at all. Wiedemann has later 

f. " " " I ^ v^ -y 

(Rec. XVIII, 121) attempted to identify our name with g 1 for which there is certainly 

not room. 

^) It is not impossible that we have here a brother of Seti, though this would be very unusual. 

*) Lefebure (in PSBA. XII, 446) speaks of the name in this inscription as »martele«, but 
I can find no evidence of this in the photograph. 

*) At the extreme east (left) end around the corner from the north wall, and facing east; 
reproduced: Champ., Mon. 290 2; Ros., Mon. stör. 46 1; cf. Champ., Not. descr. II 87 — 88. 



k 



138 .1. H. Breasted: Ranises 11. and the Piiiices, &c. [XXXVII. Band. 

as Maspero considered unavoidable, As far as these reliefs are concerned, 
Ramses miglit have been born even after Seti's accession. The fact alone 
that Ramses was obliged to insert bis own figure in bis father's battle scenes, 
in Order to appear there at all, of course creates a strong suspicion if not tbe 
certainty tbat be bad notbing to do witb tbe events tbey depict. If further, 
he really was not old enougli to take pärt in Seti's wars, Seti's reign may 
have been considerably longer than tbe nine years usually attributed to bim'). 
Furtbermore , wben we eonsider that we have bere a clear example of 
misrepresentation'^) by Ramses II. perpetrated with tbe particular purpose of 
producing tbe Impression that wbile a young prince he played a prominent 
part in State affairs, it becomes equally clear that tbe Statements of tbe great 
Abydos inscription and tbe Kubban stela, in wbich we see Ramses assuming 
in cbildbood a position in government beside his fatber, are similar misrepre- 
sentations having tbe same purpose in view. The reliefs at Abydos show bim 
as crownprince in Company with bis fatber, e. g. before tbe great list of kings 
(Mar., Abyd. I pl. 43) and in tbis scene be bears tbe crownprincely name and 
titles in precisely the same form and words as in tbe Karnak insertions above 
diseussed (fig. 3). Tbat these Abydos scenes were cut after Ramses was king 
is of course evident, but is rendered doubly certain by the fact .that in one 
of them [Ihld. pl. 44) tbe crownprince, Ramses, althougb accompanied by the 
crownprincely titles, and standing in tbe presence of bis fatber, bears upon 
his embroidered apron tbe two cartouches containing the royal names! (see 
pl. 46). This is clear evidence that after be was king, he was accustomed 
to have bimself represented as crownprince engaged in important offices in 
Company with his fatber. This was a favorite theme witb most New Empire 
kings, but it was necessarily carried further by Ramses for the very reason 
tbat be was not from tbe beginning destined to such functions, but must 
for a considerable time have played a subordinate role beside the eider 
brother whose name and figure be was afterward so careful to efface. Tbis 
raises an interesting question. Seti's eldest son is almost certain to have 
lived and retained bis rigbt to the throne until just before Ramses' accession. 
For Sethe's sbrewd explanation of tbe Sed-festivals'^) shows clearly tbat the 
30 year period began witb some ceremony of tbe crownprince, when he 
was proclaimed as such. Now Ramses II. celebrated bis first Sed-festival 
in tbe 30th year of his reign, showing tbat bis acknowledgement as crown- 
prince was practically contemporaneous witb bis accession. Such a late cele- 
bration, as Sethe showed, occurred in the cases of certain kings, »weil sie 



') This is rendered more probable by the well known fact that already in Ram-ses fifth 
year, his sons accompany him in battle. 

*) Misrepresentations of Ramses 11. are of course common enough; the argument here turns 
upon the motive of this particular fraud. 

3) ÄZ. 1898, S. 64 — 65 Note 3. 



1899.] J. H. Breasted: Rainses II. and the Princes, &c. 1B9 

entweder nicht vorher zur Thronfolge bestimmt waren (so Neferkere-Phiops 
und Thutmosis III.) oder noch nicht das zu der Ceremonie erforderliche Alter 
erreicht hatten (so wohl Ramses II. und Ramses III.)«. In the cases of Neferkere- 
Phiops and Thutmose IIL another brother^) stood in the way until the accession. 
It can hardly be doubted now, that this same reason explains the late cele- 

bration of Ramses' Sed-festivaP). The I^tf of Seti's Karnak reliefs stood 

in Ramses' way until his very accession^). If this eider brother really reached 
the throne for a brief period, the incident would then exactly repeat the 
succession: Pepi I. - Metusuphis - Pepi IL Of such an ephemeral reign, no trace 
has reached us, unless we find it in the Aigyptos-Danaos tale*). 

There is no doubt that, a careful examination of Seti's reliefs in the 
original stone would throw much more light on the relation of the princes' 
figures and perhaps of the princes themselves. Unfortunately a carefully col- 
lated publication of these reliefs does not exist^). 



') There is of course some uncertainty what the relationship was in the case of T. IIL, but 
this does not affect the result as concerns the hh-sd. 

^) The only remaining cases of the celebration of the Sed-festival in the 30th year are 
those of Usertesen 1., Ramses III. and Amenhotep III. Is it not probable, that age had nothing 
to do with a prince's eligibility to be proclaitned crownprince, but that also here some one eise 
stood in the way, who eventually did not succeed to the throne? 

^) This alone is a demonstration of the untruth of the representations in the Abydos in- 
scription according to which Ramses was crowned while a lad by his father (Abydos inscr. 
11. 45—46). 

*) Such a brief reign, would explain how Seti's eldest son obtained the power and oppor- 
tunity to insert his own figure in his father's reliefs. 

*) That of GuiEYSSE (Rec. XI), which purports to be an exhaustive collation of the texts by 

means of photographs is exceedingly incoi-rect. Errors like the Omission of fv^rj i" f^Sf I ^^^^^ 

(p. 59) abound, lines are numbered incorrectly and the like. This occasions no wonder if one 
notes that the texts were not undei'stood, a fact which is clear from such translations as; »il est 



alle au pays de Tennou et (l'a mis) en afFaiblissement« for the line: J\ \^ J\ g > v\ ] 

v\ r^ I (p. 72). The independent value of the old large publications also, is clearly 

doubtful in places e. g. Champ., Mon. 290 1 1. 7 end shows a lacuna, which naturally appears in 
Ros., Mon. stör. 47 2: and has been copied in LD. III, 126«;, and doubtless from the same Ms. 
source in Champ., Not. descr. II 86; although the cast shows there is no lacuna there. This is 
apart from the numerous inaccuracies in costume, physiognomy and the like. 



Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Band. 1899. 



19 



140 F. V. Oefele: JMediciiiische Realien zu Papyrus Bruosch. [XXXVII. Band. 



Medicinische Realien zu Papyrus Brugsch major 13, 3 bis 13, 6 

= Peritonitis. 
Von Baron Oefele. 



riEiNRicH Schäfer liat in seiner Dissertation vom Jahre 1892 diesen Abschnitt 
transscribirt und auf die zugehörigen Scholien im Papyrus Ebers hingewiesen. 
Ich lege diese Arbeit zu Grunde und weiche wesentlich nur in der Lesung des 
letzten Wortes der (5. Zeile ab, indem ich T 9 ' statt X %^/ lese. 

Für die Deutung des Abschnittes ist der erste Satz der Zeile 4 bestim- 
mend, dafs dem Patienten die Decken zur Last werden. Es ist dies medicinisch 
ein sogenanntes pathognomisches Symptom, das nur bei einer Erkrankung vor- 
kommt und somit jede Möglichkeit einer zweiten oder dritten Diagnose, welche 
differential auch noch in Betracht käme, ausschliefst. Es kann sich nur um 
Peritonitis (Bauchfellentzündung) handeln , wobei es hier einstweilen aufser Be- 
tracht bleiben soll, ob primären oder secundären Charakters, und zwar um 
acute Peritonitis. Ich will aus dem Handbuch der Pathologie und Therapie 
von EiciiHORST hier stets die parallelen Sätze in moderner Darstellung als Beleg 
anführen. Zu dem pathognomischen Symptome Eichhorst: »Kaum sind die 
Patienten im Stande, den Druck einer leichten Bettdecke, eines verordneten 
Kataplasmas und selbst des Hemdes zu ertragen«. Nun zum Text von Anfang 

- ^^r9'^'^n3ih^^T?-?^i =— -Unter 
den manifesten Symptomen nimmt der Schmerz eine hervorragende Rolle ein. 
Bald verlegen ihn die Kranken an eine ganz bestimmte Stelle de$ Abdomens, 
am häufigsten in die Nabelgegend ( . | ?), bald wird das ganze Abdomen als 

schmerzhaft angegeben. Die leiseste Berührung ruft die heftigsten Schmerzen 
hervor, so dafs die Kranken meist flehentlich bitten, eine Betastung der Bauch- 
decken zu unterlassen«. 

^ V ^^ V ' 1 Eichhorst: «Fast immer ist bei diffuser acuter Peri- 

tonitis die Körpertemperatur erhöht. Abendtemperaturen von 40° C. und dar- 
über sind nichts Ungewöhnliches«. 

I V -^ (vagari?) Eichhorst: »Auch ist der hohe Stand des Diaphragmas 

an der abnormen Lage des Herzens kenntlich. Der Spitzenstofs des Herzens 
kann bis in den dritten Intercostalraum und um mehrere Centimeter nach aus- 
wärts von der linken Mamillarlinie verschoben sein. Meist ist die Herzbewegung 
in mehreren Intercostalräumen auffällig deutlich sichtbar«. 



1899.] F. V. Oefele: Medicinische Realien zu Papyrus Brugsch. 141 



(1 'V 'V '^^^^^ 1 1 1 § J] n %> ö ^^ ist als pathognomisches Symptom be- 
sprochen , mid schliefst sich daran der folgende Satz als Detailmalerei : _ru. ^ 

f\ 1] jl Ä:-^ AAAAAA ^ K^,,^ Eichhorst: »Die subjectiven Klagen beziehen sich 
meist auf (Angegebenes) und unstillbaren Durst«. 

^ T ^\ "^x^ ^ i^^^ Eichhorst: »Die Zunge ist in der Regel grau- 

weifs oder bräunUch belegt. Bei manchen Kranken stellt sich sehr unan- 
genehmer, zuweilen fast faecaler Foetor ex ore ein«. 

'^ '^ '"^S^. d44 etc. Eichhorst: »Fast ohne Ausnahme stellt sich 

bei Peritonitis Erbrechen ein. Es kommen Anfangs die genossenen Speisen 
nach aufsen, späterhin wird das Erbrochene gallig- gelb oder grünlich, lauch- 
oder grünspanartig: vomitus aeruginosus s. herbaceus«. Letzteres scheint mir 
eine treffliclie Übersetzung der Beschreibung durch |[](] 9i — i ^0'- 

ziehe das Bild auf den verhungerten oder erschö[)ften Wanderer, welcher am 
Strafsenrand stirbt. Eichhorst: »Die Augen bekommen einen gläsernen und 
stieren Ausdruck; sie sind tief in die Augenhöhlen zurückgesunken und von 
blaugrünen Schatten umrahmt. Das Gesicht verliert sehr schnell seine Völle 
und Rundung, so dafs die Backenknochen spitz hervortreten und ebenso auch 
die Nase spitz hervorspringt. Oft sprechen die Kranken nur mit Flüster- 
stimme « . 

/""^ Kj Eichhorst: »Der Harn wird gewöhnlich spärlich gelassen. Zu- 
weilen machen sich Störungen bei der Harnentleerung bemerkbar. Die Patien- 
ten empfinden Harndrang oder klagen über Schmerz beim Harnlassen oder sind 
nicht im Stande, den Harn zu entleeren«. 

Hierauf folgt die Diagnose. Am Schlüsse derselben, noch vor der The- 
rapie, ist der Zusatz gemacht: <=> 1<=>Ö ^ m '^^•'^^ ^ T (?)• 
Eichhorst: »Der Stuhl ist meist angehalten; nur zu Anfang der Krankheit be- 
stehen nicht selten Durchfälle«. 

Zur Begründung der vorstehenden Gleichsetzungen wird es genügen, weim 
ich noch anfüge, dafs aufser dem Athemtypus, den Befunden, welche Auscul- 
tation und Percussion sowie chemische Untersuchungsmethoden ergeben, in 
dieser Beschreibung alle von Eichhorst angeführten wesentlichen Erscheinun- 
gen bei Peritonitis aufgeführt sind. Die lexikalischen Consequenzen daraus 
zu ziehen wird den Lesern, als Philologen von Fach, leichter fallen als mir, 
einem Arzte. 

19* 



142 F. V. Oefele: Medicinische Realien 7ai Papyrus Brugsch. [XXXVII. Band. 

Zum Verständnifs der rotlieii Überschrift und der Diagnose möchte ich 
auf das Vicariiren von pg "^^ J <\^ und ^ ^ hinweisen. In Ersterem 

möclite ich darum nicht irgend eine Specification des Begriffes der Therapie, 
sondern gMe pejor, deterior wiederfinden und mit Übel übersetzen. Dann er- 
gäbe die Überschrift: »iWs^ des hitzigen Übels <^^. Es müfste dies also dem Ein- 
drucke entsprechen, welchen es bei einem ägyptischen Arzte hervorrief, wenn ein 
an Peritonitis verstorbener Patient zur Einbalsamirung eröffnet wurde. Auch hier 
möge wieder der Sectionsbefund im einschlägigen Theile aus Eichhorst folgen, 

»Sehr bald verliert die Serosa den spiegelnden Glanz (des gesunden Zu- 
standes). Sie wird trübe und gewinnt das Aussehen einer angehauchten Glas- 
platte. Allmählich überdeckt sich das Peritoneum mit dünnen florähnlichen 
Membranen, welche man mit der Messerklinge abschaben und abheben kann. 
Im weiteren Verlaufe werden diese häutigen Auflagerungen dicker und dicker. 
Dabei büfsen sie die Durchsichtigkeit ein und gewinnen eine schwartenartige, 
gelbliche, croupartige Beschaffenheit, Sie stellen ein abnormes Verklebungs- 
mittel zwischen den einzelnen Darmschlingen oder Baucheingeweiden über- 
haupt dar. « 

Danach glaube ich in Zeile 6 \> als krankhaften Überzug^) über- 

setzen zu dürfen, so dafs die Diagnose lautet: Sagen sollst du ihm: er leidet an 
Nest {-artiger Verklebung) krankhafter Überzüge im Bauch und auf der Zunge. 
Seine Magengegend schmerzt. Ich werde sie behandeln. 

Noch eine Bemerkung sei gestattet. Wenn Schäfer Schollen zu dieser 
Stelle nachweist, in welchen ein Wort durch ein anderes Wort der gleichen 
Sprache erklärt wird, so kann es sich doch wohl nur um zwei Dialekte der- 
selben Sprache handeln; denn ein Terminus technicus kann doch nie durch ein 
einzelnes Wort der Vulgärsprache ersetzt werden. Wohl aber sind Schollen 
dieser Art denkbar, wenn altsahidische Texte von einem altboheirischen Arzte 
benutzt wurden. Denn auch der Fortschritt der Sprache von Altägyptisch zu 
Neuägyptisch kann nicht weitgehend genug gewesen sein, um Schollen zu recht- 
fertigen, zudem ja auch die Schollen selbst noch in artikelloser Sprache abge- 
fafst sind. Auch diese Perspective aus medicinischen Texten, wie so manches 
Andere, ist für den Philologen verwerthbar, wenn die Realien der medicinischen 
Texte sich erklären lassen. Und bei der Fülle der ägyptischen medicinischen 
Texte wäre intensive Zusammenarbeit eines Philologen mit einem Arzte, aber 
nur mit einem medico- historisch geschulten Arzte, sicherlich wissenschaftlich 
fruchtbar"). 



^) Griechisch und koptisch = \|/(<;^«. 

2) In dem Abschnitt (I ^ "^ ' ^^. ^ \\ I ^ J\ bin ich meiner Sache nicht ganz 

sicher, ob nicht acute Layeveränderung des Herzens als ein einziges Symptom zu übersetzen ist. 



1899.] 



Miscellen. 



143 



Miscellen. 

Usurpirte Grundsteinbeigaben. — Auf einer Reihe von Grundsteinbei- 
gaben, die im Kairener Museum aufbewahrt werden, zeigt sich die merkwürdige 
Thatsache, dafs die Inschrift darauf nicht ursprünglich, sondern über oder neben 
eine ältere, getilgte gesetzt ist. Bisher konnte dies an folgenden Stücken nach- 
gewiesen werden: 

Nr. 16007, Alabastergefäfs aus den Grundsteinbeigaben des Terrassentempels 
der Hat-sepsowet (Der-el-bahri, 1895, Eg. expl. f.). Rechts neben der blau aus- 



gemalten Verticalzeile 



■■t&i^ 



1^"^^ 



die Spur einer ca. 3x5 cm 



grofs gewesenen Inschrift, die sorgfältig getilgt ist, so dafs nur von der untersten 
Horizontalzeile noch die folgenden in einfachen Linien eingekratzten Zeichen 
zu sehen sind: 



Nr. 16029, desgl. aus dem Tempel Amenophis' IL auf der Westseite von 
Theben (1895/96, Eg. expl. f.). Links neben und unter der mit schwarzer Farbe 

aufgeschriebenen Inschrift: | Ifo | ^ 1 At^^ ^^^ Reste einer in vertieften Hiero- 
glyphen ausgeführten älteren, von der noch Folgendes sichtbar ist: 






II 



mi 1 1 1 1 



lil 



¥t 



i 



was leicht wie folgt zu ergänzen ist: (J 



Mi 
e^^ 1 1 1 1 



Name des 
Tempels, 



Oo 



i-i 



8 



d. h. »als der von Amon geliebte gute Gott König N. N. den Strick im Tempel 
so und so spannte«, d.h. den Tempelgrundriss abschnürte. 



') Andere Stücke desselben Fundes haben noch (1 """^X. hinter dem Königsnamen 

I AAAA/>A 



144 Miscellen. [XXXVII. Band. 

Das Gefäfs war geborsten und am Rande stark beschädigt, es ist im Altcr- 
tlium schon mit einer braunen Masse geflickt worden. 

Nr. 16037, desgl. aus Abydos (s. Mar., Cat. d'Ab. Nr. 1464). Links neben 
der a. a. 0. veröffentlichten Inschrift des Königs Teti sind sclivvache Spuren 
einer älteren erhalten. Man kann nur einen Theil der Wespe des Königstitels 
und eine Hälfte der Grenzlinie des Königsringes erkennen. 

Nr. 16036, desgl. angeblich aus Bersche. Die Inschrift des N-woser-Re^^ 
scheint über einer älteren zu stehen, von der noch ein Theil des über dem 
Königsnamen stehenden ^^, erhalten ist. 

Von den letzten beiden Nummern ist mangels Angabe von Fundumständen 
nicht sicher zu sagen, ob sie Grundstein beigaben sind. Nach Form und Auf- 
schrift der Gefäfse würde ich sie aber dafür halten. 

Nr. 16032, Alabasterstückchen in Form einer geschlossenen Muschel aus 
den Grundsteinbeigaben eines Tempels Amenophis' IL (El Kab 1896/97, Eg, res. 
acc). Das blau ausgeführte Königsschild (o| '^ 1 steht über einer getilgten 

Inschrift, deren Reste am oberen Ende des Schildes noch zu sehen sind. 

Nr. 16034, Alabastermodell einer Thürangel(?) oder eines Drillbohrer- 
kopfes (??) aus den Grundsteinbeigaben eines Tempels Thutmosis' III. (El Kab 
1896/97, Eg. res. acc). Der aufsen auf das Stück in blau ausgefüllten Hiero- 
glyphen geschriebene Name ] T [ O t"^"^ ^ | A-t" scheint über einer getilgten In- 
schrift zu stehen. Sicher sind Reste einer schwarz geschriebenen Inschrift 
I T ( O ^^^ auf dem Rande der flachen Seite des Stückes erhalten. 

Die hier constatirte Usurpirung von Grundsteinbeigaben hat sich bisher 
nur auf Alabastergegenständen nachweisen lassen. Auf Holzmodellen von Werk- 
zeugen konnte dergleichen nicht beobachtet werden. Vielleicht waren diese zu 
billig, als dafs eine Usurpirung lohnte, oder man konnte die alte Inschrift so 
radical tilgen, dafs ihre Stelle uns heute entgeht. Dafs wir auf den Metall- 
theilen derselben Werkzeuge solche Usurpirung nicht finden, ist wegen der 
Schwierigkeit der Ersetzung der Inschriften darauf ganz begreiflich. Die Metall- 
tlieile mufsten eben bei der Usurpirung eines Grundsteins neu hergestellt werden. 

Die Erklärung der oben aufgezählten Thatsachen kann nur die sein, dafs 
bei einem Wiederaufbau der fraglichen Tempel die alten Grundsteinbeigaben 
unter den Fundamenten aufgesucht und unter Tilgung des darauf befindlichen 
Namens des Gründers oder früheren Wiederherstellers zu Documenten mit dem 
Namen des regierenden Königs umgewandelt wurden. Ein weiterer Schlufs 
ist der, dafs der Tempel von Der-el-bahri nicht von Hat-sepsowet, der so- 
genannte Tempel Amenophis' IL auf der Westseite von Theben nicht von diesem 
Könige, und dafs die betreffenden Tempel von El Kab nicht von Amenophis IL 
und Thutmosis III. ursprünglich angelegt worden sind, sondern nur an Stelle 
von älteren, schon bestehenden Heiligthümern durch diese Herrscher wieder- 
hergestellt worden sind, allerdings von Grund aus. Ludwig Borchardt. 



1899.] Miscellen. 145 

Bemerkung zu der vorstehenden Miscelle. — Cf. the well known 
Assyrian and Babylonian inscriptions cursing the future prince who, m restoring 
a temple, shall erase the name of the builder from the foundation stones and 
set his own name in its place. On the other hand, restorers of temples often 
claim to have preserved the foundation deposits of the builder and of the 
previous restorers and to have returned them to their old places together with 
their own deposits. See, for example, the inscription of Tiglath - Pileser I from 
the foundation of the Temple of Ashur at Karat-Sherkat, Col. VIII 1. 47, 63 ff., 
» Keilinschriftliche Bibliothek« I, S, 47 — 48, and the inscriptions of Nabonidus, 
I.e. III, 2ndpart, pp. 80 — 93 and 106—107. Reisner. 

Das Wort ^^^ ^(] \i^ • — Deveria, Pap. Jud. Turin. IV, 1 2 (Memoires II, 
p. 244), bemerkt zu dem Satz: ^" (2 ^^ <=^ z]% (1 (^ ^ ^ '"^Q (5 ^^^ § "^ ^ X 
r n rq^jw = pcK/ pes».K, pÄ.Ki m. declinare, avertere, recusare, renuere etc. Le 

Papyrus no. 3148 col. 5 au Louvre contient cette phrase relative au coeur: i ^ 

k)^ \^ iJ v> /\ v^ » tu es dans mon sein , ne te detourne 

pas de moi«. Er sieht also in rq^jw eine Variante von dem sonst immer rqi 
geschriebenen Worte, das, soviel ich sehe, stets das Determinativ ^-r-^s^ bei sich 
hat, niemals aber ^. 

Das ist dann in die Wörterbücher von Pierret und Levi übergegangen, 
und auch Erman scheint in der Neuägyptischen Grammatik diese Auffassung 
zu theilen (S. 162). 

Allein die Varianten zu der angeführten Stelle in Cap. 27 des Todtenbuchs, 
die Deveria unbeachtet liefs, zeigen, dafs der Text an dieser Stelle augen- 
scheinlich an zwei Stellen verderbt ist und man vielmehr zu lesen hat: juk m 

"' ^<:rr>^ (Z. 4 — 5 ed. Lepsius, vergl. Z, 6 Pap. Any). 



Damit wird Deveria's Argument erschüttert. 

Soviel ich sehe, blieb das Wort aber ^tvol^ Xeyofxsvov, bis uns der soeben von 
Golenischeff herausgegebene Papyrus seine wahre Natur zeigte. Wir lesen da: 



^' '^^'' ^^T. ra ^ll.^r.ra^ ^ oij^%(j(^ly^^ 



1,22: fl^'öf^^V^^^I^^I^ 



11,44: ^i]7^^(]-=-Jf ^^Jy\^;^(j^i^^ 
n, 47: (l^^%-^Jy^^^(]^i7^^ 

^ /O "=1 AAAAAA <-":> . o AftAAAA LI n /l Pv AAAAAA r\ 



146 Miscellen. [XXXVII. Band. 

Aus diesen Beispielen ergiebt sich mit Sicherheit, dals q^jw eine Conjunction 
ist mit der Bedeutung »bei, vor, zu«, die in allen vorliegenden Fällen mit der 
»Praeposition« /wwna verbunden ist. 

Was ist dann aber <=> qSjw'^ Schwerlich etwas Anderes als einer der 
zahlreichen mit der « Praej)osition « <r:=> zusammengesetzten Ausdrücke, über 
die Brugsch, Grammatik S. 231, den besten Überblick giebt. 

Was q^jw ursprünglich ist, vermag ich nicht zu sagen. Den oben aus 
dem Turiner Papyrus citirten Satz aber müssen wir, glaube ich, so übersetzen: 
»(er ward gebracht, weil er die Reden von diesem Hausvorsteher hörte), er 
war bei ihm gewesen, berichtete sie aber nicht«. Der Sinn scheint mir da- 
durch nur zu gewinnen. Fr. W. v. Bissing. 

Weiteres über die Art der Hinrichtung im alten Ägypten. — 
Die von Hrn. Capart auf S. 125 f. des vorjährigen Bandes dieser Zeitschrift 
gebrachte Notiz über die Enthauptung im ägyptischen Alterthume findet eine 
willkommene Ergänzung und Bestätigung durch die Stelle Gen. 40, 19, wo 
Joseph dem Oberbäcker des Pharao seine Hinrichtung weissagt: IHK WiS STD"' 
yy-by Tmi< nbni T^ya Tlöi«"!, »Er wird dein Haupt über dir wegnehmen und 
dich an einen Pfahl hängen«. Aus der Fortsetzung des genannten Verses geht 
übrigens hervor, dafs der Körper nach Vollzug der Strafe noch einige Zeit hin- 
durch am Pfahle hängen blieb, indem »die Vögel des Himmels von seinem 
Fleische essen« sollen. In Vers 21 wird dann diese Strafe kurzweg als »Hängen« 
bezeichnet. 

Eine Reminiscenz an diese Strafart hat uns ferner, wie ich glaube, auch 
Herodot in der Erzählung von König Rhampsinit aufbewahrt. Ich meine nämlich 
die Stelle^), wo der geköpfte Leichnam des Schatzdiebes öifentlich zur Schau 
ausgehängt wird. 

Ob nicht auch der Ausdruck djj hr tp ht des Papyrus Abbot (5, 6)"^) hiermit 
in Verbindung zu bringen wäre? Man könnte allenfalls vielleicht an ein blofses 
An -den -Pranger -stellen des Übelthäters, dem Nase und Ohren abgeschnitten 

worden sind, denken. Angesichts der Hieroglyphe m? neben f^ läfst sich ja 

ohnedies vermuthen, dafs die Strafe des Pfahles nicht noth wendigerweise mit 
der Todesstrafe verbunden sein mufste. Franz Freiherr v. Calice. 



1) Her. II, 121, 1. 

2) Bisher nach Erman's Vorgang (ÄZ. 1879, S. 83 Anm.) mit »pfählen« übersetzt. 



1899.] Erschienene Schriften. 147 



Erschienene Schriften. 

B. Apostolides, Defense de Tauthenticite de la statue de Kafra (sie) contre les attaques de la 

critique moderne. Alexandrie 1900. 4. 11 SS. 
Collection des giiides Joanne: Kgypte. Paris (Hachette) 1900. LH und 629 SS. 8. (mit 

7 Karten und 104 Plänen). — GänzUch umgestaltete Ausgabe des französischen »Baedeker«. 

Der Herausgeber Georges Benedite hat ausführliche Einleitungen gegeben; die arabischen 

Denkmäler haben in Herz-Bey einen kundigen Bearbeiter gefunden. 
Bessarione, Pubblicazione periodica di studi orientali. Anno IV. (vol. VI), N. 37 — 42. 8. Rom 

1899. 624 und XL VIII SS. — Nr. 37—38 enthält u. A.: Le liste dei MetropoHti d'Abissinia. 

— Litaniae Defunctorum Copticae. — Lo Scarabeo onorario di una regina d' Egitto nel Museo 

Egizio Vaticano. Nr. 41 — 42 enthält u. A.: Benigni, Un papiro Copto-Greco, inedito, con 

frammenti biblici. 
E.A.Wallis Budge, On the Orientation of the Pyi'amids and Temples in the Sudan. Com- 

municated by Prof. Sir Norman Lockyer (Proceedings of the Royal Society. Vol. 65. 

Nr. 420. S. 333 — 349). 
Jean Cledat, Fragment d'une Version copte de l'apocalypse de Saint-Jean (Revue de l'Orient 

chretien. Annee 4 (1899). S. 263 — 279). [Ms. copte no. 4 du Musee du Louvre.] 
F. Daressy, Fouilles de Deir el Bircheh (nov.-dec. 1897). — Rapport sur el Yaouta (Fayoum). 

Kairo 1898. 31 SS. 

— — , Deux vases gradues du musee de Gizeh (Bulletin de l'Institut egyptien 1897). 

— - — , Vase gradue egyptien du musee du Louvre (ebenda 1898). 

— — , Exploration archeologique de la montagne d'Abydos (Bulletin de l'Instit. egypt. 1899 p.279ff.). 
Georg Ebers, Ägyptische Studien und Verwandtes zu seinem Andenken gesammelt. Mit dem 

Bildnifs des Verfassers nach dem Gemälde von Franz v. Lenbach. Stuttgart (Deutsche Verlags- 
anstalt) 1900. 8. IX und 517 SS. — Dabei ein Verzeichnifs seiner Schriften. 

Ad. Erman und Fr. Krebs, Aus den Papyrus der Königl. Museen. Berlin (Spemann) 1899. 8. 
291 SS. und 24 TafF. — Aus der Reihe der populären »Handbücher der Königl. Museen zu 
Berlin. Enthält Übersetzungen und Erläuterungen der interessantesten Papyrus aller Zeiten, 
die sich in der Berliner »Sammlung befinden. 

Egypt Exploration Fund. Archseological report 1898 — 1899. Edited by F. LI. Griffith. 
London 1899. 63 SS. 4. 

F. G. Fleay, Egyptian chronology. An attempt to conciliate the ancient schemes and to educe 
a rational system. 8. London 1899, David Nutt. XIV und 167 SS. 

L. Fonck, Streifzüge durch die biblische Flora. Freibui'g (Herder) 1900 (= Biblische .Studien, 
herausgeg. von 0. Bardenhewer, V 1). 8. XIV und 167 SS. — Darin auch manches für 
die Aegyptologie Interessante. 

Adolf Jacoby, Ein neues Evangelienfraginent. Strafsburg (Trübner) 1900. 8. 55 SS. 4 TatF. 

Oscar v. Lemm, Eine dem Dionysius Areopagita zugeschriebene Schrift in koptischer Sprache 
(Bulletin de l'Acad. Imper. des Sciences de St-Petersbourg, März 1900. Bd. XII. Nr. 3. 
S. 267—306). 

— — , Sahidische Bruchstücke der Legende von Cyprian von Antiochien (aus Mem. de l'academie 

de St-Petersbourg 1899). 90 SS. 4. 
William P. P. Longfellow, The Column and The Arch. Essays on architectural history, with 

illustrations. London (Sampson Low, Marston and Company) 1899. 8. — Darin S. 1 — 18: 

The Lotus Column. Im Wesentliclien Besprechung dei- Ergebnisse der Monographie von 

Georges Foucart. 
Victor Loret, Les toinbeaux de Thoutmes III et d'Amenophis II et la cachette royale de Biban- 

el-molouk. Le Caire 1899 (aus dem Bulletin de l'Institut egyptien). 8. 24 SS. 15Tafi'. 

Zeitschr. f. Ägypt. Spr., XXXVII. Baml. 1899. 20 



148 Erschienene Schriften. [XXXVII. Band. 1899.] 

Or. Marucchi, La biografia di un personaggio politico dell' antico Egitto scritta sopra la sua 
statua nel Museo egi/.io Vaticano (aus Bessarione 1898). — Neue Publication der »Naopho- 
ren Statue«. 

— — , Lo scarabeo onorario di una regina d' Egitto nel Museo egizio Vaticano (aus Bessarione 1899). 
G. Maspero, Une stele de Nectanebo II (Coinptes leiidus de l'Acadeinie des Inscr. 1899. p. 793ff.V 
Georg Möller, Über die in einem späthieratischen Papyrus des Berliner Museums enthaltenen 

Pyramidentexte. Berlin. 1900. 4. 54 SS. (Inauguraldissertation). 
W. Max Müller, Studien zur vorderasiatischen Geschichte II (Die Urheimath der Philister. Der 

Papyrus Golenischel'f. Die Chronologie der Philistereinwanderung). Berlin (Wolf Peiser) 

1900. 8. 42 SS. 2 Taff. (Mittheil, der Vorderasiat. Gesellsch. 1900, I). 
J. Oppert, lUusions et deceptions chronologiques (Revue archeologique 1900, I p. 4 ff.). 
W. M. Flinders Petrie, Denderah 1898. With Chapters by Griffith, Gladstone and Old- 

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1899, Nr. 37). 

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— — , Di un vaso fenicio rinvenuto in una tomba della necropoli di Tarquinii (aus Monumenti 

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gefäfs, dessen hieroglyphische Aufschrift ( oY|_] | ^^ ( ^^4 wwv^ i /\-r-/2i Tl uns die 

Namen des Bokchoris giebt. 
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G. Steindorff, Die Blüthezeit des Pharaonenreiches. Bielefeld (Velhagen & Klasing) 1900. 8. 

170 SS. 3 Taff. 140 Abb. und 1 Karte. 
Turajeff, Koptische Ostraca der Sammlung Golenischeff (Russisch. In Bulletin de l'academie 

Imp. des Sciences de St-Petersbourg 1899, Mai). 
Ägyptische Urkunden aus den Königl. Museen zu Berlin. — Arabische Urkunden. Heft 2. 

Berlin 1900. 



Leipzig, .1. C. Hinrichs'sche Buchhandlung. — Verantwortl. Redacteur Prof. Dr. A. Erman, Berlin, Steglitz. 
Berlin, gedruckt in der Reiehsdruckerei.